2010 wurde die berührende Auschwitz-Oper «Die Passagierin» des bis dahin weitgehend unbekannten Komponisten zum Überraschungserfolg der Bregenzer Festspiele. Mit «Lady Magnesia» inszenierte die Studiobühne des Erfurter Hauses nun ein skurriles Beziehungsdrama aus der Feder Weinbergs, der 1996 starb. Dessen makabrer Witz überzeugte das Premierenpublikum, die szenische Uraufführung erntete Applaus.
Der eifersüchtige Sir Fitztollemache will den Liebhaber seiner Gattin Magnesia aus der Welt schaffen und serviert ihm einen Giftdrink. Während Lover Adolphus sich vor Schmerzen windet, trinken Lord und Lady Tee - und Magnesia bekundet neue Gefühle für den Gatten. Der lässt sich überzeugen, die Schmerzen des Nebenbuhlers zu mindern, und flößt ihm als Gegenmittel die aufgelöste Gipsmaske Magnesias ein. Das bekommt Adolphus gar nicht - er wird zur Statue.
Im Mittelpunkt dieses absurden Plots steht das Spiel zwischen Bösartigkeit, Ironie und dem Deckmantel britischer Höflichkeit, den die drei immer wieder über ihr Treiben ziehen. «Diese Brüche in den Figuren sind sehr spannend», sagt Regisseurin Barbara Schöne. Die 1975 fertiggestellte Oper folgt einer Farce George Bernard Shaws.
Das Bühnenbild spiegelt dieses surreale Universum. Die Welt steht buchstäblich Kopf, der Kronleuchter hängt am Boden. Die zugespitzten Figuren - die bösartige Haushälterin, der hintertriebene Ehemann - erinnern an Stummfilm-Akteure.
Auch die Partitur Weinbergs nimmt Anleihen in der Filmmusik, aber auch im Jazz und bei verschiedenen Tänzen. Die stilistische Vielfalt ist ein Markenzeichen des Komponisten. Dirigent Samuel Bächli führt das Philharmonische Orchester Erfurt durch die rapiden Stil- und Tempo-Wechsel.
Nach nur einer Stunde endet die flotte Erfurter Inszenierung mit einem hysterischen Lachen, das schließlich in Wahnsinn umzuschlagen scheint - Irrwitz auf den Punkt gebracht. Beim Erfurter Publikum hielt sich das Interesse an dem Stück allerdings in Grenzen. Bei der Premiere blieben viele Sitze leer.
