Schulentwicklungsplan: Inklusion bedroht Existenz der Förderschulen

Von Michael Fritsch am 05. Februar 2012 13:46

CASTROP-RAUXEL. Die Zukunft der beiden Förderschulen in unserer Stadt hängt maßgeblich von zwei derzeit nicht valide zu kalkulierenden Faktoren ab: Den nach wie vor ausstehenden politischen Vorgaben der Landesregierung sowie dem Willen von betroffenen Eltern, die ihre Kinder auf Regelschulen zu schicken.

Das ist der Tenor der Studie „Regionale Schulentwicklungsplanung im Förderbereich – Bestandsaufnahme und Prognosen“ für die vier Städte Castrop-Rauxel, Datteln, Oer-Erkenschwick und Waltrop. Der mit dem Fachbegriff Inklusion bezeichnete Vorgang, Menschen mit Behinderung im Bildungswesen gleichzustellen, ist in einer UN-Konvention aus dem Jahr 2006 festgeschrieben worden, steht in Deutschland aber erst in den Anfängen. Vorreiter in Castrop-Rauxel sind bei den Grundschulen die Marktschule Ickern, bei den weiterführenden Schulen die Schillerschule.

Präsentation am Mittwoch

Der Schulentwicklungsplan Förderschulen wurde – wie bereits der vor einem Jahr vorgelegte Schulentwicklungsplan für die Regelschulen – von den Bonner Projektgruppe Bildung und Region verfasst und liegt der Schulverwaltung seit Jahresbeginn vor.

Hubertus Schober, Leiter der Projektgruppe, wird das 47 Seiten starke Papier am Mittwoch hier vorstellen und erläutern.

Unrealistisches Szenario

Aufgrund der vagen Entwicklung beschränkt sich der Plan im Wesentlichen auf eine Bestandsaufnahme sowie eine Fortschreibung der Schülerzahlen ohne Inklusion. Bei einem solchen – unrealistischen – Szenario wären sowohl die Martin-Luther-King-Schule an der Bahnhofstraße (Schwerpunkt Lernen) als auch die Hans-Christian-Andersen-Schule in Deininghausen (Schwerpunkt Sprache) langfristig gesichert. Ihre Schülerzahlen gingen in den nächsten zehn Jahren nur allmählich von 120 auf 92 bzw. 111 auf 99 zurück.

"Dramatische Wendung"

Da dieser scheinbar beruhigende Trend aber nicht der vermuteten Entwicklung entspricht, empfiehlt Schober, sich auf ein anderes Szenario einzustellen: „Die zukünftige Entwicklung kann mit dem Klagerecht der Eltern eine dramatisch schnelle Wendung nehmen“, warnt er in der Studie. Mit den entsprechenden Auswirkungen auf die bestehenden Förderschuleinrichtungen. Diese sollen sich zwar zunächst zu Kompetenz- und Beratungszentren für den Gemeinsamen Unterricht in den Regelschulen entwickeln. Aber, so Schober weiter: „Ob dann allerdings noch insgesamt sechs solcher Kompetenzzentren (mit Schulgebäuden ohne Schüler) existenzberechtigt sein werden, wird letztlich die zukünftige Entwicklung zeigen müssen.“ 

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