Geduze ist unterste Schublade

01. Februar 2012 12:51

Leserbrief von Elsbeth Bartmann, Lohwegsiedlung, zum Artikel "Was ist ,Bubble Tea'?" vom 26. Januar

Geht es Ihnen auch so wie mir? Ich habe es satt, von mir völlig fremden Menschen geduzt zu werden. Der Besitzer o.g. Teeladens kann mich wohl nicht meinen, da ich kein Duzfreund von ihm bin, also werde ich meinen Tee ganz bestimmt nicht bei ihm kaufen! Neulich auf der Kunibertistraße: Vor einem Handyladen hielt uns eine junge Frau einen Zettel unter die Nase: „Ein Gutschein für euch!“ Euch? Wir wollten keinen Gutschein und ich fragte sie im Weitergehen, wieso sie die Passanten duzt. Das verdutzte sie kurz, und dann hörte ich sie: „Ein Gutschein für Sie!“ Ach, geht doch! Aus dem Lautsprecher eines großen Baumarktes in Datteln plärrte uns lautstark entgegen: „Du musst nur…, dann kannst du…“ Ich habe mich bei der Geschäftsleitung und beim Aufsichtsrat des Unternehmens beschwert; ich glaube nicht, dass die Herrschaften sich von ihren Werbeleuten so nassforsch duzen lassen würden! Bei der ARD kreischte Stefan Raab: Wir brauchen deine Stimme! Beim „Aktuellen Sportstudio“ heißt es „Mach’ dein Ding“ (was immer das bedeuten mag). Es handelt sich hierbei nicht um Kindersendungen, und für die öffentlich-rechtlichen Sender muss ich Gebühren zahlen. Dann habe ich auch das Recht auf eine höfliche Anrede! Angefangen hat alles wohl mit dem schwedischen Möbelhaus, das zwar in Deutschland mit seinen Produkten weltweit die größten Umsätze tätigen kann, im Gegenzug aber nicht in der Lage ist, die hier üblichen Höflichkeitsformeln anzuwenden. Jede Seite des Postwurfkatalogs ist eine Unhöflichkeit ganz besonderer Art. Dieses Geduze von fremden Leuten ist unterste Schublade, Pennerniveau; es ist ungezogen, zeugt von Unerzogenheit, es ist unhöflich, anmaßend und für die Angeduzten in nicht hinnehmbarer Weise verletzend.

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