"Kappe App"-Premiere: Anti-Karnevalsrevue zelebriert den derben Klamauk

Von Annette Waschbüsch am 05. Februar 2012 13:45

MÜNSTER. Die Tanzmarie braucht einen Rollstuhl, Investoren spielen Monopoly mit den Osmo-Hallen und dem Publikum fliegen auch schon mal volle Windeln um die Ohren: die Anti-Karnevalsrevue "Kappe App" setzt dieses Jahr auf frechen Witz und derben Klamauk. Doch nicht alle Scherze zündeten bei der Premiere.

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Die zehn Alternativ-Karnevalisten von Kappe App schauen den faltigen Gemeinheiten der alten Tage in ihrem neuen Programm mit frechem Witz ins Gesicht (hier: Kascha B. und Stani).

Das Alter ist ein verrücktes Biest, dem nur mit Komik beizukommen ist. Die zehn Alternativ-Karnevalisten von Kappe App schauen den faltigen Gemeinheiten der alten Tage in ihrem neuen Programm mit frechem Witz ins Gesicht. Am Freitag feierten die „Besten Jahre“ in der Kulturschiene am Hauptbahnhof Premiere.

Nachdem die Kappe App Sitzung als Gegenveranstaltung zum klassischen westfälischen Karnevalstreiben selbst schon bald 20 Jahre auf dem Buckel hat, darf diesmal auch eine Tanzmarie zum Narhallamarsch auf die Bühne. Allerdings bekommt sie nur noch das in Begeisterung erstarrte Showlächeln ohne Hilfe hin, für Einmarsch und Spagat braucht es einen Rollstuhl und eine Schar beflissener Pflegekräfte.

150 Besucher

Um die 150 Besucher bekommen in der nicht ganz ausverkauften Kulturschiene eine gut dreistündige Revue zu sehen zwischen Seniorenheim und Yogamatte, der Angst vor dem Älterwerden und der ewigen Suche nach den besten Jahren im Leben.

Da freuen sich die Altrocker im Rentenalter (am Rollator: Willy Ludwig und Stani) auf den Gig der Band Amon Düül im Gemeinschaftsraum des Seniorenstifts, obwohl da auch nur noch ein paarmal hintereinander „Yesterday“ gespielt wird.

Kriminelle Rentner und volle Windeln

Der 42jährige Frühpensionär (Matthias Menne), genießt auf dem Golfplatz sportlich-entspannt die Sonnenseiten des Ruhestands, während der verarmte Rentner von der Brüningheide (Manni Kerh) nur dank einer Überlebensstrategie etwas abseits des Gesetzes über die Runden kommt.

Und wenn die alte Dame im Rollstuhl (Kascha B.) kaltherzig aufs Abstellgleis geschoben wird, fliegt dem Publikum auch schon mal Omas volle Windel um die Ohren.

Lokaler Rundumschlag

Die Kurve Richtung Politik ist zwischen solch derbem Klamauk problemlos genommen und den lokalen Rundumschlag beginnen die Herren an den Biertischen (Matthias Menne und Willi Ludwig) am münsterschen Hafen. Die ruinösen Lagerhallen werden dort zum neuen „Osmopolis“, während die Investoren Monopoly spielen.

Natürlich geht es auch um den Hindenburgplatz, für den "alle einen neuen Namen suchen - alle, außer der Bürgerschaft." Menne und Ludwig schlagen zum Vergnügen der Zuschauer eine bestechend simple Variante vor: „Wir nennen ihn 'Burgplatz', dann müsste man auf den Schildern nur das 'Hinden' durchstreichen.“ In Ermangelung einer Burg in Münster reiche aber eigentlich auch „Platz“.

Nicht jeder Gag zündet beim Premierenpublikum so gut und manch eine der schräg abseitigen Nummern lässt die Zuschauer eher ratlos als erheitert zurück. Doch das bleibt die Ausnahme. Am Schluss gibt es reichlich Applaus.

Weitere Aufführungstermine:
10., 11., 17. und 18. Februar (jeweils 20 Uhr) sowie am 18. und 19. Februar (15 und 18 Uhr).

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