Beruf ohne Lobby: Kongress thematisiert Image der Pflege-Branche

Von Anna Altfelix am 13. Mai 2011 07:18

MÜNSTER. Der Krankenpfleger gibt mit dem rechten Arm eine Spritze, mit dem rechten Bein füttert er einen anderen Patienten, mit dem linken Bein hält er einen Tropf hoch – und fällt dabei fast um. Der Comic ist zwar überspitzt, trifft jedoch die Grundproblematik des Berufs.

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Macht sich für die Pflege stark: Ludger Risse fordert mehr Anerkennung für die Branche.

Gezeigt wurde er von Ludger Risse, dem Vorsitzenden des deutschen Pflegerats NRW, bei seinem Vortrag beim Pflegekongress der Zentralschule für Gesundheitsberufe St. Hildegard.
 
„Der Krankenpfleger soll eine eierlegende Wollmilchsau sein“, sagte Risse. Eine tägliche hohe Belastung, permanenter Druck, und Überstundenberge sind die Folge. „Es soll billiger, aber nicht schlechter werden.“ Das führe dazu, dass immer weniger Jugendliche den Beruf des Krankenpflegers ergreifen wollen. „Das zentrale Thema unserer Branche ist ein drohender Fachkräftemangel.“
 
Das Image der Pflege ist ein weiterer Grund. Es stand bei dem Kongress, den die Schule zum ersten Mal ausrichtete, im Zentrum. „Was machst du denn als Pfleger, alte Omas waschen?“ ist nur eines der Vorurteile, denen Pflegeschüler Mirko Topnik im Freundeskreis begegnet. „Die Sichtweise in der Bevölkerung ist sehr oberflächlich, der Pflegeberuf ist doch viel komplexer“, sagt der 20-Jährige.
 
Bachelor-Studiengang
 
Nadine Guerre, eine der Pionierinnen des NRW-weit ersten Bachelor-Pflegestudiengangs an der Mathias Hochschule Rheine, hat ähnliche Erfahrungen gemacht: „Das Image ist nicht schlecht, aber die Menschen sind zu wenig informiert. Ich studiere auch, um das Image der Pflege zu verbessern, denn der Respekt vor den Pflegeberufen fehlt in der Gesellschaft.“
 
Die Referenten plädierten dafür, die Pflege sichtbarer zu machen. „Wir haben keine starke Lobby“, sagte Ludger Risse, „deshalb fordern wir eine Pflegekammer auf Bundesebene“. Die demographische Entwicklung sei eines der größten Probleme der Branche: „Bis 2020 werden wegen der Zunahme von Alterserkrankungen 300 000 zusätzliche Pflegekräfte benötigt.“
 
In Münster sieht es noch gut aus, wie Magnus Engeln, Pflegedirektor des Herz-Jesu-Krankenhauses, berichtet: „Münster ist eine große Ausnahme, weil viele junge Menschen hierher ziehen.“ Die 300 Teilnehmer belegen die Brisanz des Themas, der Kongress soll nächstes Jahr fortgesetzt werden.

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