Roncalli-Tagebuch: Marlitt Werner gibt ihr Debüt in der Manege in mehreren Rollen

Recklinghausen Als Rokoko-Dame empfängt Marlitt Werner die Besucher des Circus Roncalli, in Frack und Zylinder begrüßt sie das Publikum zu Beginn der Vorstellung im Zelt, im roten Kleid singt sie „Birds flying high“ von Michael Buble oder „Golden Years“ von David Bowie. Von der Musicalbühne ist Marlitt Werner in die Manege gewechselt, und das gleich in mehreren Rollen.

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    Mal Rokoko-Dame, dann Conférencier im Frack: Marlitt Werner schlüpft in jeder Vorstellung in unterschiedliche Kostüme. Foto: Torsten Janfeld

Die Wohnung in Hamburg ist gekündigt. Das neue Zuhause im kleinen Roncalli-Dorf misst gerade fünfeinhalb Meter in der Länge und ist mobil. WG-Erfahrung hat die 26-Jährige nicht. Jetzt teilt sie einen Wohnwagen im Roncalli-Dorf mit dem niederländischen Komiker Ramon Hopman. Noch ist der Alltag ein kleines Abenteuer für Marlitt Werner, „neu und aufregend“, wie sie selbst strahlend sagt. Seit knapp zwei Wochen ist der Circus Roncalli ihr Zuhause.

Inzwischen fühlt sie sich hier pudelwohl, auch an den Wohnwagen hat sie sich gewöhnt. „Zuerst war ich erleichtert, dass ich überhaupt aufrecht darin stehen kann“, sagt die 1,83 Meter große gebürtige Kielerin schmunzelnd. „Dann musste ich lernen, wie man ein Fenster öffnet.“ Zum Glück sind hilfreiche Nachbarn zur Stelle, wenn die Gasflasche leer ist oder die neuen Bewohner sich mal wieder fragen, wie man den spärlichen Stauraum besser nutzen kann. „Alle hier sind einfach unglaublich freundlich“, schwärmt Marlitt Werner. „Es ist wie in einer großen Familie.“

Aus dem Musicalgeschäft kennt sie auch einen anderen Umgangston. „Da ist der Konkurrenzdruck groß, und manchmal auch der Neid. Aber hier spielt so etwas keine Rolle.“

Marlitt Werner, in Kiel geboren und in Neumünster aufgewachsen, begeisterte sich als Kind für die Arbeit der Animateure in Ferienclubs, in denen die Familie Urlaub machte. Als sie 16 war, erlebte sie zum ersten Mal das Musical „Tanz der Vampire“ auf der Bühne. „Ich werde Musicaldarstellerin und singe die Magd Magda“, verkündete der Teenager entschlossen und begann Tanz- und Gesangsunterricht zu nehmen.

Gleich die ersten Bewerbungen an Musicalschulen waren erfolgreich. 2012 schloss Marlitt Werner ihre Ausbildung an der Hamburger Stage School erfolgreich ab – und wiederum gab es einen nahtlosen Übergang. Sie ging an die Bühne. Ihre Stationen waren Theater und Varietés in Hamburg, Berlin und Stuttgart. Nie war sie länger als ein paar Monate an einem Ort. An ein Nomadenleben ist die 26-Jährige also gewöhnt.

Im Apollo-Varieté Düsseldorf lernte sie schließlich Bernhard Paul kennen, der sie zusammen mit Ramon Hopman vom Fleck weg engagieren wollte. Jetzt ist Marlitt Werner froh, dass sie in den Vertrag eingewilligt hat. „Ich liebe den Zirkus und seine Gerüche – nach Pferden, Sägemehl, Popcorn und Zuckerwatte. Und ich liebe den Kontakt zum Publikum, das einfach kommt, um Spaß zu haben.“
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ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    19. März 2016, 06:16 Uhr
    Aktualisiert:
    19. März 2016, 07:51 Uhr