Die Glücksspielbranche als Wirtschaftsmotor?

Glücksspiel ist so alt, dass es bereits vor der Erfindung echter Geldmünzen, der christlichen Religion und Zivilisationen bestand, die wir heute als »zivilisiert« bezeichnen würden. Das ist kein Wunder, denn die Wette auf den dicksten Hahn oder den besten Kämpfer in einer Arena ist ein so simples Konzept, das der Unterhaltung und dem Wohlstand dient, dass sich das Glücksspiel quasi von selbst entwickeln würde. Eventuell könnten gar Orakel als bezahltes Glücksspiel bezeichnet werden, denn immerhin wurden für diese Teilnahme Opfer erbracht.

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Fakt ist, dass das Glücksspiel schon immer die Wirtschaft, in welcher Art auch immer, ankurbelte. Das trifft auch heute noch zu. Nicht nur werden Gelder für Steuern, Konzessionen, Gewinnsteuern und vieles mehr eingenommen, die Branche schafft auch Arbeitsplätze. Generell ist die Branche gar im Wachstum, wie dieser Artikel zeigt.

Wachstumszahlen der Glücksspielbranche in Deutschland und Europa
An dieser Stelle muss klar gesagt werden, dass das Wachstum der Branche in Europa anders gewertet werden muss, als das in Deutschland. In beiden Bereichen gibt es enorme Wachstumsquoten, doch müssen diese – gewissermaßen – in Deutschland unter den Tisch fallen. Die absurden Vorstellungen der Umsetzung des Glücksspielstaatsvertrags treibt viele Anbieter in die »graue Zone« und hinaus nach Europa:
 
  • Boom – die Zeitungen melden es immer wieder: Das »illegale Glücksspiel boomt«. Damit sind jedoch nicht die gefürchteten, von Banden beherrschten Hinterzimmerpokerrunden gemeint, sondern das Online-Glücksspiel. Dieses ist in Deutschland einzig einigen wenigen Anbietern in Schleswig-Holstein und den jetzt zertifizierten Sportwettenanbietern erlaubt. Eine Ausnahme bilden die staatlichen Lottoanstalten, die sich statistisch gesehen weiterhin auf dem zweiten Rang bewegen.
  • Auswirkung – da keine deutschen Online-Lizenzen für Casinos oder Automatenbetreiber vergeben werden, arbeiten diese Anbieter mit europäischen Lizenzen. Diese sind völlig legal, doch ist der Firmensitz dieser Anbieter nun auch nicht mehr in Deutschland, sondern in Malta, Gibraltar oder einem der anderen Lizenzgebiete. Das hat Folgen: Der Umsatz wird nun auch diesen Ländern zugeschrieben und nicht Deutschland. Einzig gewonnene Spielgelder beziehungsweise Zinsen aus ihnen werden in Deutschland noch versteuert.
Wie ausufernd das Wachstum tatsächlich ist, lässt sich kaum nachvollziehen. Dafür sind schlichtweg zu viele Länder involviert. Bezüglich der staatlichen Lotto- und Wetteinrichtungen sind jedoch Zahlen bekannt. 2018 konnten die jeweiligen Unternehmen rund 7,4 Milliarden Euro umsetzen.
Auch Arbeitsplätze entstehen durch das Glücksspiel
Generell ist es verständlich. Öffnet ein Casino, sind Mitarbeiter, Security, teils Köche, Kellner und natürlich Reinigungskräfte und Mechaniker notwendig. Doch auch das Online-Glücksspiel ist ein absoluter Arbeitsplatzgarant, da an diesen »Webseiten« jede Menge Personen mitwirken. Einige Beispiele:
 
  • Malta – der kleine Inselstaat dürfte dem Glücksspiel bereits einen Tempel errichtet haben, denn ein großer Anteil des eigentlichen Einkommens geht auf diese Einnahmequelle zurück. Mittlerweile sind es 12,1 Prozent des nationalen Einkommens.
  • Wachstum - allein im vergangenen Jahr wuchs der Sektor massiv und deutlich schneller als die Gesamtwirtschaft.
Die Arbeitsplätze belaufen sich jedoch nicht allein auf die Erhaltung reiner Online-Casinos, sondern beziehen auch die Lizenzvergabe, Kontrolle und freilich den regionalen Casinomarkt mit ein. Denn in dem Inselstaat stieg mittlerweile auch die Beliebtheit der lokalen Casinos und Spielhallen deutlich an - was freilich erneut zu höheren Einnahmen und Arbeitsplätzen führte.
Wie wird sich das Glücksspiel entwickeln?
Die Frage ist natürlich, wie sich das Glücksspiel allgemein und vor allem die Regelungen in Deutschland entwickeln werden. Vielerorts ist in Deutschland selbst bei der Umsetzung des Glücksspielstaatsvertrags in den örtlichen Spielhallen und Casinos zu sehen, dass die Behörden abwartend reagieren. Sicher, zig Städte hatten lautstark angekündigt, nun verstärkt gegen Verstöße vorzugehen und strikt auf die Umsetzung zu bestehen, wirklich geschehen ist in vielen Städten gar nichts. Wenn, dann haben sich Spielhallenketten zusammengetan und anstelle mehrerer Klein-Lokalitäten ein Megacenter errichtet.
Aber warum ist das so? Das hängt natürlich mit den Einnahmen zusammen. Spielhallen und Casinos sind sichere Einnahmequellen für Städte und Kommunen – und genau aus diesem Grund ist es ein längst überfälliger Schritt, das Online-Glücksspiel endlich umfassend zu regeln und deutsche Lizenzen zu verteilen. Immerhin gibt es Bundesländer und Gerichte, die das ebenso sehen:
 
  • Sportwetten – Online-Anbieter von Sportwetten sind bereits einen Schritt weiter als sonstige Glücksspielanbieter. Ein hessisches Gericht hat entschieden, dass sämtliche Anbieter, die 2012 bereits eine Bewerbung eingereicht haben, eine deutsche Onlinelizenz erhalten müssen. Dasselbe gilt für diejenigen, die damals schon die Auflagen erfüllten. Auch andere Bundesländer, NRW und Bayern vorweg, wollen diesem Beispiel folgen.
  • Hessen – bei Sportwetten vorweg, beim Glücksspiel strammen Schrittes voran: Hessen hat im Koalitionsvertrag aufgenommen, noch dieses Jahr das Lizenzchaos mit der Bundesregierung regeln zu wollen. Ist das nicht der Fall, werden eigene Online-Lizenzen vergeben. Auch hier schließen sich NRW und Bayern mit an. Eine Lösung ist also in Sicht.
Die Bundesländer wissen natürlich, dass ihnen durch die Lizenzen und Firmensitze im Ausland Gelder verloren gehen und Arbeitsplätze woanders entstehen. Kein Wunder also, dass sie nun ein Stück vom Kuchen abhaben wollen, damit das Wachstum auch hierzulande eintritt. Mitunter könnte der Brexit diesem Vorhaben noch Flügel verleihen, da diverse Online-Casinos und Sportwettenanbieter britische Wurzeln haben und vermutlich geneigt sein werden, den dann anderweitig schwer zugänglichen europäischen Markt aus Frankfurt, München oder auch Düsseldorf aus zu erreichen. Sicher ist, dass gerade das Online-Glücksspiel auch weiterhin an Fahrt aufnehmen dürfte. Für Spieler selbst müsste nur endlich ein korrekt legaler Weg ohne Grauzone geschaffen werden, um am Spiel teilzunehmen.

Fazit – einer der ältesten Wirtschaftsmotoren
Man darf ruhig sagen, dass das Glücksspiel einer der ältesten Wirtschaftsmotoren ist. Der Bereich ist nicht auf sonstige Verhältnisse angewiesen, denn die Lust auf das Spiel ist schlichtweg immer vorhanden. Das Glücksspiel hat dabei bereits längst Malta und Gibraltar als »Lizenzumweg« erkannt, wenn die eigenen Länder keine Lizenzen vergeben. Übrigens sieht es für die Branche schon deswegen hervorragend aus, weil die EU Ländersperren verbietet, sodass einige der deutschen Glücksspielvorstellungen schwierig umzusetzen sind.


ZUM ARTIKEL
  • Erstellt:
    31. Januar 2019, 11:36 Uhr
    Aktualisiert:
    31. Januar 2019, 11:38 Uhr