Philipp Wollscheid (r.), hier im Zweikampf mit Hamburgs Paolo Guerrero, ist ein Innenverteidiger der modernen Prägung.
"Noch mit Libero und Vorstopper"
Wollscheid, Innenverteidiger beim heutigen BVB-Gegner 1. FC Nürnberg, ist dem suchenden Radarstrahl entkommen, er ist immer durchs Raster gefallen. Vielleicht reichte aber die Erfassung ja auch nur nicht so weit. SV Morscholz, FC Wadrill, VfL Primstal, SG Noswendel-Wadern – man muss kein Fußball-Laie sein, um diese Vereine nicht zu kennen. Sie markieren den fußballerischen Weg des Nürnberger Innenverteidigers, der im Alter von 18 Jahren noch in den Niederungen der Amateurklassen zu Hause war, „kleine Dörfer, unteres Level“, hat er in einem TAZ-Interview mal erzählt. „Da haben wir noch mit Libero und Vorstopper gespielt.“
Wollscheid blieb da genügend Zeit, sein Abitur zu machen. Überhaupt verschwendete der Einser-Abiturient mit den Vorlieben für Mathematik und Physik nur wenige Gedanken daran, dass Fußball-Profi zu werden doch ein erstrebenswertes Lebensziel sei.
Kicken zum Studieren
Die Schule, hat Philipp Wollscheid in einem Interview mit der „Zeit“ mal gesagt, habe immer Vorrang genossen. „Ich dachte, ich sei ein ordentlicher Oberliga-Spieler, der sich dadurch sein Mathe-Studium finanzieren könnte.“
Erst als er die Schule abgeschlossen hatte, investierte er mehr Zeit in den Sport. 2010 landete er über Umwege beim „Club“, in Saarbrücken hatten sie ihn vorher für nicht gut genug befunden. Bei den Franken paukte er erst einmal, wie man sich im Zentrum einer Viererkette zu verhalten hat, er lernte schnell und stand plötzlich, im November 2010, erstmals in einem Bundesliga-Spiel auf dem Rasen.
Fair, zweikampfstark, clever
Seither hat „Club“-Trainer Dieter Hecking in keinem Bundesliga-Spiel auf Philipp Wollscheid verzichtet. Sein Spiel ist gradlinig, er beherrscht den schnellen, raumgreifenden Pass und definiert seine Rolle als Stoppschild für gegnerische Stürmer so, wie auch Joachim Löw es gern hat: Mit fairen Mitteln den Ball zu erobern, das ist auch ein Markenzeichen von Philipp Wollscheid.
Dass er nie ein Leistungszentrum des DFB von innen gesehen hat, amüsiert den intelligenten Defensivspieler, der sich in seiner Art, ein Spiel zu interpretieren, unglaublich schnell weiterentwickelt hat.
Weit unter dem Radar
Bei kleineren Sichtungs-Lehrgängen sei er gewesen, aber nie aufgefallen, der nächste Bundesligist nahe seiner saarländischen Heimat war der 1. FC Kaiserslautern. Nur 80 Kilometer entfernt, doch eine Anfrage gab es nie. Wollscheid spielte weit unter dem Radar.
Nach seinem ersten Bundesliga-Halbjahr aber änderte sich das. Nürnbergs Manager Martin Bader schaffte es zwar, Wollscheids Vertrag bis 2014 zu verlängern, doch nun balgten sich plötzlich Branchengrößen wie Dortmund oder Leverkusen um seine Dienste.
Ab Sommer in Leverkusen
Wollscheid stieg binnen weniger Monate zum Chef der Nürnberger Viererkette auf, doch mit seinen konstant guten Leistungen war auch klar, dass seine Zeit im Frankenland begrenzt sein würde. Ab Sommer verteidigt Philipp Wollscheid für Bayer Leverkusen. In Nürnberg hat man sich damit abgefunden. Und sie werden versuchen, den nächsten Wollscheid zu finden. Wenn nötig, wieder außerhalb aller Raster.











