Es war die Zeit der Euphorie. Der ESV wurde Meister in der Westfalenliga und es gab richtig geile Spiele. Als Beobachter in Herbede, Ennepetal, Wanne, Brambauer und nicht zuletzt in Erndtebrück kann ich unterschreiben, dass die Wielert-Truppe brannte und so mancher Gegner dieses begeisternde Feuer weit mehr zu spüren bekam, als es ihm lieb war. Die jungen Burschen mussten manchmal mit dem Lasso eingefangen werden, solche Meterzahlen wurden abgespult.
Jetzt ist Ligaalltag. Nur eine Etage höher weht ein ganz rauer Wind. Leistungsträger wie Ernst, Allali, Erwig-Drüppel und Bönighausen wurden nicht adäquat ersetzt. Dennoch träumte mancher vom gesicherten Mittelfeldplatz, doch die Trauben hängen viel höher als erwartet. Stand heute: abgeschlagen am Tabellenende, nur zwei Siege. Fazit: Grausame Realität eines kurzen Intermezzos, diese Liga tut nicht Not.
Jürgen Wielert sagte vor Monaten völlig zu Recht, dass es eine mutige Entscheidung ist, den Sportmanager Stefan Blank zum Trainer zu machen und ihn zu feuern. Ein Vorwurf an ihn lautete: Die jungen Spieler entwickeln sich nicht weiter. Wie auch, wenn du ständig mit dem Rücken zur Wand stehst und personell latent unterlegen bist. Ein andernorts ausgemusteter Abwehrspieler soll nun der Heilsbringer sein, doch die erhoffte Stabilität entpuppt sich de facto als Wunschdenken und die Defensivabteilung ist schwächer als je zuvor.
Adhoc vorgenommene Umstellungen in der Elf versteht offenbar nur Stefan Blank höchstselbst – wo bitte ist das System, ist es Panik oder Harakiri? Es bleibt sein Geheimnis.
Stefan Ö. auf die Bank bei einem Sturm, der den Namen nicht verdient. Bleibt der Junge eigentlich noch in Erkenschwick? Wie viele Punkte wurden nach der Winterpause unter Blank geholt?
Die Tabelle lügt nicht. Doch deshalb bin ich von Schwarz-Rot nicht enttäuscht. Dazu besteht beim HSV, FC Hollywood und Schalke definitiv mehr Veranlassung.
Mögliche Straßenbahnduelle nur eine Liga tiefer gegen Wanne, Hassel, FCR, Dorsten, demnächst vielleicht Haltern und Waltrop oder Hammer SV, FC Gütersloh, Wattenscheid 09 haben ihren Reiz und sind interessanter als Gegner namens Aachen II, Duisburg II und Bielefeld II. Statt Zweitvertretungen interessiert heute eher die A-Jugend gegen Köln, Leverkusen oder Gladbach. Da können einmalig 4 000 Zuschauer gegen RWE den Kohl auch nicht fett machen. Von den Auflagen in der NRW-Liga ganz zu schweigen. Ist es wahr: 25 000 Euro Ausgaben für Zäune im Stadion? Ein Witz in einer finanziell notleidenden Kleinstadt.
Es hilft nur eins: Der Realität ins Auge sehen und freiwillig absteigen – die Vernunft muss siegen. Und für den Rest der Serie: Peter Anders, übernehmen Sie.


