Der „Spinner“ läuft zur Hochform auf: Der Eichenprozessionsspinner treibt wieder sein Unwesen

Datteln Rund 200 Bäume sind betroffen. Seit Freitag ist eine Spezialfirma im Einsatz.

  • Seit Freitag ist eine Spezialfirma im Einsatz, um die Nester des Eichenprozessionsspinners abzusaugen. Foto: Balint

Die giftigen Brennhaare des Eichenprozessionsspinners sind gefürchtet, und an immer mehr Stellen im Stadtgebiet tauchen die Tiere auf. Wie Stadtsprecher Dirk Lehmanski auf Nachfrage erklärt, sind rund 200 Bäume im Stadtgebiet betroffen. Angesichts der Häufung hat die Stadt bereits eine Spezialfirma beauftragt, die seit Freitag die Nester absaugt.

Mediziner mahnen zur Vorsicht

Die Symptome sind nicht ohne. Auch Menschen, die sonst nichts mit Asthma zu tun hätten, würden bisweilen Symptome wie Atemnot zeigen, warnen Mediziner. Bürger sollten einen großen Bogen um die Tiere zu machen. Das allerdings ist gar nicht so einfach. In den letzten Tagen sind auch beim Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Duisburg-Meiderich, das auch für die Uferwege am Kanal zuständig ist, vermehrt Meldungen über Spinner-Nester eingegangen. „Wir fangen jetzt an, die Nester abzusaugen“, erklärt Rüdiger Simon, der sich beim WSA um Naturschutz und Landschaftspflege kümmert. Er bittet aber um Verständnis: „Wir können nicht überall gleichzeitig sein.“ Sein Amt sei für 130 Kanal-Kilometer zuständig, und überall seien die Insekten zugange. Weiterhin setze man beim WSA aufs Absaugen, sagt Rüdiger Simon. Das sei auch für den Baum am schonendsten. Spritze man Gift, töte man immer gleich auch andere „unschuldige“ Lebewesen ab. Diese Einschätzung teilt auch die Stadt Datteln. In anderen Städten, zum Beispiel Herten, hat man 380 Eichen in sensiblen Bereichen wie Schulen, Kindergärten oder Spielplätzen vorsorglich von einer Fachfirma mit dem Margosa-Extrakt behandelt. Der Wirkstoff des Neembaums soll dafür sorgen, dass die giftigen Raupen nicht mehr fressen und so auch nicht mehr weiterwachsen.

Stadtverwaltung setzt auf das Absaugen

Die Stadtverwaltung Datteln setzt stattdessen wie gehabt auf das Absaugen. Rüdiger Simon weist darauf hin, dass die Eichenprozessionsspinner erst im dritten von fünf Entwicklungsstadien für Menschen gefährlich werden. Er warnt vor Panik, aber sagt auch: „Das letzte Jahr war Wahnsinn.“ Eichenprozessionsspinner habe es schon immer gegeben, aber 2018 sei sicher die 20-fache Menge aufgetaucht. Simon gibt noch einen Tipp, was zu tun ist, wenn man in die Nähe von Nestern gekommen ist: „Die Kleidung komplett waschen, und zwar bei 60 Grad, damit das Gift unschädlich gemacht wird.“ Leser haben zudem beobachtet, dass die Nester nun teilweise auch in Bodennähe auftauchen, damit umso gefährlicher für Kinder oder Hunde sind. „Die Nester rutschen teilweise die Stämme runter“, weiß Simon. Tückisch sei das auch für die Mitarbeiter, die das Gras im Uferbereich mähten, denn die wirbelten dann unter Umständen die Viecher mit ihren giftigen Härchen auf. Übrigens: Die Nester des Eichenprozessionsspinners seien über mehrere Jahre „haltbar“, sagt Simon. Sie bestehen aus Spinnfäden, Raupenkot, Häutungsresten und Puppenhülsen und werden dann einfach im nächsten Jahr wiederbezogen.

Wer auf städtischem Grund Eichenprozessionsspinner-Befall entdeckt, meldet es bei der Stadtverwaltung (( 107 247). Wer in einem RVR-Grundstück die Übeltäter entdeckt, wendet sich an den Forsthof Haard, ( 0 23 64/920 310. Auf Privatgrundstücken müssen die Besitzer selbst tätig werden, indem sie ein Unternehmen beauftragen. Dabei hilft auch die Stadt. Die Polizei Coesfeld berichtete jüngst auf ihrer Facebook-Seite, dass eine Dülmenerin auf die Masche eines unseriösen Schädlingsbekämpfers hereingefallen ist, den sie wegen eines Eichen-prozessionsspinner-Befalls in ihrem Garten gerufen hatte und der ihr 500 Euro abgeknöpft hatte.
 
Wer die Spinner-Nester an städtischen Bäumen entdeckt, meldet diese unter 107 247