BVB-Trainer Marco Rose: „Vielleicht verändern wir uns im Sommer auch ein wenig“

Redakteur
BVB-Trainer Marco Rose wünscht sich einen Fußball, der um kämpferische Elemente bereichert wird, aber das Spielerische nicht vernachlässigt. © picture alliance/dpa
Lesezeit

Im Interview mit der „Sport Bild“ hat sich BVB-Cheftrainer Marco Rose jüngst zu den wichtigsten Themen bei Borussia Dortmund geäußert. Der 45-Jährige sprach unter anderem über den künftigen Neuzugang Niklas Süle, die lästige Mentalitätsdebatte und den Fußball unter Jürgen Klopp.

BVB-Neuzugang Niklas Süle bringt viele Stärken mit

Angesprochen auf den am Montag verkündeten Transfer von Niklas Süle aus München sagte Rose: „Dass er ein guter Typ ist, ein sehr erfahrener Mann, dass er über Ruhe im Spielaufbau, Physis und Gier verfügt, ist ja bekannt. Er hat nicht umsonst mit Bayern die Champions League gewonnen. Und doch ist seine Qualität für uns erst ab dem Sommer ein Thema – dann aber gern.“ Den bisherigen Saisonverlauf bezeichnete der BVB-Coach derweil als „suboptimal“. Auch die 2:5-Pleite gegen Leverkusen wirkt nach. „Die Leverkusen-Partie haben wir uns natürlich ganz anders vorgestellt. Wir wissen, dass wir in Zukunft anders auftreten und einen anderen Fußball spielen müssen. Wir sind häufig noch zu inkonstant. Innerhalb eines Spiels, aber auch von Spiel zu Spiel“, betonte Rose.

Dass seine Vorgänger Edin Terzic, Lucien Favre, Peter Stöger und Peter Bosz ähnliche Probleme hatten wie er und seit Jahren eine Mentalitätsdebatte in Dortmund geführt wird, hat Rose registriert. „Bei welcher Mannschaft, die nicht all ihre Ziele erreicht oder sich in einer schwierigen Phase befindet, bleibt diese Frage aus? Die Erwartungshaltung ist hier über die Jahre hinweg unglaublich groß geworden, man spürt eine riesige Sehnsucht nach Titeln. Tabellenzweiter zu sein reicht nicht mehr. In den Pokal-Wettbewerben auszuscheiden – schlecht! Und manchmal reicht auch kein knapper Sieg. Dem müssen wir uns stellen und machen das auch. Dass die Dinge medial schnell groß gemacht werden, ist klar.“

BVB braucht künftig wieder Zauberfußball und Arbeitstiere

Unter Jürgen Klopp habe sich die Mannschaft „nicht nur über Zauberfußball, sondern auch über die Arbeitstiere definiert. Das ist etwas, wo wir auf Strecke wieder hinkommen wollen“. Dass sein Team mitunter starken Schwankungen unterliege, sei für ihn keine Frage des Willens oder fehlender Einsatzbereitschaft. Dazu Rose: „Die physischen Werte, die während eines Spiels gesammelt werden, zeigen klar, dass es keine Frage der Einstellung ist. Was uns mitunter noch fehlt, sind Kontinuität und das Selbstverständnis für unser eigenes Spiel. Wenn etwas einmal umgesetzt ist, musst du am nächsten Tag wieder rausgehen und es auch noch am dritten Tag und am vierten Tag umsetzen. Wenn ich den ersten Zweikampf verliere oder der zweite Zweikampf wehtut, darf ich dem dritten trotzdem nicht aus dem Weg gehen. Nein! Ich muss wieder alles investieren, um diesen vielleicht entscheidenden Zweikampf zu gewinnen.“

Im Kern geht es Marco Rose um die seit Wochen beschworenen Themen Haltung, Nachhaltigkeit und die Fähigkeit, auf Rückschläge angemessen zu reagieren. „Entscheidend ist, dass ich immer auch die letzten zwei, drei Meter gehe. Stehen zu bleiben und Schattentanz zu machen reicht nicht. Das nutzt jeder Gegner mit großer Qualität sofort aus. Ich muss unangenehm sein und unangenehm bleiben! Die Jungs haben sich hier jahrelang sehr darüber definiert zu schieben, Bälle exakt in den Fuß gespielt zu bekommen und eine Partie zu kontrollieren. Wir möchten unser Spiel nun sukzessive auch wieder um kämpferische Elemente bereichern, dabei aber das Fußballspielen nicht vernachlässigen“, sagte Rose.

BVB-Trainer Rose denkt über Veränderungen im Sommer nach

Seine Idee vom Fußball umsetzen, sei ein Prozess, der nicht von heute auf morgen umsetzbar sei. Möglicherweise fehlen dem BVB dazu auch noch passende Spieler. „Vielleicht verändern wir uns im Sommer auch ein wenig und holen den einen oder anderen Spieler dazu, der uns hilft, auf diesem Weg den nächsten Schritt zu machen, weil er in bestimmten Bereichen ein wichtiges Puzzleteil für uns sein könnte“, kündigte Rose an.

Im Gespräch mit der „Sport Bild“ betonte der Fußball-Lehrer nochmals, dass er mit dem Dauerthema um Erling Haalands Zukunft gelassen umgehe. „Ich habe jeden Tag Kontakt zu Erling und auch ein Gefühl für diesen Spieler und diesen Menschen. Ich weiß, wie lange sein Vertrag läuft. Ich weiß, was wie wann entschieden werden muss. Es liegt intern alles auf dem Tisch, alle sind ehrlich zueinander. Deshalb muss ich auch nicht jeden Tag mit ihm darüber reden. Er wird irgendwann eine Entscheidung treffen, und der Verein wird sich gut darauf vorbereiten. Dass wir uns alle wünschen, dass er bleibt, ist doch klar“, so Rose.

Zudem unterstrich der BVB-Trainer seine internationalen Ambitionen: „Wenn man Gefallen daran findet und immer weiterkommt, ist das auch in diesem Wettbewerb ein überragendes Gefühl. Es ist unsere Pflicht, die Europa League anzunehmen.“