Knastladen

Einmaliger Knastladen eröffnet in Castrop-Rauxel

Einen Online-Shop mit über 1500 Artikeln von Inhaftierten der Justizvollzugsanstalten gibt es schon. Künftig sollen die Produkte in einem eigenen Geschäft in der Castroper Altstadt verkauft werden.
Im vergangenen Jahr verkauften Inhaftierte der JVA ihre Produkte drei Wochen in einem Pop-Up-Store. Der neue Knastladen in Castrop-Rauxel soll dauerhaft bleiben (Archivfoto). © Uschi Bläss

Flip Flops, T-Shirts und Vogelhäuser: All das und vieles mehr stellen Inhaftierte in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Castrop-Rauxel her. Seit mehr als zehn Jahren werden über 1500 Artikel von Inhaftierten aus Justizvollzugsanstalten in Nordrhein-Westfalen in einem Online-Shop angeboten.

Neu ist jetzt: Das Online-Angebot der JVA soll künftig in einem eigenen Ladenlokal in Castrop-Rauxel verkauft werden. Am Samstag, 27. November, 10 Uhr, eröffnet der Knastladen in der Lönsstraße 16.

Die Eröffnung eines eigenen Knastladens sei „einmalig in NRW, wenn nicht sogar weit über die Landesgrenzen hinweg“, schreibt die JVA Castrop-Rauxel in einer Mitteilung.

Knastladen zur Resozialisierung

Mit dem Angebot der Inhaftierten will die JVA deutlich machen, „dass die Zeiten von Tütenkleben bei Wasser und Brot im Justizvollzug endgültig vorbei sind“, heißt es weiter. Stattdessen gehe es um Resozialisierung und einen sinnvollen Arbeitseinsatz der Inhaftierten.

Die Inhaftierten sollen durch den Knastladen Fähigkeiten und Strukturen erlernen, die ihnen den Weg in eine straffreie Zukunft aufzeigen. Zudem sichere die Erwerbstätigkeit den Lebensunterhalt und sei eine wichtige Grundlage für einen Wiedereinstieg in die Gesellschaft. „Lohn und Brot schützen vor einem Rückfall“, betont die JVA in der Pressemitteilung.

Einen Vorläufer zu diesem Projekt hatte es im Advent im Jahr 2020 schon gegeben. Dort stellte die evangelische Paulus-Kirchengemeinde der JVA drei Wochen lang kostenlos ihre Geschäftsräume für den Verkauf ihrer Produkte zur Verfügung. Der neue Knastladen in der Innenstadt soll nun dauerhaft bleiben.

Weihnachtsmarkt der JVA erneut abgesagt

Gerade in der Corona-Pandemie sei dieser Schritt wichtig. Der traditionelle Weihnachtsmarkt der JVA Castrop-Rauxel musste in diesem Jahr zum zweiten Mal in Folge abgesagt werden. Zuletzt hatten knapp 4000 Menschen den Markt auf dem JVA-Gelände innerhalb eines Nachmittags besucht. Diese Besucherdichte wäre angesichts der Pandemie zu hoch gewesen.

„Uns fehlen die Begegnungen auf Messen, bei Tagen der offenen Tür oder ganz besonders auch auf dem Weihnachtsmarkt“, bedauert JVA-Chef Julius Wandelt. Der Knastladen soll die Begegnung der Inhaftierten mit den Kunden nun wieder ermöglichen.


Land NRW unterstützt den Knastladen

Möglich gemacht wird der Knastladen über ein Förderprogramm des NRW-Heimatministeriums. Ziel ist es, die Innenstädte in NRW in Zeiten der Pandemie wieder mehr zu beleben.

Unterstützt wird das Projekt auch von Becker Immobilien, dem Eigentümer der Ladenlokale. Das Unternehmen verzichtet für den Förderzeitraum auf 30 Prozent der ursprünglichen Kaltmiete.

Die geplante Eröffnungsveranstaltung mit Prominenz aus Verwaltung und Politik musste kurzfristig abgesagt werden. Einen Ersatz dafür soll es aber geben, sobald sich die Corona-Lage wieder entspannt hat.

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