Bundestagswahl

Frank Schwabe (SPD) hat „die Nase voll von der Großen Koalition“

Seit 16 Jahren sitzt Frank Schwabe für Castrop-Rauxel, Waltrop und Recklinghausen im Bundestag. Er will für weitere vier Jahre nach Berlin. Denn an der aktuellen politischen Lage stört ihn viel.
Frank Schwabe, Bundestagsabgeordneter der SPD, will Castrop-Rauxel, Waltrop und Recklinghausen nach der Wahl 2021 weiterhin in Berlin vertreten. © Rebekka Wölky

Geboren ist er in Waltrop, aufgewachsen in Ickern. Heute wohnt Frank Schwabe (50) zwischen Castroper Altstadt und Schwerin. Fragt man den SPD-Bundestagsabgeordneten nach seinem „Zuhause“, so ist die Antwort ein entschiedenes „Castrop-Rauxel“.

„Mit Castrop-Rauxel verbindet mich eigentlich alles“, sagt er. Als wir ihn zum Interview treffen, kommt er gerade von der Einschulung seiner jüngsten Tochter. Die Stadt sei nach wie vor sein Lebensmittelpunkt, sagt er. Und gerät fast ein wenig ins Schwärmen.

In Ickern habe er als Kind die Gegend unsicher gemacht, gepölt, Buden und Baumhäuser gebaut. An der Grenze zu Waltrop sei er mit seinen Eltern spazieren gegangen. Mit seiner Frau und drei Kindern lebe er nach wie vor gern in Castrop-Rauxel, obwohl er mittlerweile auch eine zweite Wohnung in Berlin habe.

Seit 16 Jahren im Bundestag

Denn schon seit 2005 sitzt Schwabe dort im Bundestag. SPD-Mitglied ist er seit 1991. Zu seinem Wahlkreis gehören Castrop-Rauxel, Waltrop und Recklinghausen. Die Verwurzelung in diesem kleinen Teil des Ruhrgebiets beeinflusst die Ziele, die Schwabe für die große Politik in Berlin hat.

BunDESTAGS-Kandidaten im Porträt

Mit Frank Schwabe beginnen wir die Vorstellungen der Bundestagskandidaten im Wahlkreis 121 (Recklinghausen, Castrop-Rauxel, Waltrop). In den kommenden Wochen bis zum 8. September stellen wir Ihnen in gleicher Form die übrigen Kandidaten der größeren Parteien vor.

„Ich will die Entscheidungen für die Zukunft der Bürgerinnen und Bürger in Castrop-Rauxel gar nicht in Berlin treffen“, sagt der 50-Jährige. Stattdessen sei das Wichtigste, was er als Bundestagsabgeordneter tun müsse, dafür zu sorgen, dass die Städte in seinem Wahlkreis am Ende eigenständig entscheiden könnten. „Für Stadtteilentwicklung, gute Bürgersteige, vernünftige Kleingartenanlagen und Schwimmbäder.“

Aber all das kostet Geld. Sollte er in diesem Jahr wieder in den Bundestag gewählt werden, will Schwabe deshalb besonders an den Finanzen der Stadt arbeiten. Vor allem der Abbau von Altschulden ist ihm wichtig. „Die haben sich nicht angesammelt, weil wir hier zu faul wären oder nicht gearbeitet hätten, sondern wegen unserer Bergbau-Vergangenheit“, sagt er. Schwabe ist selbst Bergarbeitersohn. „Ich weiß, wie hart mein Vater malochen musste.“ Aber die Menschen im Ruhrgebiet hätten eben lange nicht genug Arbeitsplätze gehabt. Deshalb seien viele auf Sozialhilfe angewiesen.

Wahlkampf über TikTok

Vor unserem Video-Interview stand die Bitte an Frank Schwabe, einen Drehort auszuwählen, der ihm viel bedeutet. Seine Wahl fiel auf das Ickerner Kulturzentrum Agora. „Hier bin ich zu Hause, das ist mein zweites Wohnzimmer“, sagt er und deutet auf Amphitheater und Werkstatt. Nur 300 Meter entfernt stehe sein Elternhaus.

Tatsächlich kennt in der Agora offenbar fast jeder Schwabe – und zwar nicht nur als das Schwarzweiß-Foto auf den roten Wahlplakaten.

Ein Mann, der einen Transporter über das Gelände steuert, winkt ihm zu. Eine Frau am Empfang plaudert mit ihm. Und ein Jugendlicher ruft über den Hof „Hallo, Ihnen auch!“, nachdem Schwabe ihm einen schönen Tag gewünscht hat.

„Der Junge ist zwölf Jahre alt und folgt mir auf TikTok“, sagt der SPDler. So geht also Bundestagswahlkampf im Jahr 2021: Launige Videoclips im Internet statt gedruckte Flyer, um die jungen Leute zu erreichen.

„Es sterben viel zu viele Menschen einsam“

Denn auch für diese Generation will Schwabe im September 2021 wieder in den Bundestag gewählt werden. „Ich will alles alles tun, damit diese Gesellschaft nicht auseinanderbricht. Vor allem bei den Jungen und den Alten. Ich finde, es gibt viel zu viel Kinderarmut. Und es sterben viel zu viele Menschen einsam.“

Mit dem Agora Kulturzentrum in Ickern verbindet Frank Schwabe viel Persönliches.
Mit dem Agora Kulturzentrum in Ickern verbindet Frank Schwabe viel Persönliches. © Rebekka Wölky © Rebekka Wölky

Nicht nur wegen seiner Kindheitserinnerungen an die Gegend fühle er sich in der Agora wohl. „Ich bin auch politisch super gerne hier, weil es ein Ort ist, der für Integration steht und dafür, dass das Zusammenleben von Menschen gelingt.“

Die griechische Gemeinde, die das Kulturzentrum führt, habe sich nicht nur selbst in die Stadtgemeinschaft integriert, sondern auch geholfen, andere Menschen aus anderen Herkunftsländern zu integrieren.

Europarat und Klimapolitik

Frank Schwabe ist also in Castrop-Rauxel verwurzelt und will Politik direkt für seinen Wahlkreis machen. Aber nicht nur. „An der aktuellen politischen Lage stört mich ganz viel. Wenn ich fände, alles sei in Ordnung, dann müsste ich nicht Politik machen“, sagt er.

So liegt ihm auch Europa am Herzen. Seit 2018 ist er Vorsitzender der Fraktion der Sozialisten, Demokraten und Grünen in der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. Zu den Sitzungen reist er viermal im Jahr für fünf Tage nach Straßburg. „Mich stört, dass wir international in vielen Ländern einen Hang zu Rechtspopulismus haben, auch in Europa. Da sind Regierungen gerade dabei, die Europäische Union zu zerdeppern. Und ich finde, die Europäische Union ist dringend notwendig“, sagt er.

Ein weiterer großer Punkt auf Schwabes Liste für Berlin ist nach seinen Angaben die Klima-Problematik „Ich habe mein Leben lang Klimaschutz betrieben“, sagt er. Klimaschutz müsse aber sozial gerecht sein und dürfe die soziale Spaltung der Gesellschaft nicht vertiefen. Ihn allein über den Preis anzugehen, finde er falsch.

Die Nase voll von der Großen Koalition

Gerade für die Klimapolitik wünsche er sich eine Regierung unter Führung der SPD. „Ich habe die Nase voll von der Großen Koalition. Ich finde, die SPD macht gute Politik und hat in den letzten Jahren bewiesen, dass wir eigentlich die richtigen Akzente setzen. Am Ende müssen wir aber ständig Kompromisse mit CDU und CSU machen.“

Besonders beim Klimaschutz sei das schwierig. „CDU und CSU halten eigentlich nicht viel vom Klimaschutz und sind auch nicht bereit, zu investieren“, sagt Schwabe. Die Lösung für dieses Problem sieht er in einer „progressiveren Regierung“ – mit Olaf Scholz als Bundeskanzler.

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