Bundestagswahl

Nils Stennei (Die Grünen) aus Castrop-Rauxel will Klima und Bildung anpacken

Nils Stennei (22) will für die Grünen in den Bundestag. Sein Motto: Nicht meckern, sondern die Dinge selbst in die Hand nehmen. Mit seiner Jugend will er neue Perspektiven eröffnen.
Nils Stennei aus Castrop-Rauxel will für die Grünen in den Bundestag und dort die Themen, die seiner Generation am Herzen liegen, voranbringen. Er kandidiert für Waltrop, Castrop-Rauxel und Recklinghausen. © Rebekka Wölky

Bis zum Wahlsonntag (26.9.) wird Nils Stennei 23 Jahre alt sein. Doch damit ist er immer noch der jüngste Bundestagskandidat für Castrop-Rauxel, Waltrop und Recklinghausen.

Seine Jugend will er sich bei seiner Bundestagskandidatur zunutze machen: „Ich unterscheide mich von meinen Konkurrenten vor allem durch mein Alter. Dadurch habe ich einen anderen Blickwinkel auf viele Themen. Junge Menschen sind in der heutigen Politik viel zu wenig vertreten.“ Das will Nils Stennei in Berlin ändern.

Zum Gespräch treffen wir den noch 22-Jährigen bei schönem Wetter im Freibad in Ickern – allerdings nicht in Badehose, sondern in Hemd und Shorts. Den Ort für das Interview hatte sich der Sportstudent und begeisterte Schwimmer zuvor selbst ausgesucht.

„Das Freibad liegt mir sehr am Herzen. Ich durfte hier viele Trainingsstunden beim SV Poseidon verbringen“, sagt er. Als aktiver Schwimmer für den Verein hat er einige Erfolge gefeiert. „Generell müssen Öffentliche Sportstätten wie diese gefördert werden, damit hier auch weiterhin Sport gemacht werden kann.“

Castrop-Rauxel als grünes Beispiel für andere Städte

Nils Stennei ist in Castrop-Rauxel geboren und lebt seitdem auf Schwerin. „An Castrop-Rauxel gefällt mir vor allem unsere wunderschöne Altstadt“, sagt er. „Und, dass wir die Europastadt im Grünen sind. Innerhalb von fünf Minuten bin ich von mir zu Hause auf meiner Laufstrecke durch den Wald.“

Im Freibad in Ickern Nils Stennei zu Hause. Hier hat er im SV Poseidon trainiert.
Im Freibad in Ickern ist Nils Stennei zu Hause. Hier hat er oft unter freiem Himmel und im Grünen mit dem SV Poseidon trainiert. © Rebekka Wölky © Rebekka Wölky

Dieses Zusammenspiel von Stadt und Natur möchte er erhalten. „Ich will mich dafür einsetzen mir, dass auch zukünftige Generationen von Castrop-Rauxelern das noch so erleben können. Castrop-Rauxel habe das Potenzial, nicht nur so schön zu bleiben, wie es heute ist, sondern sogar zum nachhaltigen Positivbeispiel für andere Städte zu werden.

„Versuch doch einfach mal, es besser zu machen.“

Das Motto, das sich durch Stenneis Wahlkampf zieht: „Pack mal selber mit an.“ Diese Einstellung hat viel mit Stenneis eigenem Weg zur Politik zu tun. „Ich habe immer viel über Dinge gemeckert, die in unserem Land falsch laufen und mich aufgeregt haben“, erzählt er.

Porträt-Serie

Nils Stennei ist nach Frank Schwabe (SPD) und Michael Breilmann (CDU) der dritte Bundestagskandidat, den wir in unserer Porträt-Serie vorstellen. Die Kandidaten von FDP, AfD und Linken folgen.

„Dann habe ich mir gedacht: Bevor du jetzt nur die ganze Zeit meckerst, versuch doch einfach mal, es selber besser zu machen. Das ist mein Beweggrund, mich in der Politik zu engagieren.“

Seit Herbst 2020 sitzt er für Bündnis 90/Die Grünen im Rat der Stadt Castrop-Rauxel. Aber auch abseits der Ratssitzungen engagiert er sich. Denn wer aktiv etwas in der Gesellschaft verändern wolle, müsse das Zusammenleben aus verschiedenen Blickwinkeln kennen. „Um neue Einblicke in Arbeiten und Zusammenhänge in unserer Gesellschaft zu bekommen mache ich zum Beispiel viele Tagespraktika“, sagt Stennei.

Bund und NRW haben zu viel Klimapolitik verschlafen

„Die Grünen sind die Partei, die die wichtigen Themen unserer Zeit angeht und vor allem einen Plan hat, wie wir mit der Klimakrise klarkommen werden“, sagt Stennei. Die Entscheidung für seine Partei habe er im Hinblick darauf sehr bewusst getroffen.

In den vergangenen Jahren habe die Politik viele Punkte verschlafen, die man schon längst hätte anpacken müssen. Gerade in Sachen Klimapolitik. „Es macht mich unzufrieden, dass wir immer noch nicht den Sprung auf erneuerbare Energien geschafft haben. Wir könnten schon viel weiter im Ausbau sein. Aber besonders in NRW halten wir zu stark an fossilen Energieträgern fest.“

„Wenn ich in den Bundestag komme, dann möchte ich mich außerdem für mehr Klimaanpassungskonzepte einsetzen. Wir müssen auf Extremwetterereignisse wie die Flutkatastrophe besser vorbereitet sein, damit nicht nochmal so etwas passiert wie in den jüngsten Tagen“, sagt er.

Grundsicherung für Studierende

An der Technischen Universität Dortmund studiert Nils Stennei Sport und Sozialwissenschaften auf Lehramt. Neben der Klimapolitik liegt dem angehenden Lehrer die Bildungsgerechtigkeit am Herzen.

„Ich bin Student, also selbst noch von Problemen in diesem Bereich betroffen“, sagt er. Finanziell bedingte Chancenungleichheiten erlebe er an der Universität direkt. „Wir brauchen eine Grundsicherung, die das BAföG ersetzt.“ Eine solche Grundsicherung für Studierende durchzusetzen, wäre eines seiner wichtigsten Ziele im Bundestag.

Als angehender Lehrer sieht Stennei aber nicht nur Universitäten und Studierende, sondern hat auch die Situation von Schülern im Blick. „Bildung muss frei vom Einkommen der Eltern erhältlich sein“, sagt er. Mehr Geld müsse vom Bund in die Kommunen fließen, um Inklusion zu ermöglichen. „Dadurch schaffen wir mehr Gerechtigkeit.“

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