Ehrung

55 Jahre Feuerwehr: Vom Grünschnabel zum Bezirksbrandmeister

Der „Tag der Feuerwehr“ musste in Datteln auch 2021 ausfallen. Dennoch erhielten elf langjährige Feuerwehrmänner der Ehrenabteilung eine Auszeichnung. Einer von ihnen ist Leo Balan (75).
Die stellvertretende Bürgermeisterin Ute Schmitz (SPD), Feuerwehr-Chef Theo Berkel (5. v. re.) sowie sein Stellvertreter Christian Wojtys (4. v. re.) ehrten Franz Beckmann, Ludger Holöchter und Hermaann Schwott für 50 Jahre sowie Heinz-Jürgen Zöphel, Klaus Becker, Heinz-Egon Kalb, Leo Balan und Ernst Hoppe für 55 Jahre Mitgliedschaft in der Dattelner Feuerwehr. © Hollenhorst

Eigentlich werden die langjährigen Mitglieder der Ehrenabteilung jährlich beim „Tag der Feuerwehr“ in Datteln geehrt. Zum zweiten Mal musste das Fest nun coronabedingt ausfallen. Also nahmen Feuerwehrchef Theo Berkel, Stellvertreter Christian Wojtys sowie die stellvertretende Bürgermeisterin Ute Schmitz (SPD) die Ehrungen im Rahmen eines Klönabends der Ehrenabteilung an der Feuerwache vor.

Und die Freude bei den ehemaligen Feuerwehrleuten war groß, sich endlich mal wieder sehen und austauschen zu können. Acht anwesende und drei abwesende langjährige Mitglieder der Feuerwehr wurden nun für ihre 40-, 50-, 55- oder sogar 60-jährige Treue geehrt.

Weil ihr Mann und ihre Kinder in der Feuerwehr aktiv sind, wisse sie genau, was dieser ehrenamtliche Einsatz bedeute, sagt Ute Schmitz in ihrer Rede. Bei der Übergabe der Urkunden musste sie eingestehen, dass sie zwar viele der Feuerwehrleute kenne, bei der Horneburger Wehr aber noch Nachholbedarf habe. „Doch einen Horneburger muss man kennen“, sagte sie. Und kurz darauf stand Leo Balan von seinem Platz zwischen seinen Feuerwehr-Kollegen auf und holte sich seine Urkunde für 55-jährige Mitgliedschaft ab.

Mit 20 Jahren ist der Bezirksbrandmeister außer Dienst erst in die Horneburger Wehr eingetreten. Für den Sohn des ehemaligen Feuerwehrchefs im Dorf ist das eigentlich ein später Einstieg. „Ich war nie in der Jugendfeuerwehr oder ähnliches“, sagt Balan. Aber als der Gärtner dann ausgelernt war und seine Freunde sich der Wehr angeschlossen hatten, machte er mit. „Im Leben werde ich meinen ersten Einsatz nicht vergessen“, sagt Balan. Er wurde zusammen mit seinen Kollegen zur überörtlichen Hilfe zu einem Großbrand auf einem Bauernhof in Henrichenburg bestellt. „Als Grünschnabel suchst du dir dann jemanden mit Ahnung, der dir sagt, was du zu tun hast“, blickt er zurück, „ich wusste nur, dass ein Schlauch rot ist.“ Es galt, das Wohnhaus „kalt“ zu halten. Doch für zahlreiche Tiere in den Scheunen kam jede Hilfe zu spät, erinnert er sich.

Ein „Grünschnabel“ bei seinem ersten Großbrand-Einsatz

Damals war vieles anders als heute. „Wir wurden nicht ausgebildet, wir haben einfach mitgemacht“, sagt Leo Balan. Heute werde großer Wert auf Übungen und Ausbildungen für Feuerwehrleute gelegt, erklärt er. Rückblickend sieht er diesen Einsatz als seine „Feuertaufe“ an. Und nach diesem Brand habe er sich „verpflichtet gefühlt“, dabei zu bleiben. „Doch irgendwann war ich das Schlauchrollen leid“, sagt Balan und strebte nach der Führungsebene. Er wurde erst Zugführer in Horneburg und besuchte daher auch die Landesfeuerwehrschule in Münster.

Doch, dass er, der nicht einmal einer der Wehr-Chefs im Kreis Recklinghausen war, plötzlich Kreis-Brandmeister werden sollte, das habe er bis heute noch nicht so recht verstanden, sagt er. Doch er wurde vom damaligen Kreis-Brandmeister Bernhard Schmedes aus Waltrop vorgeschlagen und die Wehr-Leiter aus dem Kreis folgten dem Willen ihres Chefs, obwohl es eigentlich stets einer aus ihren Reihen war, der die Nachfolge für diesen Posten angetreten hatte. Balan ließ sich nach langen Gesprächen auf das Amt ein und blieb acht Jahre auf diesem Posten. „Zwischenzeitlich wurde ich auch stellvertretender Bezirks-Brandmeister“, blickt er zurück.

Nach zweieinhalb Jahren in diesem Amt und noch während seiner eigentlichen Wahl-Periode als Kreis-Brandmeister wurde plötzlich aber die Stelle des Bezirks-Brandmeisters frei – und Leo Balan war die logische Nachfolge. Doch mit der Führungsposition, die Balan ja eigentlich auch angestrebt hatte, veränderte sich auch sein Aufgabenfeld. „Kreis-Brandmeister zu sein hat mehr Spaß gemacht“, sagt er rückblickend, „denn als Bezirks-Brandmeister bist du allein auf weiter Flur.“ Die Vorgänge im ganzen Regierungsbezirk Münster musste Balan im Blick haben, die Arbeit kontrollieren und neue Projekte wie den Bau einer neuen Feuerwache mitplanen. „Da war man viel mehr mit Behörden als mit anderen Dingen beschäftigt“, sagt Balan, „und der Kontakt zur Basis wurde immer weniger.“ Umso glücklicher war er auch in seiner neuen Führungsposition, dass er immer wusste, wo er „die Basis“ antreffen konnte. Denn das war in Horneburg. „Ich bin immer hier zu meinen Freunden an die Feuerwache gegangen“, sagt der ehemalige Bezirks-Brandmeister.

Große Verantwortung: Papst-Besuch und Not-Einsatz am Kanal

Doch es gab auch Einsätze als Bezirks-Brandmeister, die wird Leo Balan ebenso wenig vergessen, wie seinen ersten Einsatz als Grünschnabel. So war er zum Beispiel beim Besuch von Papst Benedikt 2005 in Köln in leitender Funktion eingeteilt. Sein letzter Einsatz war dann am Kanal: Bei einer Baustelle in Olfen-Vinnum waren Spundwände eingerissen. Und kurz vor der Rente hieß das für Balan, er musste nochmal voll im Dienst sein. Der Wasserfluss musste durch Tore gestoppt werden. „Wir haben den Abschnitt zu bekommen, sonst wäre noch viel mehr in den Lippeauen abgesoffen“, sagt Balan.

Im Alter von 60 Jahren war dann Schluss mit dem aktiven Dienst. 700 Freunde und Kollegen feierten seinen eigenständig initiierten Abschied mit ihm. Seitdem hält ihn seine Frau Brigitte, mit der er im vergangenen Jahr Goldene Hochzeit gefeiert hat, auf Trab. „Ihr fällt immer etwas ein, mich zu beschäftigen“, sagt Leo Balan. Die Füße den ganzen Tag hochlegen, das wäre auch nichts für ihn.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt