Pendler

Neue Schnellbuslinie: Aus dem Ostvest auf direktem Weg zur TU Dortmund

Bahnhöfe gibt es in Datteln, Oer-Erkenschwick und Waltrop nicht. Eine Schnellbus-Linie soll nun Abhilfe schaffen. Und die entpuppt sich als echte Alternative für Pendler und Studenten.
Aus dem Ostvest soll eine Schnellbuslinie bald direkt bis zur TU Dortmund führen. © Dieter Menne (Archiv)

Für den Schienenverkehr sind die Ostvest-Städte Datteln, Waltrop und Oer-Erkenschwick ein weißer Fleck auf der Landkarte. Die Hamm-Osterfelder-Bahnlinie machte zuletzt im Jahr 1983 Halt an den Bahnhöfen in Waltrop und Datteln. Seitdem laufen keine Menschen mehr über die Bahnsteige. Die ehemaligen Bahnhofsgebäude werden heutzutage anderweitig genutzt. In Waltrop sind dort Privatwohnungen entstanden, in Datteln hat der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Unterbezirk Münsterland-Recklinghausen dort eine Heimat gefunden.

Und Oer-Erkenschwick? Die Stimberg-Stadt hatte in ihrer Historie für genau einen Tag einen Bahnhof, der auch Personen transportiert hat. Und zwar im 12. Juli 1969. Denn an diesem Tag standen die Fußballer der Spielvereinigung Erkenschwick im Finale der Deutschen Amateurmeisterschaft gegen den SC Jülich. Und aus dem Ostvest wollten 1000 Fans ihre Mannschaft nach Krefeld begleiten. Kurzerhand richtete die Zeche Ewald-Fortsetzung einen Bahnsteig auf dem Zechengleis ein, während die Deutsche Bahn die Anbindung an ihr Netz ermöglichte. Es sollte das letzte Mal sein, dass Personen über die Schiene aus oder nach Oer-Erkenschwick transportiert wurden.

Bahn-Anbindung ist im Ostvest weiter nicht in Sicht

Und so wird es auch bleiben – nicht nur am Stimberg, sondern auch in Datteln und Waltrop. Auch, wenn unter anderem die Jusos in den Städten entlang der Hamm-Osterfelder-Bahnlinie vehement um eine Reaktivierung kämpfen. Abhilfe in Sachen öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) will jetzt der Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) schaffen – und zwar auf der Straße. Per Schnellbus soll es vom Startpunkt „Datteln Busbahnhof“ am Neumarkt zukünftig über zwei weitere Stopps in Datteln am Rathaus und An der Schwakenburg nach Waltrop gehen. Dort soll die neu geschaffene Linie „X13“ am Rathaus, Am Mühlenteich und an der Goethestraße halten, ehe sie nicht nur bis zum Bahnhof in Dortmund Mengede, sondern sogar bis hin zur TU Dortmund führt.

Für das gesamte Ostvest könnte mit diesem Nahverkehrsangebot eine echte Alternative zum Auto entstehen. Zum Vergleich, die aktuellen Routen aus den drei Ostvest-Städten sowie die Fahrtzeit mit dem Auto bis zur TU Dortmund:

Datteln: Ab Datteln Bus Bahnhof fährt der Schnellbus (SB) 24 über 15 weitere Haltestellen bis nach Dortmund-Mengede. Nach einem vom VRR berechneten Fußweg von fünf Minuten geht es auf der Schiene weiter – mit der S2 von Mengede mit vier Zwischenstopps nach Dorstfeld. Ein vierminütiger Gleiswechsel später führt zum zweiten und letzten Umstieg in die S1, die einen Zwischenhalt später an der TU Dortmund ankommt. Zusammenfassung: Fahrtzeit: eine Stunde und 18 Minuten; Umstiege: Zwei; Zwischenhaltestellen: 20.

Waltrop: Ähnlich wie aus Datteln heraus, geht es ab der innerstädtischen Haltestelle „Am Moselbach“ mit dem SB 24 nach Mengede. Allerdings sind dafür nur fünf Stopps notwendig. Es folgt der bekannte Fußweg zum Gleis fünf, der Einstieg in die S2 und der Wechsel in Dortmund-Dorstfeld inklusive Fußweg in die S1. Zusammenfassung: Fahrtzeit: 43 Minuten; Umstiege: Zwei; Zwischenhaltestellen: Zehn.

Oer-Erkenschwick: Anders sieht der schnellste Weg aus der Stimberg-Stadt aus. Hier geht es nicht in Richtung Datteln und Waltrop, sondern in die Kreis-Hauptstadt zum Recklinghäuser Hauptbahnhof. 19 Minuten und 15 Haltestellen lang ist der Weg ab „Berliner Platz“ im Zentrum. Von Gleis vier fährt aber auch hier die S2 ab, die Oer-Erkenschwicker müssen dafür aber acht Haltepunkte und 37 Minuten in Kauf nehmen, ehe es dann wie gehabt in Dorstfeld in die S1 zum Universitätsziel geht. Zusammenfassung: Fahrtzeit: eine Stunde und 15 Minuten, Umstiege: Zwei; Zwischenhaltestellen: 24.

Moderne Busse mit WLAN und USB-Anschluss

Pendlerfreundlich klingt keine dieser drei Routen wirklich – insbesondere aufgrund der jeweils mindestens zwei Umstiege – nicht jeder wohnt direkt an den genannten Bushaltestellen – und den Gleiswechseln im Schienenverkehr. Mit dem Schnellbus „X13“ soll sich das ändern. Er soll es binnen 61 Minuten auf direktem Weg vom Dattelner Busbahnhof zur TU Dortmund schaffen und im regulären Betrieb alle 30 Minuten abfahren. An Sonn- und Feiertagen sowie z.B. den Nachtstunden soll immerhin jede Stunde ein Schnellbus rollen. Und wie Vestische-Pressesprecher Christoph van Bürk erklärt, wird diese Linie ausschließlich von modernen Gelenkbussen befahren. 21 neue Modelle werden dafür demnächst im Fuhrpark des in Herten ansässigen Nahverkehrsunternehmen erwartet. Und die haben neben einem WLAN-Zugang auch USB-Steckplätze – ganz schön komfortabel für Uni-Pendler, die in 60 Minuten Fahrtzeit sicher noch das ein oder andere Dokument auf Tablet oder Laptop finalisieren oder zumindest lesen können.

Bis nach Dortmund-Mengede soll es aus Datteln heraus übrigens nur 24 Minuten dauern. Von dort aus würde es ebenfalls über die Schiene zur Uni gehen, aber auch die Anbindung ab Mengede an weiter entfernte Bahnhöfe ist reizvoll. Pendler aus Oer-Erkenschwick müssen natürlich im Gegensatz zu den Ostvest-Nachbarn einen Umstieg am Dattelner Busbahnhof in Kauf nehmen. Der Weg dauert 19 Minuten mit dem S24. Eigentlich also von der Gesamtfahrzeit länger als der Schlenker über Recklinghausen, dafür aber mit einem Umstieg weniger und eventuell etwas mehr Ruhe als in der zu Stoßzeiten doch ganz schön vollen S2.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

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