Tierquälerei

Pferde-Drama bei Olympia lässt Dattelner Reiter nicht kalt

Die Bilder vom Pferde-Drama bei den Olympischen Spielen gingen um die Welt - und werden auch unter Dattelner Reiterfreunden diskutiert. Zum Beispiel beim Ländlichen Reit- und Fahrverein.
Beim Ländlichen Reit- und Fahrverein Datteln laufen die Vorbereitungen für das große Sommerturnier (12. bis 15. August) auf Hochtouren. Auch (vl.) Stefanie Steuke, Julia Kaulitz und Christiane Golabeck packen mit an. © Meike Holz

Auf der Anlage des Ländlichen Reit- und Fahrverein Datteln Am Alten Busch herrscht am Dienstag geschäftiges Treiben. Kaum jemand, der einem ohne Besen, Schubkarre oder Getränkekiste über den Weg läuft. Kein Wunder, über 50 Helfer von jung bis alt sind an diesem späten Nachmittag damit beschäftigt, alles für das große Sommerturnier herzurichten, das der Verein an diesem Wochenende ausrichtet. Da werden Zelte und Bänke aufgebaut und die Plätze und Hallenböden vorbereitet, damit die Reiter perfekte Bedingungen für ihre Spring- und Dressurprüfungen vorfinden.

Bilder aus Tokio werden diskutiert

Zwischen Ausmisten, Striegeln und Kehren gab es bei den Dattelner Pferdefreunden in den vergangenen Tagen auch immer wieder ein Thema: Das Pferde-Drama bei den Olympischen Spielen in Tokio, bei dem die Moderne Fünfkämpferin Annika Schleu ein scheuendes Pferd im Parcours mehrmals geschlagen hat. Die Bilder lassen die heimischen Reiter nicht kalt – und sorgen für Gesprächsstoff, schließlich gerät bei solchen Szenen auch unweigerlich der Pferdesport in ein schlechtes Licht. Wobei: Reitsport und Fünfkampf – das seien zwei verschiedene paar Schuhe, das müsse man getrennt voneinander betrachten, erklärt Georg Hofstedde, der beim Reitverein für den Springunterricht zuständig ist. Denn mit Reitsport habe der Fünfkampf absolut nichts zu tun. Hofstedde kennt die Bilder von dem Skandal-Ritt aus Tokio und hat eine ganz klare Meinung dazu: „Das ist wirklich schlecht geritten“, sagt der Experte.

Reiter und Pferd kennen sich nicht – das bringt Probleme mit sich

Auch, dass den Athleten beim Fünfkampf ein Pferd zugeteilt wird, das sie vorher nicht kennen, kritisieren der Dattelner Reitlehrer und seine Kolleginnen. Denn wenn Pferd und Reiter zum Beispiel gemeinsam erfolgreich einen Spring-Parcours absolvieren wollen, dann gehe das nur mit gegenseitigem Vertrauen. „Das Pferd muss Vertrauen in den Reiter haben“, erklärt Stefanie Steuke, zuständig für den Schulpferdeunterricht beim RV und selbst Turnierreiterin. Und so eine Vertrauensbasis, die schafft man nicht von heute auf morgen. Steuke weiß aus eigener Erfahrung, wovon sie spricht. „Ich habe ein Pony als Problempferd übernommen“, berichtet sie. Anderthalb Jahre habe sie intensiv mit ihm gearbeitet, nach und nach eine Beziehung aufgebaut. „Jetzt geht das Pony sogar Turniere“, so Steuke. Noch ein Aspekt kommt hinzu. „Mein eigenes Pferd kenne ich, ich weiß, wovor es vielleicht Angst haben könnte und kann reagieren“, sagt Steuke. Schwierig also, wenn sich Pferd und Reiter komplett fremd sind, wie beim Fünfkampf. Bei aller Kritik äußert die Dattelner Reitlehrerin aber auch Mitleid für die Athletin, besonders nach den heftigen Reaktionen, die nach dem Ritt über sie hereingebrochen sind. Man dürfe nicht vergessen, welch ein enormer Druck auf den Athleten laste, findet sie.

Dattelner Reiter würden Konsequenzen im Fünfkampf begrüßen

Mittlerweile wird der Ruf nach Konsequenzen im Modernen Fünfkampf laut. Auch Georg Hofstedde wäre dafür. „Vielleicht wäre Radfahren als fünfte Disziplin geeigneter“, sagt er. Da hätten es die Athleten dann mit einem Sportgerät und nicht mit einem Lebewesen zu tun. Denn als Sportgerät betrachten er und seine Dattelner Reiterkollegen ihre Pferde keineswegs. Reiten – das ist für sie ein Teamsport, das Pferd der Sportpartner. Reiter hätten eine sehr große Verantwortung gegenüber dem Tier. Doch: „Beim Fünfkampf kommt das Pferd immer zu kurz“, findet der Dattelner Reitlehrer.

Gerten sind übrigens unter den Reitern des RV Datteln keineswegs verpönt. „Das ist ein Hilfsmittel, so wie ein treibender Schenkel“, erklärt Hofstedde. Wenn man die Gerte richtig einsetze, tue das dem Pferd auch nicht weh, betont Stefanie Steuke.

Moderner Fünfkampf

Der Moderne Fünfkampf wurde von dem Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, Baron Pierre de Coubertin, 1912 erstmals in das olympische Programm aufgenommen. Er wollte die Tradition des antiken Pentathlon (Diskuswurf, Weitsprung, Speerwurf, Laufen, Ringkampf) wiederaufnehmen und der beginnenden Spezialisierung des Sports mit einem besonders vielseitigen Wettkampf entgegenwirken. Der Moderne Fünfkampf verbindet sehr unterschiedliche und oft konträre Sportarten miteinander. Zu den athletischen Disziplinen Schwimmen und Laufen gesellen sich das von der Konzentrationsfähigkeit bestimmte Schießen und das die schnelle Aktion und Reaktion verlangende Fechten. Beim Reiten müssen die Athleten Zutrauen und Einfühlungsvermögen auf einem zugelosten Pferd beweisen. Die Disziplinen des Modernen Fünfkampfs werden an einem Tag durchgeführt. Die Reihenfolge der Finalwettkämpfe: Schwimmen, Fechten, Reiten, Laser-Run (Laufen/Schießen). (Quelle: Deutscher Verband für Modernen Fünfkampf)

Der Abend in Oer-Erkenschwick

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt