FDP-Antrag

Rat schafft Beigeordneten ab: Dirk Franke (52) wird Pensionär

Die Stadt Datteln verzichtet ab dem kommenden Jahr auf einen Beigeordneten. 24 der 39 anwesenden Ratsmitglieder stimmten dem FDP-Antrag zu. Dirk Franke (52) scheidet zum Jahresende aus.
Nach 33 Jahren in der Stadtverwaltung und acht Jahren als Beigeordneter ist für Dirk Franke (52) Schluss - der Rat hat seine Stelle abgeschafft. © Archiv

Er wundere sich, dass in den vergangenen Wochen und Monaten eher über eine Wiederwahl, Neubesetzung oder einen Verzicht seiner Stelle diskutiert wird, als seine Bilanz der vergangenen acht Jahre als Beigeordneter der Stadt Datteln zu betrachten, erklärte Dirk Franke in seiner Stellungnahme zu dem Tagesordnungspunkt, der über seine Zukunft entscheiden sollte.

„Waren da wirklich so viele Pannen?“, fragte der Beigeordnete in die Runde. Eine neue Haushaltsaufstellung im Frühjahr aufgrund einer vergessenen Formalie habe zum Beispiel keinen Schaden für die Stadt Datteln mit sich gebracht, erklärte Franke. Auch die FDP-Forderung nach flacheren Hierarchien im Rathaus könne Franke im Zusammenhang mit seiner Stellen-Streichung nicht nachvollziehen. Schließlich sei er es gewesen, der dafür in seiner achtjährigen Amtszeit verantwortlich gewesen sei. Und als Fazit gebe es nun eineinhalb Mal weniger Führungspositionen in der Dattelner Stadtverwaltung – bezogen auf die Anzahl der Mitarbeiter.

Franke wirbt mit erfolgreichen Projekten vergebens für eine Wiederwahl

„Ich glaube auch nicht, dass Ihnen bewusst ist, wie viel Energie ich in meine erfolgreichen Projekte gesteckt habe“, führte Franke fort. Als Beispiele nannte er die Schaffung eines Wolfhelm-Gesamtschul-Standortes in Datteln, das Gewerbegebiet „Zum Schleusenpark“, die Haushaltssanierung, die Gründung des Kommunalen Servicebetriebs Datteln (KSD) oder auch die Digitalisierung an Schulen einhergehend mit der Bereitstellung von iPads für die neuen Fünfer-Jahrgänge, „was in NRW in dieser Konstellation nahezu einmalig ist – nahezu“, sagte der Beigeordnete. Vor dem Hintergrund einer möglichen Neubesetzung der Stelle – wie von den Grünen beantragt – spielte Franke seinen letzten Trumpf aus: die Kostenfrage. „Ich habe heute nicht das Argument gehört, es wird billiger, wenn der Franke entlassen wird“, sagte er, „da wird glaube ich keiner in dieser Runde es schaffen, es günstiger zu rechnen als eine Wiederwahl.“

Die Ratsvertreter mussten aber gar nicht über Wieder- oder Neuwahl entscheiden, sie ließen die Stelle auf FDP-Antrag einfach streichen. „Andere Kommunen haben es erfolgreich vorgemacht“, argumentierte Liberalen-Chef Robert Golda und machte ebenso deutlich, dass eine Abschaffung der Stelle keinerlei persönliche Hintergründe habe. Diese wurden auch von keiner weiteren Fraktion erhoben. „Sollte das jetzt gerade ihre Bewerbungsrede gewesen sein, um für die Stimmen der Wählergemeinschaft Die Grünen zu werben, dann muss ich sagen, ist das nach hinten losgegangen“, urteilte Marco Zerwas. Nach 33 Jahren bei der Stadtverwaltung wird Dirk Franke nun mit 52 Jahren Pensionär. Das Amt des Kämmerers muss damit neu besetzt werden.

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