Ausbildungsprogramm

Realbrandübung: Feuerwehr Datteln trainiert bei 800 Grad den Ernstfall

Damit die Einsatzkräfte der Freiwilligen Feuerwehr Datteln bestmöglich auf den Ernstfall vorbereitet sind, haben sie unter professioneller Leitung und mit echten Flammen trainiert.
Mehr als 800 Grad über den Köpfen: Aus den vier Dattelner Löschzügen nahmen sechs Trupps der Freiwilligen Feuerwehr Datteln an der Realbrandausbildung bei der Berufsfeuerwehr Gelsenkirchen teil. © Feuerwehr Datteln

Unbändige Hitze über den Köpfen der Mitglieder der Dattelner Feuerwehr, die auf Knien vorwärts rutschen. Kühle Luft aus der Flasche auf dem Rücken flutet die Lunge. Der Brandrauch ist dicht, frisst den Schimmer der Taschenlampen. Irgendwo in der Dunkelheit knistert und zischt es. Der schwere Atem des Kameraden daneben ist unüberhörbar. Der Schlauch wird Meter um Meter schwerer, doch die Einsatzkräfte zerren ihn mit – er ist ihre Verteidigung gegen das Feuer. Es wird heißer und heller, je näher sie den Flammen kommen. Das Rohr wird aufgedreht – Wasser marsch! Realistische Einsatzübungen spielten die beiden Ausbilder der Berufsfeuerwehr Gelsenkirchen mit den Feuerwehrleuten der vier Dattelner Löschzüge durch. Einen Tag lang trainierten die Ehrenamtlichen den Ernstfall in dem mit Gas befeuerten Realbrandhaus in Buer.

Der Schlauch ist schwer, dient aber im Kampf gegen das Feuer auch als Verteidigung. © Feuerwehr Datteln © Feuerwehr Datteln

In der Küche brennt es vermutlich schon länger. Tempo ist angesagt. Durch die Hitze haben unter anderem die Möbel ausgegast. Die sogenannten Pyrolysegase sammeln sich unter der Decke. Die Flammen züngeln. Mit einem Mal zünden die Gase durch. Eine Feuerwalze rollt auf den Trupp zu, der in der Regel aus zwei Einsatzkräften besteht. Sie lassen sich nach hinten fallen und tauchen unter der Hitzefront ab. Im Anschluss kühlen sie und löschen mit Wasser.

Der Keller ist für die Feuerwehr meist ein Alptraum

Die Ausbilder spenden Lob, sparen aber auch nicht mit konstruktiver Kritik – die sei laut den Dattelner Einsatzkräften stets auf Augenhöhe erfolgt. Für die Feuerwehr meistens ein Alptraum: der Keller. Häufig werden dort Gasflaschen, Lacke, Chemikalien oder andere Gefahrenstoffe unsachgemäß gelagert. Die Einsatzkräfte müssen Vorsicht walten lassen und per Funk ihren Gruppenführer schnellstmöglich über potenzielle Gefahren informieren. Die Treppe herunter, ziehen sie die mit Wasser gefüllten Schläuche hinter sich her. Auf der Werkbank brennt es. Der Bastler konnte sich in Sicherheit bringen. Jeder Handgriff sitzt, der Brand ist schnell unter Kontrolle.

Professionelle Ausbilder geben Freiwilligen aus Datteln Tipps

In der Nachbesprechung geben die professionellen Ausbilder Tipps. Meist sind es Kleinigkeiten, die jedoch helfen, Leben zu retten und kostbare Zeit zu sparen. Die Übungen werden anspruchsvoller. Schläuche rollen, Atemschutzgeräte anlegen, Leiter aufstellen, Menschen retten, Feuer löschen. Bis zu 30 Kilogramm an zusätzlichem Gewicht für die Ausrüstung schleppt jeder Atemschutzgeräteträger (AGT) bei einem sogenannten Innenangriff mit sich. Schweißtreibende Schwerstarbeit für die Einsatzkräfte.

Die Ausrüstung muss bei einem Einsatz sitzen, damit kein Rauch oder giftige Gase eingeatmet werden.
Die Ausrüstung muss bei einem Einsatz sitzen, damit kein Rauch oder giftige Gase eingeatmet werden. © Feuerwehr Datteln © Feuerwehr Datteln

Die Ausbilder machen Druck, mimen Verletzte oder besorgte Eltern – ganz wie im realen Einsatz. Die Anstrengung ist den zwölf Dattelnern nach acht Stunden harter Arbeit anzusehen. Am Ende hat es aber allen Spaß gemacht und sie haben enorm viel Wissen für künftige Einsätze mitgenommen, berichten sie. Genau das ist das Ziel der Realbrandausbildung. „Wir möchten, dass unsere Kräfte bestmöglich vorbereitet sind, damit alle ihre Aufgaben erledigen und wieder gesund nach Hause kommen. Daher legen wir großen Wert auf die Ausbildung“, sagt Dattelns Feuerwehrchef Theo Berkel.

Die Realbrandausbildung wird nun zum festen Bestandteil des Ausbildungsprogramms der Freiwilligen Feuerwehr Datteln und wird ein- bis zweimal jährlich durchgeführt.

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