Prognosen

Redet die Stadt den Kita-Fehlbedarf schön? CDU pocht auf weiteren Bau

Eigentlich fällt das Fazit der Dattelner Kita-Bedarfsplanung für die kommenden Jahre positiv aus. Ein Blick ins Zahlenwerk spricht aber eine andere Sprache. Die CDU fordert zweiten Neubau.
Volle Kleiderhaken wie auf diesem Symbolbild sind auch an Dattelner Kitas keine Seltenheit. Doch wie hoch ist der Bedarf an Kita-Plätzen in der Realität? © picture alliance/dpa

Das Ziel, das sich die Stadt Datteln auf die Fahne geschrieben hat, „allen Kindern mit Bedarf einen Platz an einer Kita in Datteln anbieten zu können, wird laut den Prognosen auch in den kommenden Jahren nicht erreicht werden. Das gibt die Stadt in ihrer Kita-Bedarfsplanung auch offen zu. Dennoch fällt das darin enthaltene Fazit positiv aus. Schließlich könnten „fast alle Kinder – die einen Platz benötigen – auch versorgt werden“, heißt es in dem Dokument. Unterm Strich fehlen laut der städtischen Rechnung im kommenden Kita-Jahr 2022/23 18 Plätze. Sind es in Wahrheit aber noch viel mehr?

CDU-Ratsherr Maximilian Nastula sieht die Planung nicht so positiv wie die Verwaltung: „Hier wird ein Loch schöngerechnet.“ Und damit meint er nicht die prognostizierten 18 Plätze, die im schlimmsten Fall fehlen könnten. „Auch wenn das allein schon einer weiteren Kita-Gruppe entspricht“, sagt Nastula. Zusätzlich sei jede vorhandene Kita noch mit ein bis zwei Kindern pro Einrichtung überbelegt. Laut Nastula würde das schon eine zweite zusätzliche Gruppe rechtfertigen.

Stadt rechnet in Prognosen für 2022 mit nicht vorhandener Kita

Noch viel schwerer wiegt der Punkt, dass in der städtischen Rechnung eine „neue Fünf-Gruppen-Kita“ auftaucht. Gemeint ist hiermit das geplante „Haus der Familie“, das neben eben dieser Kindertageseinrichtung noch weitere Bereiche des Jugendamtes und andere sozialen Vereine oder Verbände beheimaten soll. Doch in der Realität wird dieses Angebot zum Kita-Jahr 2022/23 definitiv nicht an den Start gehen. Geplant ist das Projekt für das Jahr 2023. Ob dann im folgenden Kita-Jahr 2023/24 hier schon Kinder betreut werden können, steht aber ebenfalls noch in den Sternen. Denn aktuell gibt es weder ein konkretes Konzept, wer alles ins Haus der Familie einziehen soll, noch einen festen Standort, wo es denn entstehen soll. Für ein Projekt, das von städtischer Seite in weniger als zwei Jahren stehen soll, ist das ein ambitioniertes Vorhaben.

Die Verwaltung sieht in ihrer Bedarfsplanung keinerlei Fehler. Laut Jugendamtschef Peter Wenzel sage diese Prognose aus, dass über das Haus der Familie hinaus kein weiterer Bedarf an einem Kita-Neubau vorhanden sei. Denn ein Fehlbedarf von 18 Plätzen könne sich bis zur definitiven Beanspruchung der Kita-Plätze im Mai noch ausgleichen. Dass die knapp 100 Plätze für das Haus der Familie hier bereits eingerechnet sind, sei normaler Bestandteil dieser Bedarfsplanung. Fakt ist aber, dass ohne diese eingerechneten, im kommenden Jahr nicht vorhandenen Plätze, ein Fehlbedarf von satten 113 unter dieser Rechnung steht.

Jugendamtsleiter Peter Wenzel. © Sebastian Balint © Sebastian Balint

Übergangslösungen für Kinderbetreuung werden in Kauf genommen

Eine vernünftige Erklärung gibt es von städtischer Seite dafür nicht. Es sei schlichtweg Bestandteil der Planung. Und, das macht Wenzel deutlich, man werde die für das neue Jahr angemeldeten Kita-Kinder betreuen können. Ohne Haus der Familie wird das aber zwangsläufig in Form von Übergangslösungen geschehen müssen. Mit Gruppen zum Beispiel in der ehemaligen Mosaikschule oder einer fünften Notgruppe in der DRK-Kita an der Ahsener Straße hat dieses Modell schon seit Jahren in Datteln Bestand. Auf großen Anklang in der Elternschaft dürften diese Betreuungsmöglichkeiten aber nicht stoßen.

Diese Umstände veranlassen die CDU dazu, einen weiteren Kita-Bau zu fordern. Laut Maximilian Nastula wird dieser in Zukunft auch dringend gebraucht werden. Er verweist auf geplante Neubaugebiete am ehemaligen Ostring-Stadion, der ehemaligen Ringschule oder dem Deitermann-Standort an der Düppelstraße. Auch die Kita-Bedarfsplanung sieht ab 2024 dadurch einen möglichen Mehrbedarf an Kita-Plätzen. Handlungsbedarf sieht die Stadt Datteln aber knapp drei Jahre im Voraus dafür nicht.

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