Wirtschaft

Rollen bald solarbetriebene Traktoren über die Felder?

Möhren Abenhardt ist eines von elf Unternehmen und Einrichtungen, die sich in diesem Jahr am Projekt Ökoprofit des Kreises Recklinghausen beteiligen. Der Anbau von Gemüse soll noch nachhaltiger werden.
Carsten Abenhardt nimmt mit seinem Unternehmen am Projekt Ökoprofit teil.Elf © Jörg Gutzeit

Elf Unternehmen aus dem Kreis Recklinghausen nehmen in diesem Jahr an dem Projekt Ökoprofit teil. Darunter sind aus dem Ostvest die Exner Fashion GmbH aus Oer-Erkenschwick, der Kommunale Servicebetrieb Datteln und der Abenhardt GmbH & Co. KG. Sie wollen durch gezielte Maßnahmen ihre Klima-Bilanz verbessern. Welche Verbesserungen er sich für sein Unternehmen vorstellen kann, sagte Geschäftsführer Carsten Abenhardt im Gespräch.

Wie sind Sie auf das Ökoprofit-Projekt aufmerksam geworden?

Carsten Abenhardt: Wir waren immer mal wieder mit dem Kreis Recklinghausen im Gespräch. Konkreter wurde es dann vor zwei Jahren. Schließlich machen wir uns als landwirtschaftliches Unternehmen schon länger Gedanken darüber, wie wir natürliche Ressourcen einsparen und mit der Umwelt verantwortungsbewusst umgehen können. Der letzte fehlende Impuls kam dadurch, dass wir jetzt unsere Produktpalette erweitert haben.

Sie sind Möhren Abenhardt – und einer der größten Möhrenproduzenten in Deutschland. Macht Möhre allein nicht mehr glücklich?

Abenhardt: Na ja, wir wollen uns breiter aufstellen – und nehmen damit auch Wünsche unserer Kunden auf. Es ist ja nicht nur so, dass wir nur die großen Lebensmittel-Ketten beliefern; wir verkaufen ja nach wie vor hier in Datteln direkt ab. Da kommen Leute, die ein Kilo Bio-Möhren für eine Suppe haben möchten oder aber einen Sack Möhren für ihr Pferd brauchen. Denen ist schon wichtig, dass wir nachhaltig produzieren. Und dabei kamen eben Fragen auf, ob wir nicht auch anderes Gemüse anbieten können.

Was hat den Ausschlag für Zucchini und Kürbis gegeben?

Abenhardt: Wir haben uns über die Gesellschaft für Konsumforschung informiert, welches Bio-Gemüse im Handel noch nicht so viel vertreten ist. Und das sind nun mal Zucchini und Hokaido-Kürbis. Für beide sind außerdem unsere Böden wie geschaffen.

Zurück zu Ökoprofit: Was erwarten Sie durch die Teilnahme für Ihr Unternehmen – schließlich tun sie ja schon einiges: Sie produzieren Strom durch eine Solaranlage und recyceln 90 Prozent ihres verbrauchten Wassers.

Abenhardt: Man kann immer noch mehr machen. Beispielsweise bei der Rohstoffnutzung. Da lässt sich sicher noch mehr optimieren: So scheint bei einigen Produkten die Sonne, bei anderen schiebt sich eine kleine Wolke davor. Auch mit der Energienutzung wollen wir uns mithilfe der Experten von Ökoprofit beschäftigen, also Strom und Wärme. Macht es beispielsweise Sinn, eine weitere Photovoltaikanlage zu installieren? Auch bei der Trennung und Vermeidung von Abfall ist bestimmt noch Luft nach oben. Und damit meine ich jetzt nicht, meinen Mitarbeitern zu sagen, dass der Joghurtbecher nicht in die Papiertonne gehört.

Das zeigt mir, Sie haben sich bereits ihre eigenen Gedanken gemacht, wo Sie den Hebel ansetzen können. Wozu dann noch ein solches Projekt?

Abenhardt: Man wird ja im Laufe der Zeit schon ein bisschen betriebsblind. Da ist der Blick eines unabhängigen Betrachters von außen sicher hilfreich und kann neue Impulse geben. Ich verspreche mir darüber hinaus, ein Ökoprofit-Netzwerk mit anderen Teilnehmern aufzubauen. Beispielsweise mit dem Kommunalen Servicebetrieb in Datteln.

Was verbindet Sie mit einem kommunalen Unternehmen?

Abenhardt: Wir unterhalten beide einen Fuhrpark. Bei den Fahrzeugen geht es um neue Abgasnormen, auch Elektrofahrzeuge sind ein Thema. Auf dem Feld kommen bereits solche Fahrzeuge zum Einsatz. Aber ich kann mir auch einen solarbetriebenen Traktor vorstellen.

Der Anteil an herkömmlich produzierten Möhren ist immer noch mehr als doppelt so groß wie der an Bio-Möhren. Ist der Markt damit gesättigt?

Abenhardt: Die Zahlen haben sich in den letzten Jahren auf diesen Wert eingependelt. Zuvor war schon ein Boom der Bio-Produkte zu verzeichnen. Auch deshalb haben wir unsere Produktpalette erweitert.

Andere Gemüsesorten kamen nicht infrage?

Abenhardt: Doch. Wir haben mit Knoblauch experimentiert oder auch mit Süßkartoffeln – da besteht eine sehr große Nachfrage.

Weil die durch die Burger-Läden so richtig bekannt geworden sind.

Abenhardt: Stimmt! Für den Anbau von Süßkartoffeln müssten wir allerdings so heiße Sommer wie in den vergangenen Jahren haben. In diesem Jahr wäre das nicht geworden, da hätten wir sie nach der Ernte erst noch auf 25 Grad aufheizen müssen, damit die Schale reift. Das ist dann nur nicht mehr Bio und auch nicht nachhaltig.

Ist es nachhaltig, Möhren in Plastiktüten zu verpacken?

Abenhardt: Wenn es Alternativen dazu gäbe, würde ich sofort umstellen. Aber das hat noch keiner erfunden. Dazu muss man allerdings auch wissen, dass die Tüten eine Funktion haben: Die Ware bleibt darin länger frisch. Schauen Sie mal im Laden mal die losen Möhren an – oder die am Bund: Sie werden an der Spitze früher dunkel und kriegen Risse. Ein weiteres Argument für die Tüte ist auch, dass der Kunde rückverfolgen kann, wo das Produkt herkommt. Das wird immer wichtiger. Verbraucher legen immer mehr Wert darauf, dass Obst und Gemüse regional angebaut wird. Das wissen wir von unseren eigenen Kunden, aber auch bei unseren Gesprächen mit den Discountern hören wir das immer wieder.

Was bevorzugen Sie: Bio-Möhre oder die herkömmlich angebaute?

Abenhardt: Ob Sie es glauben oder nicht: Sie werden keinen Unterschied schmecken. Unterschiede ergeben sich aus der Sorte und des Zeitpunktes des Erntens.

Warum soll ich dann für das Kilo Bio-Möhren ungleich mehr bezahlen?

Abenhardt: Weil wir beim Anbau auf jeglichen Einsatz von Chemie verzichten und er somit aufwändiger ist.

Kommen die Kürbisse auch in die Tüte?

Abenhardt: Dafür haben wir uns in der Tat etwas ausgedacht, damit wir nachhaltig operieren können: Statt eines Aufklebers werden wir mithilfe eines Lasers die Produktinformationen aufbringen. Das sieht klasse aus – und ist auch nicht schädlich.

Also werden wir nicht mehr von Möhren-Abenhardt reden, sondern von Kürbis-Abenhardt?

Abenhardt (lacht): Nein, dafür ist der Kürbis-Verkauf saisonal zu begrenzt. Wir wollen unsere Wurzeln nicht aufgeben.

Haben Sie sich ein Ziel gesetzt, welche Ersparnis durch die Ökoprofit-Maßnahmen herauskommen soll?

Abenhardt: Nein, darum geht es uns auch nicht vorrangig. Aber es ist ja klar, dass jede Optimierung von Prozessen auch eine Ersparnis mit sich bringt.

Nach dem Projekt werden Sie zertifiziert und dürfen ein Ökoprofit-Label auf Ihren Produkten anbringen. Was bringt Ihnen das?

Abenhardt: Das ist nichts, wodurch sich der Verbraucher beeindrucken lässt. Aber im Binnenverhältnis zu unseren Großkunden ist das schon nicht unwichtig.

Ich habe den Eindruck, dass viele angesichts einer Flut an Güte- und Biosiegeln schon jetzt nicht mehr durchblicken.

Abenhardt: Da dürfen Sie recht haben. Das Ganze ist irgendwann überlastet. Wichtig ist nur zu wissen, dass regional zwangsläufig auch Bio bedeutet.

Wer alles dabei ist

Elf Unternehmen haben sich Ende August im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen auf den gemeinsamen Weg zu mehr Nachhaltigkeit gemacht – mit dabei zwei Dattelner Unternehmen: die Abenhardt GmbH & Co. KG und der Kommunale Servicebetrieb Datteln (KSD).

Die Bilanz der seit 2004 im Kreis durchgeführten Vorgänger-Projekte: Insgesamt 130 Betriebe aus dem Kreis haben 330.000 m3 Wasser, 2.177 t Abfälle, 45 Millionen kWh an Energie und damit 25.288 t CO2 eingespart. Das Signal, das die Unternehmen mit Ökoprofit für Klimaschutz und Nachhaltigkeit setzen, sei gerade in Zeiten wie diesen wichtiger denn je, so eine Kreissprecherin.

Das Teilnehmerfeld könnte auch in der neuen Runde unterschiedlicher nicht sein: von einem landwirtschaftlichen Spezialbetrieb für Möhren über ein Unternehmen der Gasmesstechnik, einer Landes-Fachbehörde, von Schulen bis hin zu einem Modeunternehmen, von Betrieben mit 10 bis über 1000 Mitarbeitenden. Und alle engagieren sich für das Ziel „Nachhaltigkeit.konkret“.

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