Der Wochenkommentar

Ungläubige Blicke von der anderen Seite des Kanals

Was erst die SPD und danach die CDU in Waltrop antrieb, um ihre scheinbar feste Meinung zum Bau der B 474n in Frage zu stellen, wird in der Nachbarstadt Datteln mit Unverständnis registriert.
Jörn Tüffers ist Ressortleiter Ostvest. © privat

Ganz schön was los zwischen Waltrop und Datteln. Ja, Verkehr sowieso. Aber den meine ich jetzt nicht, obwohl er der Auslöser für so manche zähflüssige Diskussion in dieser Woche gewesen ist.

Da wird die B 474n zwischen den beiden Städten ja nun schon seit Jahrzehnten geplant; und auf Dattelner Seite wird sie auf schon eifrig gebaut, wurden bereits Millionen verbuddelt. Daher mochte so mancher in der Kanalstadt nicht glauben, was da so über den Kanal rüberschwappte. Da plagten zunächst die SPD Gewissensbisse, ob die geplante und – ja, vor einigen Jahren von Waltropern mehrheitlich geforderte – Umgehungsstraße tatsächlich sein muss: viel zu groß, viel zu viele Spuren. Mehr Autobahn denn Bundesstraße.

Das mochte man dann noch auf die üblichen Launen vor Wahlen schieben oder aber darauf, dass bei der SPD andere Leute das Sagen haben als noch vor ein paar Jahren. Zum Beispiel der immer noch junge Parteivorsitzende Marcel Mittelbach, im Hauptberuf als Bürgermeister der Stadt Waltrop tätig. Dass aber auch der stets dem Individualverkehr huldigenden CDU mehr als nur leise Zweifel kamen, war dann schon überraschend.

Manöver erscheint als zu durchsichtig

Am Ende hat der Waltroper Stadtrat eine umfangreiche Stellungnahme mit einem noch umfangreicheren Fragenkatalog verabschiedet, mit der die Bezirksregierung Münster als Planungsbehörde erst einmal beschäftigt sein dürfte. Für die beiden großen Parteien ist das ein Armutszeugnis. Gegen Erkenntnisgewinn ist ja grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn dies aber so kurz vor einer wegweisenden Bundestagswahl geschieht, erscheint das Manöver aber doch als allzu durchsichtig. Zumal alle Argumente, die SPD und CDU für das Entstehen ihrer späten Bauchschmerzen gegen das Projekt anführen, hanebüchen klingen. Aber das werden sie selbst wissen.

In Datteln und vermutlich auch im benachbarten Oer-Erkenschwick, wo man ebenfalls weiß, was Verkehrsbelastung ist, wird man sich zurecht fragen, welch sonderbare Anwandlungen den Ostvest-Partner da wohl befallen haben werden. Und mehr noch: Ob man künftig vertrauensvoll miteinander wird arbeiten können, vor allem dann, wenn es um gemeinsame Projekte geht.

Datteln würde mehr als Waltrop profitieren

Es liegt in der Natur der Sache, dass Datteln von dem geplanten Gewerbegebiet newPark mehr profitieren wird als Waltrop. Doch ohne die Anbindung über die B 474n dürften potenzielle Investoren erst gar nicht auf die Idee kommen, sich dort anzusiedeln.

Ein bisschen mehr gemeinsames Handeln tut da Not.

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