Feuer- und Katastrophenschutz

Verlässliche Prognosen sind bei Unwetterereignissen kaum möglich

Wie neue Standorte für Feuerwachen festgelegt werden, wie es um den Nachwuchs in der Feuerwehr steht und wie Corona auf die Arbeit der Wehr auswirkt, darüber sprachen wir mit Robert Gurk.
Robert Gurk (57) ist seit 2009 Kreisbrandmeister beim Kreis Recklinghausen. © Sebastian Balint

Robert Gurk (57) ist seit 2009 Kreisbrandmeister (KBM) des Kreises Recklinghausen und für die Aufsicht über die Feuerwehren, die Brandschutzbedarfspläne und den überörtlichen Bedarf zuständig. Im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet er auch darüber, wie die Arbeit innerhalb der Jugendfeuerwehr unter Coronabedingungen aufrecht erhalten wurde.

Oer-Erkenschwick beginnt schon mit dem Bau der neuen Feuerwache, Waltrop hat noch immer keinen Standort für eine neue Feuer- und Rettungswache bekanntgegeben. Welche Kriterien muss ein moderner Wachen-Standort erfüllen?

Brandschutz ist originäre Aufgabe der Städte, also des jeweiligen Rates. Der Kreis ist für die Einrichtung der Leitstelle und den Rettungsdienst zuständig. Der Kreis stellt den Rettungsdienstbedarfsplan auf, die Städte, bzw. der Rat der jeweiligen Stadt, den Brandschutzbedarfsplan. Dabei wird unter anderem berücksichtigt, welche Risiko-Gebiete oder besonderen Gefahrenpunkte es in der Stadt gibt. In Oer-Erkenschwick wäre das zum Beispiel Westfleisch. Schon allein wegen der großen Fläche des Unternehmens. Ebenso muss berücksichtigt werden, dass die Schutzziele, wie etwa ‚ich will in acht Minuten mit neun Mann am Einsatzort sein‘, eingehalten werden können. In Waltrop wäre das also optimalerweise der Innenstadtbereich.

?

Entscheidet der Rat der jeweiligen Stadt allein über den Brandschutzbedarfsplan

Er kann es. In der Regel lassen sich die Städte bei der Planung aber unterstützen. Werden alle Positionen eines solchen Plans berücksichtigt, könnte sich daraus theoretisch ein optimaler Standort für eine Feuerwache ergeben – vorausgesetzt, es ist dann auch noch ein entsprechendes Grundstück verfügbar. Der aktuelle Waltroper Standort ist schon ganz gut. Daher konzentriert sich die Suche auf das nähere Umfeld.

Gibt es äußere Einflüsse, die sich auf die Findung eines passenden Standortes auswirken können?

Die Feuerwehr wird im Prinzip wie ein Gewerbebetrieb behandelt. Man geht also davon aus, dass 24 Stunden am Tag Lärm entstehen könnte. Wichtig ist auch die Anbindung eines möglichen Standortes an das vorhandene Straßennetz.

Dattelns Feuerwehrchef Theo Berkel hatte kürzlich Befürchtungen dahingehend geäußert, dass die Corona-Pandemie sich negativ auf den Feuerwehrnachwuchs auswirken könnte. Also, dass Jugendliche wegen coronabedingt nicht stattfindender Aktivitäten entweder austreten oder gar nicht erst eintreten könnten. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Corona ist für das Ehrenamt eine schlimme Situation. Der Großteil der hauptamtlichen Feuerwehrleute war zuerst in der Jugendfeuerwehr aktiv. Dass zum Beispiel Ausflüge und andere Präsenzveranstaltungen nicht wie gewohnt stattfinden konnten, hat die Arbeit der Jugendleiter nicht leichter gemacht. Aber sie waren in den vergangenen Monaten sehr kreativ, um die Bindung zu den Nachwuchskräften nicht zu verlieren. Etwa durch Online-Veranstaltungen. Eine Austrittswelle zeichnet sich nicht ab.

War die Einsatzfähigkeit jemals wegen infizierter Einsatzkräfte gefährdet?

Nein. Von circa 3000 Einsatzkräften haben sich über den gesamten Zeitraum der Pandemie etwa 80 infiziert.

Wie sieht die gegenwärtige Situation aus?

Wir haben eine sehr hohe Durchimpfungsquote. Mehr als 90 Prozent sind geimpft. So können seit einiger Zeit unter strengen Auflagen auch wieder Präsenz-Treffen stattfinden.

Zurück zum Feuerwehrnachwuchs. Nutzen die Feuerwehren im Ostvest schon in ausreichendem Maße Synergien – etwa bei der Ausbildung?

Auf jeden Fall. Das Ostvest und die Stadt Castrop-Rauxel arbeiten bei der Grundausbildung und Truppführer-Ausbildung eng zusammen. Weiterführende Lehrgänge, wie etwa im ABC-Bereich, werden oft kreisweit durchgeführt.

Feuerwehrkräfte aus dem Ostvest haben in den Überflutungsgebieten geholfen. Werden solche überörtlichen Einsätze angesichts des Klimawandels häufiger vorkommen?

Davon ist auszugehen. Nicht umsonst wurden in den vergangenen Jahren vermehrt Löschfahrzeuge für den Katastrophenschutz angeschafft. Denn auch hier vor unserer Haustür könnten sich so etwas ereignen, auch hier gibt es vereinzelt Hochwasserrisikogebiete. Das größte Problem ist aber, eine Prognose abzugeben, wo und wann ein solches Ereignis stattfindet. Eine Vorwarnung ist dann eigentlich nur noch sehr kurzfristig möglich.

Warum?

Sie werden sich erinnern, dass eine Unwetterlage für den Kreis vorhergesagt wurde und in Datteln zum Beispiel kein Tropfen runterkam, aber in der Nachbarstadt wurden innerhalb kürzester Zeit zig Einsätze gefahren.

Was empfehlen Sie den Bürgern, wie sie sich in solch einem Fall am besten verhalten sollen?

Die Bürger sollten unter anderem lernen, welche Bedeutung die Sirenen-Signale haben. Es wäre auch sinnvoll, das Radio einzuschalten. Außerdem empfehle ich, die App Nina auf dem Handy zu installieren.

Zur Person

Robert Gurk ist 57 Jahre alt. Er ist seit dem Jahr 2000 beim Kreis Recklinghausen, zunächst als Leiter der Leitstelle und seit 2009 als Kreisbrandmeister beschäftigt. Bevor er zum Kreis wechselte, war der bei der Feuerwehr Bochum tätig.

Der Kreisbrandmeister und sein Stellvertreter werden auf sechs Jahre vom Kreistag auf Vorschlag des Landrats zu Ehrenbeamten ernannt. Vor ihrer Ernennung werden die Leiter der Feuerwehren der kreisangehörigen Städte und der Bezirksbrandmeister angehört. Hauptaufgabe der Kreisbrandmeister ist die Unterstützung des Landrates bei der Aufsicht über die öffentlichen Feuerwehren und die Durchführung der dem Kreis übertragenen Aufgaben. Darüber hinaus kann der Kreisbrandmeister bei Freiwilligen Feuerwehren und Pflichtfeuerwehren die Leitung eines Einsatzes übernehmen. Rechtsgrundlage hierfür ist § 12 BHKG.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.