Ein Bastler berichtet

Wenn das Reparieren künstlich erschwert wird

In den USA soll es unterbunden werden, dass Hersteller elektronischer Geräte die Reparatur mit fadenscheinigen Gründen erschweren. Auch in Datteln kennt jemand die Tricks der Hersteller gut.
Geräte selbst reparieren, wie hier auf unserem Symbolfoto – das erschweren die Hersteller den Kunden auch in Datteln immer häufiger. Sie wollen, dass sie Neuware kaufen. © picture alliance / dpa © picture alliance / dpa

Für Verbraucher ist es ein Ärgernis, und es hat Methode: Egal, ob es um Autos geht, um Mixer, E-Bikes, Handys – immer häufiger tun Hersteller alles, damit man sie auf keinen Fall umstandslos reparieren kann, sondern sie im Zweifel lieber neu kauft. In den USA, so berichtet die „Welt am Sonntag“, soll ein solches Verhalten der Industrie jetzt immerhin per Gesetz unterbunden werden. Aber selbst, wer sich bei uns mit der Faust in der Tasche für einen Neukauf entscheidet, der muss zusätzlich noch mit langen Wartezeiten etwa bei Küchengeräten rechnen, weil auf dem Weltmarkt die benötigten Halbleiter knapp sind.

Elektriker tüftelt im Repair-Café

Der Dattelner Norbert Becker (73) kennt das Problem, dass Reparaturen künstlich erschwert werden. Er ist gelernter Elektriker, hat viele Jahre als technischer Leiter der Instandhaltung gearbeitet, ist mittlerweile im Ruhestand und als Reparateur im Dattelner Repair-Café im Einsatz. Und er hat festgestellt: Je hochwertiger zum Beispiel ein Haushaltsgerät ist, desto leichter lässt es sich reparieren. Bei günstigen „No-Name-Produkten“, Becker nennt etwa einen Lockenstab für unter 20 Euro als Beispiel, sei das oftmals schwieriger. Bei solchen Geräten komme es häufig vor, dass die Schrauben so eingesetzt sind, dass sie sich kaum öffnen ließen. Oder, dass dafür Werkzeug benötigt wird, dass sich im Haushalt von Otto Normalbürger nicht mal eben so in der Werkzeugkiste findet. „Ich hatte letztens einen Föhn von meinem Nachbarn, der hatte die Schnur kaputt. Da hab ich eine halbe Stunde gefummelt, bis ich den aufbekommen habe“, erzählt Becker. Nicht selten landen solche defekten Geräte dann einfach auf dem Müll. „Fachleute, die das reparieren, findet man ja heute gar nicht mehr“, weiß Becker.

Eingebaute Elektronik erschwert die Reparatur

Noch etwas, so die Erfahrung des Tüftlers, erschwert heutzutage die Reparatur: „Heutzutage steckt überall Elektronik drin“. Früher, vor 30 Jahren, da habe ein Bügeleisen lediglich einen Einstellknopf gehabt. Heute gebe es bei den Geräten ein Display. Und die verbaute Elektronik sei natürlich allgemein störanfälliger. Wenn bei Platine und integrierter Schaltung was kaputtgehe, könne man das nicht so einfach wieder hinbekommen, wie ein altes Schätzchen mit Drehknopf.

Norbert Becker versucht, jedes defekte Teil, wieder flottzumachen. Aber immer mal wieder muss er sagen: Geht nicht! Manchmal auch, weil keine passenden Ersatzteile zu bekommen, oder diese besonders teuer sind. Die Preise dafür künstlich hochzuhalten, ist auch einer der Tricks, mit denen viele Hersteller arbeiten. Der Bericht der „Welt am Sonntag“ nennt die Firma Vorwerk. Ersatzteile, etwa für die Tropf-Verriegelung des Koch-Automaten „Thermomix“, seien eigentlich Cent-Artikel, wird ein Experte zitiert. Aber sie seien auf dem freien Markt nicht zu bekommen. Und für Reparaturen berechne Vorwerk Pauschalpreise – unabhängig vom tatsächlichen Aufwand. Es komme aber immer sehr darauf an, welche Teile kaputt seien, betont Becker. Generell müsse man immer schauen, dass sich Preis und Aufwand einer Reparatur auch lohnen.

Lieber reparieren statt wegwerfen

Dass Geräte per Gesetz so hergestellt werden müssen, dass sie sich im Schadensfall reparieren lassen, würde der 73-Jährige begrüßen. Dinge zu reparieren und ihnen noch einmal neues Leben einzuhauchen, sei in jedem Fall nachhaltiger, als ständig neu zu kaufen und wegzuwerfen. Am liebsten repariert er übrigens Dinge, die einen persönlichen Wert für ihre Besitzer haben. Er erinnert sich an eine Frau, die ihm einmal defekte Schwippbögen und Adventsdeko ins Repair-Café gebracht hat. „Das war keine große Reparatur, aber da hingen wohl viele Erinnerungen dran“, sagt Becker. Als die Deko dann wieder geleuchtet hat, sei ihm die Frau fast um den Hals gefallen.

Repair-Café startet wieder

Nach einer langen „Corona-Zwangspause“ bietet das Repair-Café wieder seine Hilfe an. Am Samstag, 7. August, gibt es wieder von 14 bis 17 Uhr im Treffpunkt Hachhausen, Westring 8, Unterstützung bei der Reparatur von defekten Geräten. Mitgebracht werden können nicht zu große Geräte vom Toaster bis zur Nähmaschine. Soweit möglich, werden die geschätzten Teile, auch das Lieblingsspielzeug der Kleinen, wieder flott gemacht. Das Repair-Café ist kostenlos, allerdings sind eventuell Ersatzteile zum Beschaffungspreis zu ersetzen. Spenden werden gerne gesehen. Das Café kann derzeit leider nicht geöffnet werden, außerdem sind Hygiene- und Abstandsregeln zu beachten. Besucher müssen einen Mund-Nasenschutz tragen.

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