Im Löringhof

Windräder: Gegner klagen nicht – Umweltverbände blieben still

Die Genehmigung für zwei Windkraftanlagen „Im Löringhof“ durch den Kreis Recklinghausen sorgt bei den Gegnern weiter für Unmut. Klagen werden sie trotz erhobenem Einwand aber nicht.
In der Nacht müssen die Dattelner Windkrafträder teilweise abgeschaltet werden © picture alliance/dpa/

Auf 40 Seiten erhoben der Dattelner Rainer Launhardt sowie weitere Mitstreiter Einwand gegen zwei geplante Windkrafträder, die das Unternehmen GP Joule zwischen Kraftwerk Datteln 4 und Beisenkampsiedlung errichten will. Ende Juli wurde die immissionsschutzrechtliche Genehmigung vom Kreis Recklinghausen erteilt, das Projekt kann also anlaufen. Eine letzte Chance zum Widerstand blieb der Gegenseite noch: Personen, die Einwand erhoben haben, hätten innerhalb von einem Monat Klage gegen die Genehmigung einreichen können. Doch wie Rainer Launhardt nun mitteilt, habe er keine rechtlichen Schritte eingereicht.

Nächtliche Abschaltung aufgrund von Fledermaus-Flügen

„Das würde als Privatperson nichts bringen, hat unser Anwalt geraten“, berichtet der Geschäftsführer der Dattelner Firma Launhardt Hydraulik, „da müssten schon die großen Umwelt- und Naturschutzverbände klagen, um Erfolg haben zu können.“ Denn mehrere Punkte im Einwendungsschreiben der Windkraft-Gegner bezogen sich auch auf die Themen Natur- und Artenschutz. Das darauf bezogene Gutachten, das GP Joule im Rahmen des Genehmigungsverfahrens anfertigen ließ, hatte diesbezüglich am Standort „Im Löringhof“ nur wenig Bedenken. Allein die nächtlichen Fledermaus-Flüge wurden kritisch gesehen. Allerdings konnte diese Hürde mit einer teilweisen Abschaltung der Anlagen in der Nacht überwunden werden. Dazu hat sich das Unternehmen im Rahmen der Genehmigung auch verpflichtet.

Auch der Kreis kam zu dem Urteil, dass bei dem Bauvorhaben nicht gegen sogenannte Verbotstatbestände verstößt, wenn die angesprochenen Maßnahmen umgesetzt werden. Einwendungen – fünf an der Zahl – sind bei der Behörde derweil ausschließlich von Privatpersonen eingegangen und nicht von Umweltverbänden. Sie bezogen sich allesamt auf die Erfassung, Methodik und Analyse der Artenschutzprüfung, die aus Sicht des Kreises aber korrekt durchgeführt wurde. Im Rahmen der Prüfung seien auch Tonaufnahmen, die den Ruf von Waldohreulen beinhalteten, einbezogen worden. Allerdings gelten diese nicht als empfindliche Vogelarten in Bezug auf Windenergieanlagen.

Windkraft-Gegner kritisiert Politik und Verwaltung

Auch wenn er nicht den Klageweg gewählt hat, ist die Empörung bei Rainer Launhardt weiterhin groß, wie er in einem Schreiben an die Redaktion mitteilt. Er richtet seine Kritik direkt an Bürgermeister André Dora (SPD): „Herr Dora, sind wir Bürger und Menschen dieser Stadt es nicht einmal wert, dass Sie uns in einem Zeitungsartikel darüber informieren?“ Er geht davon aus, dass sich das Dattelner Stadtbild in Zukunft durch dieses Projekt massiv verändern werde. „Und dies werden wir Dattelner am eigenen Leib zu spüren bekommen“, sagt Launhardt. Er zeigt Unverständnis dafür, dass die Dattelner Parteien nichts gegen das Windrad-Projekt unternommen haben. „Welchen Nutzen haben Dattelner von diesem Vorhaben?“, fragt er sich. Einige Parteien hatten im Zuge des Genehmigungsprozesses das Gespräch mit den Gegnern gesucht. Die CDU begründete ihre Zurückhaltung zum Beispiel damit, dem Kreis als Genehmigungsbehörde zu vertrauen.

Launhardt macht seinem Ärger Luft: „Was zählt das Menschenwohl noch in dieser Zeit, wenn wieder einmal finanzielle Interessen und Ideologien an erster Stelle stehen? Wenn man den gesamten Prozess der Windkraftanlagen von Antragstellung bis zur jetzigen Genehmigung betrachtet, kann man nur sachlich feststellen: nahezu nichts“, urteilt er. Neben seiner generellen Kritik zu Windenergieanlagen mache sich der Dattelner Unternehmer Sorgen um Menschen, Tiere und Natur. „Alles, was bisher passierte, ist nur Theorie, aber die kommende Praxis, der Bau und die Inbetriebnahme der Windkraftanlagen, wird für tausende Erwachsene und Kinder Folgen nach sich ziehen“, sagt er. Welche das sind, lässt Launhardt offen. „Liebe Verantwortliche auf Dattelner Seite, aber auch auf Kreishausebene, ob bewusst oder unbewusst oder mit Unterschätzung der Konsequenzen: das, was hier passiert, werden Sie mit Ihrem Gewissen vereinbaren dürfen“, schließt der Dattelner sein Schreiben ab.

Umweltverbände grundsätzlich für Windkraft

Wie aus den generellen Positionen vom Umweltverband BUND oder dem Naturschutzbund (NABU) hervorgeht, stehen die Verbände grundsätzlich hinter der Errichtung von Windenergieanlagen – unter Berücksichtigung von Natur- und Artenschutz. Im Kern werden im Klagefall ungeeignete Standorte sowie planerische Verfehlungen bemängelt. Der NABU NRW führt aktuell mehrere Gerichtsverfahren gegen Windenergieanlagen. Zum Projekt in Datteln sind keine Kritikpunkte der beiden Verbände bekannt.

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