Meinung

Aufregung um eine Predigt: Jeder verdient eine zweite Chance

Mit seiner Predigt hat ein Priester der Weltkirche in Haltern eine Welle der Empörung losgetreten. Aktive Christen sind zu Recht enttäuscht. Doch eine Versöhnung sollte möglich sein.
In der Marienkirche und in der Lavesumer Kirche stieß eine Sonntagspredigt auf viel Kritik. © Blanka Thieme-Dietel

Gut 200 Priester der Weltkirche fangen im Bistum Münster Engpässe in der Seelsorge auf, deutschlandweit sind es über 2380. Sie sind hervorragend ausgebildet wie Pfarrer Patrick, sprechen aber häufig nur schlecht unsere Sprache und tun sich aufgrund ihrer Sozialisation zuweilen schwer, sich unserem freiheitlichen, offenen und pluralistischen Gesellschaftsmodell anzupassen. Das Bistum hat sie bislang blindlings in Gemeinden geschickt. In Haltern haben Ehrenamtliche aufgefangen, was in Münster versäumt wurde.

Äußerungen wie in Lavesum und der Stadtgemeinde St. Marien sind völlig aus der Zeit gefallen, sie tun der Kirche in der derzeitigen Situation nicht gut. Gerade in Haltern durchkreuzen sie das, was Pfarrer Ostholthoff und die Gemeinde in der Krise vorleben: Haltung zeigen, offen und ermutigend sein – zum Beispiel gleichgeschlechtlichen Paaren gegenüber.

Doch jeder Mensch verdient eine zweite Chance. Man kann nur hoffen, dass beide Seiten im Rahmen der Deeskalation versöhnlich aufeinander zugehen und einen Neuanfang wagen. Jeder darf, so sagte es ein Philosoph, ohne Angst anders sein, anders denken und sich verschieden äußern. Mangelnde Anpassungsfähigkeit sollte nicht dazu führen, dass der Weltpriester nun seine Koffer packen muss. Eher sollte das priesterliche Gastarbeiter-System in Frage gestellt werden.

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