Landgericht Essen

Fingierter Banküberfall in Haltern: Ex-Filialleiter aus Marl auf der Anklagebank

Der ehemalige Leiter einer Volksbank-Filiale in Haltern soll praktisch seine eigene Bank überfallen haben. Jetzt steht der Marler vor Gericht. Am Dienstag wurden auch neue Details bekannt.
Auf der Anklagebank: ein ehemaliger JVA-Bediensteter (vorne rechts) und der ehemalige Filialleiter (zweite Reihe rechts). © Jörn Hartwich

Das war kein leichter Weg: Als der ehemalige Leiter einer Halterner Volksbank-Filiale am Dienstag den Verhandlungssaal im Essener Landgericht betrat, stand er minutenlang im Fokus von Fernsehjournalisten und Fotografen.

Über vier Jahre ist es inzwischen her, dass seine kleine Filiale überfallen worden ist. Die Beute: mehr als 240.000 Euro. Knapp die Hälfte ist angeblich immer noch verschwunden.

Auf den ersten Blick sah damals tatsächlich alles nach einem richtigen Banküberfall aus. Als der heute 58-Jährige aus Marl gefunden wurde, war er mit Kabelbindern gefesselt, vom Täter fehlte jede Spur.

Insider-Kenntnisse

Es dauerte jedoch nicht lange, bis der Fillialleiter selbst ins Visier der Ermittler geriet. Inzwischen ist die Staatsanwaltschaft überzeugt, dass der Überfall fingiert war – und der Ex-Banker bis zum Hals mit drinsteckt. Seine Insider-Kenntnisse sollen die Tat vom 10. Februar 2017 überhaupt erst möglich gemacht haben.

Zum Prozessauftakt hat sich der 58-Jährige noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Zuvor soll er seine Beteiligung an der Tat immer bestritten haben.

Es war kurz nach acht Uhr, als damals ein Mann mit einem Fahrrad vor der Volksbank vorgefahren ist. Er betrat den Vorraum und wartete. Als der Filialleiter zum Dienst erschien, sollen beide Männer die Bank betreten haben. Auffällig: Auf den Überwachungskameras war später nur wenig zu erkennen. Außerdem soll die Filiale gerade erst mit neuem Geld beliefert worden sein.

Deckname „Julian“

Hauptbelastungszeuge ist ein Mann mit dem Decknamen „Julian“. Er soll sich nach der Tat telefonisch bei der Polizei gemeldet und von einem abgesprochenen Coup geredet haben. Vor Gericht wird er seine Informationen allerdings nicht wiederholen. Die Behörden haben ihm absolute Vertraulichkeit zugesichert.

Am ersten Verhandlungstag waren auch zwei ehemalige Mitarbeiterinnen der Volksbank-Filiale im Zuschauerraum. Sie hätten wohl im Leben nicht gedacht, dass ihr früherer Kollege mal auf der Anklagebank landen würde.

Fäden gezogen

Zweiter mutmaßlicher Haupttäter ist ein Freund des Filialleiters, der damals noch als Bediensteter im Bochumer Gefängnis gearbeitet hat. Der 55-jährige Halterner soll im Hintergrund die Fäden gezogen und während der Tat im Fluchtauto gewartet haben. Nach Angaben seines Verteidigers ist er seit Bekanntwerden der Vorwürfe vom Dienst freigestellt. Außerdem sind noch ein Mann aus Essen und zwei mutmaßliche Helfer aus Oberhausen angeklagt.

Weil die Tat abgesprochen gewesen sein soll, lautet die Anklage auch nicht auf Raub – sondern auf Untreue und auf Beihilfe zur Untreue. Urteil voraussichtlich im Oktober.

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