Preise explodieren: Gleiche Produkte sind deutlich teurer als vor sechs Monaten

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Unsere Reporterin Anne Schiebener hat zehn Produkte im Aldi in Haltern gekauft. Diese landeten schon vor vier Jahren und vor sechs Monaten in unserem Einkaufswagen.
Unsere Reporterin Anne Schiebener hat zehn Produkte im Aldi in Haltern gekauft. Diese landeten schon vor vier Jahren und vor sechs Monaten in unserem Einkaufswagen. © Anne Schiebener
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Seit Anfang des Jahres steigen die Lebensmittelpreise in deutschen Supermärkten rasant an. Steigende Energiekosten, unterbrochene Lieferketten, der Krieg in der Ukraine – die Liste der Gründe ist lang.

Gemeinsam mit der Halternerin Sandra Westerholt haben wir im April dieses Jahres einen Wocheneinkauf im Discounter Aldi an der Recklinghäuser Straße gemacht. Dabei sollte sie nicht irgendwelche Produkte einkaufen. Ein Kassenbon aus März 2018 aus ebendiesem Aldi-Markt galt als Vorgabe für den Einkauf.

Sandra Westerholt hat für uns im April einen alten Kassenbon aus 2018 nachgekauft. Schon damals war der Preisanstieg deutlich spürbar. © Anne Schiebener (A)

Aufschnitt, Milch, Käse, etwas Obst und Gemüse – insgesamt standen 33 Produkte auf dem Vergleichskassenbon aus 2018. Bei der Auswahl in den Aldi-Regalen hat sich auch vier Jahre später nicht viel geändert. Aber der Preis ist bei fast allen Produkten gestiegen – nur Frischbackhefe (9 Cent) und Schlagsahne (69 Cent) der Aldi-Eigenmarke waren beim Test im April genauso teuer wie im März 2018.

Seitdem sind sechs Monate vergangen. Wir haben zehn der Produkte nachgekauft, die schon vor vier Jahren und vor sechs Monaten auf dem Kassenbon standen. Wie teuer sind die gleichen Lebensmittel heute?

Alle Produkte sind teurer

Mehl, Milch, Kartoffeln, Schlagsahne, Brokkoli, Kiwi, Aufschnitt, Frischbackhefe, Schweizer Käse und Haferflocken – diese zehn Produkte landeten im Oktober 2022 in unserem Einkaufswagen. Eine Mischung aus allen Bereichen.

Kartoffeln, Sahne, Mehl - alle Produkte sind heute teurer als noch vor sechs Monaten.
Kartoffeln, Sahne, Mehl – alle Produkte sind heute teurer als noch vor sechs Monaten. © Anne Schiebener

Alle zehn Lebensmittel sind heute teurer als vor einem halben Jahr. Sogar die Frischbackhefe und die Schlagsahne, die im April noch ihren Preis von vor vier Jahren halten konnten, sind jetzt im Preis gestiegen. Statt 9 Cent kostet die Hefe mit 13 Cent etwa 44 Prozent mehr. Die Schlagsahne ist von 69 Cent auf 99 Cent gestiegen und damit um 43 Prozent teurer geworden.

Besonders stark sind in unserem Testeinkauf die Preise von Obst und Gemüse gestiegen. Der Brokkoli kostet heute 1,79 Euro. Im April war er bereits von 75 Cent auf 1,35 Euro gestiegen – das macht einen Anstieg von 80 Prozent. Vergleicht man die Preise von März 2018 mit Oktober 2022, dann ist der Brokkoli aus dem Aldi um 139 Prozent teurer geworden.

Auch der 2,5-Kilo-Sack Kartoffeln ist im Vergleich zu 2018 um 92 Prozent teurer geworden und kostet heute 2,09 Euro. Im April waren es 1,85 Euro und damit ein Anstieg von 70 Prozent gegenüber des Preises vor vier Jahren.

Am extremsten ist bei unseren Beispielen die Kostenentwicklung einer einzelnen Kiwi. Von 18 Cent in 2018 auf heutige 49 Cent – damit ist das Obst um 172 Prozent teurer geworden. Im April dieses Jahres war der Preis nur um 1 Cent angestiegen.

Eine weitere Entwicklung lässt sich im Aldi-Discounter in Haltern beobachten: Während das Mehl-Regal im April komplett leergefegt war (ähnlich wie das Regal mit dem Speiseöl), gibt es sechs Monate später keine leeren Regalbretter.

20 Prozent teurer als vor 6 Monaten

Wie viel teurer war nun der gesamte Einkauf? Die zehn ausgewählten Produkte haben im März 2018 insgesamt 8,40 Euro gekostet. Für den gleichen Einkauf im gleichen Supermarkt zahlen wir im Oktober 2022 eine Summe von 13,04 Euro. Das macht einen Anstieg von 55 Prozent aus. Der Testeinkauf ist also vier Jahre später um mehr als die Hälfte teurer geworden.

Aber wie haben sich die Lebensmittel im Vergleich zu vor einem halben Jahr entwickelt? Da es im April 2022 kein Mehl im Discounter gab, vergleichen wir die Preise der verbleibenden neun Produkte. 9,82 Euro im April stehen 11,75 Euro im Oktober gegenüber. Das entspricht einem Preisanstieg um fast 20 Prozent innerhalb eines halben Jahres.