Es fehlen 100 Plätze

Bekommt Herten eine weitere Förderschule?

Die Glück-auf-Förderschule in Marl platzt aus allen Nähten. Und das wird jetzt auch für die Hertener Verwaltung zu einem Problem. Es muss eine Lösung für 100 Schülerinnen und Schüler her.
Im Kreis Recklinghausen fehlen 100 Plätze für Förderschulkinder. Herten sucht eine Lösung. Eine Variante könnte die Erweiterung der Achtenbeckschule sein. Ließe sich dafür das benachbarte frühere Gebäude der Ludgerusschule sanieren? Oder müsste abgerissen und neu gebaut werden? Kommt der Standort überhaupt infrage? Viele Fragen sind offen. © Jörg Gutzeit

Seit Jahren bestehen Vereinbarungen zwischen den Städten Marl, Herten und Haltern am See, dass auch Hertener und Halterner Kinder mit dem Förderbedarf geistige Entwicklung in Marl zur Glück-auf-Schule gehen können. Aktuell besuchen laut Angaben von Hermann Pieper, städtischer Beigeordneter für Bildung und Soziales, 20 Kinder aus Herten die Marler Förderschule, 60 weitere gehen auf die Raphaelschule in Recklinghausen. Das Problem: Die Glück-auf-Schule ist auf maximal 125 Kinder ausgelegt, aktuell wird sie von knapp 170 besucht.

Wie berichtet, will die Stadt Marl die Verträge mit Herten und Haltern am See zum Jahresende kündigen, allerdings mit einer bis zu dreijährigen Kündigungsfrist. Es hat bereits erste Gespräche mit der Kreisverwaltung und den beteiligten Städten gegeben, man ist um eine einvernehmliche Lösung bemüht. Es sei sichergestellt, sagte Pieper im jüngsten Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport im Glashaus, dass die Kinder, die die Glück-auf-Schule aktuell besuchen und jene, die dieses und nächstes Jahr eingeschult werden, dort noch aufgenommen werden. Doch es muss eine grundsätzliche Lösung gefunden werden, denn: Laut Hermann Pieper hat die Kreisverwaltung ausgerechnet, dass in den kommenden fünf Jahren im Kreis Recklinghausen rund 100 zusätzliche Plätze für Kinder mit dem Förderbedarf geistige Entwicklung benötigt werden. Es bestehe also der Bedarf nach einer neuen Schule, so Pieper. „Sei es als eigenständige Schule, sei es als Dependance der Glück-auf-Schule, sei es als zusätzlicher Förderzweig der Achtenbeckschule.“

„Alle schauen nach Herten“

Eine Erweiterung der Glück-auf-Schule sei laut Aussagen der Stadt Marl am bestehenden Standort nicht möglich, auch ein anderer Standort in Marl komme nicht infrage, berichtete der Beigeordnete in der Ausschusssitzung am Montag. Die Recklinghäuser Raphaelschule werde aktuell erweitert – und es sei jetzt schon absehbar, dass sie danach bis an die Grenzen ausgelastet sein werde. Daher würden derzeit alle nach Herten schauen. Konkret bedeutet das, dass man sich im Schulamt im Rathaus mit vielen offenen Fragen beschäftigt: Welches Organisationsmodell würde eine künftige Förderschule, so sie denn in Herten entstünde, haben? Wäre es eine Zweigstelle der Glück-auf-Schule oder eine Erweiterung der Achtenbeckschule? Diese Entscheidung fällt keine Stadt für sich allein und auch nicht die Kreisverwaltung in Recklinghausen, sondern die Bezirksregierung in Münster. Wie müsste das Raumprogramm für die Schule aussehen? Welchen Ausstattungsbedarf gäbe es? Wenn das alles geklärt sei, könne man schauen, ob es ein bestehendes Gebäude gebe, das entsprechend umgebaut werden könnte – oder ob es ein Grundstück für einen Neubau gibt.

Viele Fragen sind noch offen

Wenn die neue Schule ein Förderzweig der Achtenbeckschule wäre, wäre eine räumliche Nähe sinnvoll, sagte Hermann Pieper im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Förderschule nutzt bereits jetzt das ehemalige Gebäude der Ludgerusschule direkt nebenan, allerdings nur im Erdgeschoss, da der Altbau erhebliche Mängel aufweist. Ob man das Gebäude so weit sanieren kann, dass es für eine neue Förderschule genutzt werden könnte oder ob man es abreißen müsste und das Grundstück groß genug für einen Neubau wäre, „das wären Varianten, die zu prüfen wären. Insbesondere dann, wenn eine Kooperation mit der Achtenbeckschule genehmigungsfähig ist“, so Pieper. „Das setzt aber voraus, dass die Bezirksregierung einer entsprechenden Erweiterung der Achtenbeckschule zustimmt.“ Viele offene Fragen. Eines steht jetzt schon fest: „Wir brauchen innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Lösung für voraussichtlich 100 Schülerinnen und Schüler“, sagt Hermann Pieper.

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