
Hertens Bäume stehen unter Stress: Sie sind Schadstoffen, zum Beispiel Autoabgasen, ausgesetzt, werden angepinkelt und angefahren, haben vielerorts zu wenig Platz und der verdichtete Boden erschwert die Wasser- und Nährstoffaufnahme. Der Klimawandel mit seinen steigenden Temperaturen und anhaltender Trockenheit verstärkt diesen Stress. Das schwächt die Bäume und macht sie anfälliger für Schädlinge, Pilze und Bakterien. Und das hat für vier Baumarten finale Folgen.
Es habe sich gezeigt, dass einige der klassischen Straßenbaumarten „diesen Anforderungen nicht mehr gewachsen sind und damit zu einer Gefährdung werden können oder gänzlich ausfallen“, heißt es in dem aktuellen Baumzustandsbericht. Diese Ausfallerscheinungen führen dazu, dass gewisse Baumarten künftig nicht mehr als Straßenbäume verwendet werden können. Dabei handelt es sich um die Rosskastanie, den Bergahorn, den Apfeldorn und die Birke. In den vergangenen Jahrzehnten seien sie „als Standardsortiment gepflanzt“ worden, doch auf sie müsse künftig „im Zuge des Klimawandels verzichtet“ werden.

Bei den Planungsverantwortlichen sei ein Umdenken erforderlich. „Mehr Fachkunde, Sorgfalt und ebenso Mut und Experimentierfreude ist auch bei der Auswahl der Baumarten und -sorten erforderlich“, heißt es in dem Report weiter. Gutes Baumwachstum auch am Straßenrand sei „kein Hexenwerk, sondern beruht auf einer fundierten Planung, guter Standortvorbereitung, angepasster Baumartenauswahl, guter Baumqualität und einer fachgerechten Pflege“.
„ZBH hat seine Leistungsgrenze erreicht“
Die wichtigste Pflegemaßnahme führt der Bericht auch an: die Bewässerung. Doch hier gibt es gleich mehrere Probleme. Zum einen sind da die zu geringen Niederschlagsmengen. Um die Jungbäume und Neuanpflanzungen mit Wasser zu versorgen, sind während der Gießperiode täglich mehrere ZBH-Leute im Einsatz. „Aufgrund der Trockenperiode sowie der steigenden Anzahl an zu bewässernden Bäumen hat der ZBH seine Leistungsgrenze erreicht.“
Etwa 300 Jungbäume samt umliegender Beete sowie ca. 150 Bäume in Grünanlagen und auf Friedhöfen würden versorgt, „Tendenz steigend“. Baumpatenschaften könnten die Ausfälle reduzieren. Hierzu ist geplant, weitere Bewässerungssäcke zu verteilen – im vergangenen Jahr waren bereits 100 Stück an interessierte Hertener ausgegeben worden.
Zum anderen ist die manuelle Bewässerungstechnik veraltet. Es sei notwendig, „ein dem Stand der Technik entsprechendes Fahrzeug zu beschaffen“. Der Wasserwagen des ZBH hat 34 Jahre „auf dem Tank“. Da die Hersteller bisher keine Angebote eingereicht hätten, will man für diese Saison übergangsweise entsprechende Technik anmieten.

Insgesamt 140 Bäume sind im vergangenen Berichtszeitraum gefällt worden, 103 Fällungen sind für die Monate Oktober 2022 bis Februar 2023 angekündigt. Die bereits gefällten oder noch zu fällenden Bäume sind so beschädigt, dass sie bereits abgestorben sind, es bald sein werden oder eine Unfallgefahr darstellen. Erst kürzlich wurde eine mehr als 120 Jahre alte Rotbuche an der Sportanlage Nord gefällt, weil sie aufgrund eines massiven Pilzbefalls nicht mehr standsicher war.
Buche am Spielplatz muss bald gefällt werden
Ähnliches wird am Spielplatz Zur Baut geschehen, wo ebenfalls eine prägende Rotbuche von einem Pilz befallen ist und von innen verfault. Weil ein steigendes Umsturzrisiko besteht, muss der Baum gefällt werden. Laut Auskunft der Stadtverwaltung ist ein Fachbetrieb beauftragt, der das am 17. Februar erledigen will. Bis dahin werde der Baum „engmaschig kontrolliert“, heißt es aus dem Rathaus. Auch eine Platane an der Straße Über den Knöchel musste weichen, da sie mitten auf einer Wasserleitung stand und ihr ausgeprägtes Wurzelwerk im Umfeld für zahlreiche Stolperfallen gesorgt hat. Dort ist nur noch ein Baumstumpf zu sehen.
Als Ersatz für die gefällten oder noch zu fällenden Bäume wurden bzw. werden insgesamt ca. 180 neue Bäume gepflanzt.
Hertens Straßenbaumbestand:
Laut aktuellem Baumkataster stehen in Herten 11.475 Bäume. Aufgeteilt auf die Stadtteile sieht das Bild so aus:
2610 in Scherlebeck;
1843 in Süd;
1584 in Disteln;
1489 in Westerholt;
1468 in Mitte;
1096 in Langenbochum;
600 auf dem Paschenberg und
396 in Bertlich.