Landgericht Essen

Kindesmissbrauch: Polizistin glaubt 23-Jähriger

Ein Mann aus Herten steht in Essen vor Gericht. Der Vorwurf: Kindesmissbrauch. Jetzt hat eine Polizistin ausgesagt.
Beteuert weiter seine Unschuld: Der Angeklagte aus Herten neben seinem Verteidiger Lars Volkenborn im Essener Landgericht. © Jörn Hartwich

Im Missbrauchsprozess gegen einen Mann aus Herten hat das mutmaßliche Opfer am Mittwoch Rückendeckung erhalten. Ein Polizistin, die die heute 23-Jährige im Sommer 2019 vernommen hat, sagte den Richtern am Essener Landgericht: „Ich bin überzeugt, dass das keine Geschichte ist, die man sich ausdenkt.“

Die junge Frau war damals ohne vorherige Ankündigung bei der Polizei aufgetaucht. „Sie war in sich gekehrt, ruhig, fast ohne Selbstvertrauen“, erinnerte sich die Beamtin bei ihrer Zeugenaussage. „Sie hat sich immer noch die Schuld gegeben, dass sie sich damals niemandem anvertraut hat und sich keine Hilfe gesucht hat.“

„Gedacht, dass ihr niemand glaubt“

Die Vorwürfe reichen tatsächlich schon über 15 Jahre zurück. Die junge Frau von heute war damals acht oder neun Jahre alt. Laut Anklage war es mitten in der Nacht, als der Hertener in ihr Hochbett geklettert ist.

Der 49-Jährige war ein guter Freund der Familie, hatte damals auf einer Matratze im Kinderzimmer übernachten dürfen. Was dann passiert sein soll, waren laut Anklage schwerste Übergriffe – bis hin zum ungeschützten Geschlechtsverkehr.

Mutter und Stiefvater waren offenbar völlig ahnungslos. Die Schülerin hat nichts erzählt – bis vor rund zwei Jahren. „Sie hat immer gedacht, dass ihr niemand glaubt“, so die Polizistin im Prozess. Und das sei auch nicht ganz von der Hand zu weisen gewesen.

Durchs Schlüsselloch geguckt

Der Angeklagte soll die Mutter des Mädchens einmal beim Duschen durch das Schlüsselloch beobachtet haben. „Als die Tochter das später erzählt hat, habe ihr auch keiner geglaubt“, so die Beamtin. Was ihr selbst angeblich widerfahren ist, habe sie nach eigenen Angaben dann lieber für sich behalten.

Es war offenbar ein Wiedersehen nach vielen Jahren, dass die heute 23-Jährige möglicherweise nicht ertragen konnte. Deshalb war sie nach Angaben der Vernehmungsbeamtin zur Polizei gegangen. Das sei auch nicht ungewöhnlich. „Manche Frauen schaffen es erst nach 30 Jahren, darüber zu sprechen, was ihnen in der Kindheit passiert ist.”

Übernachtung im Kinderzimmer verboten

Der Angeklagte selbst beteuert weiter seine Unschuld. Zum Prozessauftakt hatte er wörtlich gesagt: „Ich habe keinen Sex mit der Tochter gehabt.“ Man wolle ihn einfach nur fertig machen.

Der Hertener, der inzwischen verheiratet ist und ein Kind hat, hatte zwischenzeitlich scheinbar keinen Kontakt mehr zur Familie des mutmaßlichen Opfers. Die regelmäßigen Übernachtungen im Kinderzimmer sollen ihm verboten worden sein, als die heute 23-Jährige ins Teenager-Alter kam. Von den Vorwürfen war damals allerdings noch nichts bekannt.

Der Prozess vor der 24. Strafkammer des Essener Landgerichts wird fortgesetzt.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt