Landgericht Essen

Missbrauch im Hochbett? Mann aus Herten verurteilt

Vor rund 15 Jahren soll ein Mann aus Herten nachts in das Hochbett der Tochter einer Bekannten geklettert sein. Jetzt ist er verurteilt worden.
Hatte auf einen Freispruch gehofft: Der Angeklagte neben Verteidiger Lars Volkenborn. © Jörn Hartwich

Jetzt ist ein Mann aus Herten offenbar doch noch von seiner Vergangenheit eingeholt worden. Rund 15 Jahre nach dem mutmaßlichen Missbrauch eines kleinen Mädchens ist der 49-Jährige am Montag zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden.

Die Richter am Essener Landgericht haben zwei Jahre und drei Monate Haft verhängt. Der Angeklagte reagierte fassungslos. Er hatte bis zuletzt seine Unschuld beteuert.

„Lassen sie mich nicht leiden“

Noch kurz vor der Urteilsverkündung hatte er sich noch einmal fast flehentlich an die Richter gewandt. „Lassen sie mich nicht leiden, für etwas, was ich nicht getan habe“, sagte der Hertener mit Tränen in den Augen. „Sie sind die einzigen, die mich noch retten können.” Er sei doch ein guter Mensch – hilfsbereit und freundlich.

Erfolg hatte er damit allerdings nicht. Die Richter haben keinen Zweifel, dass der Angeklagte vor rund 15 Jahren mitten in der Nacht in das Hochbett eines damals acht oder neun Jahre alten Mädchens geklettert ist. In der Urteilsbegründung war von ungeschütztem Geschlechtsverkehr die Rede.

„Ich hätte mich wehren können”, hatte die heute 23-Jährige bei ihrer Zeugenvernehmung gesagt. „Aber ich habe es nicht getan.”

Guter Freund der Familie

Der heute 49-Jährige war ein guter Freund der Familie. Am Tag vor der mutmaßlichen Tat hatte er geholfen, einen neuen Schrank aufzubauen. Weil es spät geworden war, wurde ihm eine Matratze ins Kinderzimmer gelegt, die Tür geschlossen. „Eine fatale Entscheidung“, so Richter Sebastian Jordan.

Mutter und Stiefvater des Mädchens waren natürlich davon ausgegangen, dass sie dem Angeklagten vertrauen können. Er war bei ihnen ein- und ausgegangen, war immer nett. Auch danach schöpften sie keinen Verdacht.

Das Mädchen hatte jahrelang geschwiegen, war erst nach einem zufälligen Wiedertreffen zur Polizei gegangen. In diesem Moment muss die Erinnerung wieder hochgekommen sein, hatte es im Prozess geheißen.

Trauma fürs Leben

Im Urteil war von einem schweren Vertrauensbruch die Rede. „Gerade in ihrem Bett fühlen sich Kinder sicher und geborgen“, hatte zuvor auch schon die Staatsanwältin gesagt. Diesen Schutzraum habe der Angeklagte durchbrochen. „Dieses Trauma wird die Frau für ihr Leben prägen.

Der Angeklagte selbst hatte auf einen Freispruch gehofft. „Es gibt Widersprüche und Ungenauigkeiten“, so auch Verteidiger Lars Volkenborn. Es könne sein, dass sich die Erinnerung im Laufe der langen Zeit verändert habe. Das sahen die Richter jedoch anders. Im Kerngeschehen sei die Aussage der heute 23-Jährigen konstant und glaubhaft. Rechtskräftig ist das Urteil allerdings noch nicht.

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