Wahlkreis 2002 aufgelöst

Norbert Formanski – einziger „echter“ Hertener im Bundestag

Bei der Besetzung der Plätze im Deutschen Bundestag spielt Herten seit Jahrzehnten keine Rolle mehr. Das war mal anders. Norbert Formanski vertrat Herten von 1990 bis 2002 in Bonn und Berlin.
Norbert Formanski (2.v.l.) kurz nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag bei der Einweihung der Schneeberger Straße, hier mit (v.l.) Altbürgermeister Willi Wessel, dem damaligen Bürgermeister Dr. Uli Paetzel, Jörg Achim Schwenzfeier (Vestisch-Märkische Wohnungsbaugesellschaft) und dem damaligen Schneeberger Bürgermeister Frieder Stimpel. © Stadt Herten

Bei unserer Berichterstattung über die Geschichte des Wahlkreises 122/Recklinghausen II, dem Herten heute angehört, blieb ein aus Hertener Sicht wichtiger Aspekt unerwähnt. Die Stadt wurde diesem Wahlkreis erst vor 19 Jahren zugeordnet. Zuvor bildete Herten zusammen mit den Gelsenkirchener Stadtbezirken Nord und Ost den Wahlkreis „Gelsenkirchen II – Recklinghausen III“.

Mit 63,0 Prozent gewonnen

Der gebürtige Westerholter Norbert Formanski gewann diesen Wahlkreis drei Mal (1990, 1994, 1998), zuletzt mit 63,0 Prozent der Stimmen. Ein damals wie heute sensationelles Ergebnis. Im ebenfalls „roten“ Nachbar-Wahlkreis Recklinghausen II wurde die 60-Prozent-Marke nie erreicht.

Norbert Formanski ist somit bis heute der einzige „echte“ Hertener, der es in den Bundestag schaffte, der wiederum bis 1999 noch in Bonn tagte. „Darauf darf ich vielleicht etwas stolz sein“, sagt der 70-Jährige bescheiden.

Rede zu Kohlebeschlüssen vor Kanzler Kohl

Seine Amtszeit ist geprägt durch die politischen Entscheidungen zum Ende des Steinkohle-Bergbaus. Als die von Helmut Kohl geführte CDU/FDP-Bundesregierung 1997 harte Einschnitte plante, gingen im Ruhrgebiet 220.000 Menschen auf die Straße. Auf Wunsch des damaligen SPD-Fraktionsvorsitzenden Rudolf Scharping berichtete Formanski spontan am Morgen des 14. Februar im Bonner Bundestag im Beisein von Kanzler Kohl authentisch über die Angst der Bergleute und die drohende Eskalation der Stimmung. Am Abend zuvor hatte er noch zu Hause die verzweifelten und aufgebrachten Bergleute angehört. Letztlich konnte der stufenweise, weitgehend sozialverträgliche Schließungsprozess erhalten werden.

Ratsmitglied, Gewerkschafter, Betriebsrat

Norbert Formanski ist seit gut 50 Jahren Mitglied der SPD, saß von 1979 bis 1991 im Rat der Stadt Herten, bekleidete außerdem Führungspositionen im SPD-Stadtverband und im Ortsverband Westerholt+Bertlich sowie in der Gewerkschaft Bergbau und Energie. Der gelernte Starkstromelektriker war ab 1984 Betriebsratsvorsitzender des Bergwerks Lippe, ab 1994 Mitglied im RAG-Gesamtbetriebsrat. Nach der Zeit im Bundestag gehörte Formanski von 2004 bis 2006 der Geschäftsführung der Vestisch-Märkischen Wohnungsbaugesellschaft an.

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der gebürtige Hertener Stefan Brandner seit 2017 für die AfD im Bundestag sitzt. Er kehrte Herten aber bereits in den 1990er-Jahren den Rücken.

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