Der Werkstatt-Beschäftigte Günter Moryson gibt den „Interims-Landrat“

„Interims-Landrat“: Der Werkstatt-Beschäftigte Günter Moryson vertrat beim „Schichtwechsel“ kurzzeitig Bodo Klimpel.
„Interims-Landrat“: Der Werkstatt-Beschäftigte Günter Moryson vertrat beim „Schichtwechsel“ kurzzeitig Bodo Klimpel. © Diakonie
Lesezeit

Erstmals haben die Recklinghäuser Werkstätten jetzt am „Schichtwechsel“ teilgenommen – dem nationalen Aktionstag für Menschen mit und ohne Behinderung. Einen Tag lang arbeiteten knapp 30 Menschen mit Behinderung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt. Zeitgleich packten Lokalpolitiker sowie Angestellte der Städte Marl und Recklinghausen in den Werkstätten mit an. Ihnen sollte der Tag Begegnungen mit Menschen in Werkstätten und Einblicke in die Vielfalt der Produkte und Dienstleistungen ermöglichen. „Und das ist geglückt“, so das Resümee des Diakonischen Werks im Kirchenkreis.

So habe die Landtagsabgeordnete Lisa Kapteinat ihren „Schichtwechsel“ in der Waltroper Werkstatt absolviert und gelernt, eine Nähmaschine zu bedienen. Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff habe die Metallgruppe der Werkstatt in Dorsten-Wulfen bei der Montage von Drahtrollen unterstützt und schnell feststellen müssen, dass er als Bürgermeister keinerlei Sonderbehandlung genießt: Eine von ihm montierte Drahtrolle fiel durch die interne Qualitätskontrolle eines Werkstatt-Beschäftigten. Und Landrat Bodo Klimpel habe in der Dattelner Werkstatt Förderturm II, einer Einrichtung für Menschen mit vorwiegend psychischen Erkrankungen, die Kunst des Textildrucks erlernt – und als Belohnung ein selbstbedrucktes T-Shirt mit zurück ins Kreishaus nehmen dürfen.

„Scheitern gibt es hier nicht“

Übrigens wurde der Landrat während seines Einsatzes in Datteln von einem Werkstatt-Beschäftigten im Kreishaus „vertreten“: Günter Moryson durfte als „Interims-Landrat“ in den Arbeitsbereich eines Berufspolitikers reinschnuppern, das Kreishaus kennenlernen, am Rednerpult stehen und viele neue Eindrücke sammeln.

Andere Teilnehmer aus den Werkstätten hospitierten auf dem Pferdehof, sorgten im Supermarkt für Ordnung, unterstützen in der Gastronomie oder in der Verwaltung.

„Es war eine super Erfahrung und wir haben sehr viele zufriedene und strahlende Gesichter gesehen“, sagte Projektleiterin Nicole Reese von den Recklinghäuser Werkstätten des Diakonischen Werkes im Kirchenkreis. Sie hofft, dass künftig mehr Unternehmen inklusive Arbeitsplätze anbieten werden, und dass sich immer mehr Menschen mit Behinderung zutrauen, auf den allgemeinen Arbeitsmarkt zu gehen, denn: „Scheitern gibt es hier nicht – wir können alle nur wertvolle Erfahrungen sammeln.“