Telefonaktion des Medienhauses Bauer

Galle: Steinreich und doch arm dran

In kompakter Form informieren zwei Experten aus dem Elisabeth Krankenhaus in Recklinghausen über die Galle – ein entbehrliches Organ mit großem Schmerzpotenzial, das bei Gallensteinen sogar lebensgefährlich werden kann.
Mit einem Operations-Simulator wie hier kann eine Gallenblasen-OP geübt werden. © picture alliance / dpa

Von leichten Schmerzen im rechten Oberbauch bis hin zu heftigen Koliken: Wenn die Gallenblase Beschwerden macht, dann oft intensiv. Kommen meine Bauchschmerzen von der Galle? Kann ich ohne Galle leben? Ist bei Gallensteinen immer sofort ein Eingriff nötig?

Chefarzt Dr. Frank Dederichs (Gastroenterologie) und Chefarzt PD Dr. Helfried Waleczek (Allgemein- und Viszeralchirurgie) vom Elisabeth Krankenhaus in Recklinghausen-Süd stehen bei der Telefonaktion am Donnerstag, 19. August, den Anrufern mit Rat rund um die Galle zur Seite.

Leben ohne Gallenblase

Vorweg ein paar Erklärungen zur Anatomie: Die Galle ist ein etwa acht Zentimeter großes, birnenförmiges Organ, das unterhalb der Leber sitzt. Die häufigste Erkrankung der Gallenblase ist die Entstehung von Gallensteinen und die dadurch verursachten Komplikationen. 20 bis 40 Prozent der Menschen über 50 Jahre und etwa 70 Prozent der Menschen über 70 Jahre haben Gallensteine. Aber nicht jeder dieser Steinträger hat auch Beschwerden. Viele Menschen merken jahrelang nichts davon. Verstopfen die Gallensteine jedoch die Gallengänge, wird es meist unangenehm und äußerst schmerzhaft.

Die Beschwerden können bis in Schulter und Rücken ausstrahlen und zwischen wenigen Minuten und mehreren Stunden andauern – oft begleitet von Aufstoßen, Brechreiz und Übelkeit. Häufig macht sich das nach dem Verzehr von besonders fettreicher Nahrung, Kaffee, Alkohol oder auch nach dem Nikotinkonsum bemerkbar. Krampfartige, heftige Schmerzen im Oberbauch sind dann typisch für eine Gallenkolik. Und schnelles Handeln ist angesagt.

Schlimmstenfalls wandern die Steinchen nämlich in die Gallenwege, bleiben dort stecken und verhindern das Abfließen der Galle in den Dünndarm. Der Sekretstau fördert zudem eine Gallenblasenentzündung und kann sogar die Bauchspeicheldrüse in Mitleidenschaft ziehen. „Das alles sind Notfallsituationen, die man mit der rechtzeitigen Entfernung verhindern kann“, so Waleczek.

„Wir arbeiten minimalinvasiv, das heißt mit kleinen Schnitten, die maximal so groß wie die Gallensteine selbst sind.“ Während früher die Zertrümmerung der Steine ganz oben auf der Behandlungsliste stand, sei der Goldstandard heute die Entfernung der kompletten Gallenblase, weil sich die Steine immer wieder neu bilden und zu Problemen führen. Seltener seien Gallenblasenpolypen und bösartige Tumore.

Gallenflüssigkeit ist für den Körper kostbar

Doch wofür brauchen wir die Galle dann überhaupt? „Schon unsere Omas haben mit Gallseife, die aus Kernseife und Rindergalle besteht, gewaschen, weil sie Flecken so gut entfernt. Warum funktioniert das? Weil die in der zähen Körperflüssigkeit enthaltene Gallensäure eine Emulsion aus den Fetten bildet. Das tun sie in der Waschschüssel, aber auch bei uns im menschlichen Körper, genauer gesagt im Dünndarm“, so Waleczek. So könnten lebensnotwendige Fette und fettlösliche Vitamine aus der Nahrung über den Darm aufgenommen werden. „Nehmen wir Nahrung auf, wird die Galle und mit ihr die Gallensäuren in den Zwölffingerdarm ausgeschüttet. Hier erfüllt die Galle dann ihre Aufgaben. Gallenflüssigkeit ist dabei für den Körper so kostbar, dass etwa 90 Prozent sozusagen ‚recycelt‘ werden“, erzählt der Chefarzt. „Wenn die Gallenblase aber erkrankt ist, entstehen Steine“, so Waleczek weiter.

Diese Ablagerungen bilden sich durch auskristallisierte Bestandteile der Gallenflüssigkeit.

Doch anscheinend bekommt nicht jeder Gallensteine. Ganz offensichtlich gäbe es laut Waleczek eine familiäre Veranlagung dafür. Wenn es um die Risikofaktoren gehe, werde in der englischsprachigen Medizin von den 5 ‚F‘ gesprochen: female (weiblich), fertile (fruchtbar), fair (blond), fourty (über 40 Jahre alt), fat (übergewichtig). Aber auch wenn keiner dieser Risikofaktoren vorliege, könnten Gallensteine entstehen – aber das sei eben weniger wahrscheinlich.

Daten und Fakten

So erreichen Sie unsere Experten

  • Unsere Telefonaktion zum Thema Gallenblase findet statt am Donnerstag, 19. August, von 11 Uhr bis 13 Uhr.
  • Sie erreichen unsere Experten unter der Telefonnummer: Tel. 0 23 65 / 107-11 11.
  • Bitte beachten Sie, dass die Leitung ausschließlich während der Telefonaktion geschaltet ist.
Lesen Sie jetzt