Autobahn Westfalen

Ortskenntnis und Erfahrung sind besser als ein Taschenrechner

Autofahrer aus dem Kreis Recklinghausen kennen die „weiträumigen Umfahrungen“ von den zahlreichen A43-Sperrungen. Doch Umleitung ist nicht gleich Umleitung.
Der Rote Punkt steht für eine Umleitung, die in der Regel nur wenig Zeitverlust bedeutet. © Autobahn Westfalen

Autofahrern aus dem Kreis Recklinghausen, die regelmäßig die A43 benutzen, sind Vollsperrungen dieser Autobahn mehr als geläufig. Im Zuge des sechsspurigen Ausbaus müssen seit 2014 immer wieder Brücken abgerissen und neu aufgebaut werden. An ganzen Wochenenden ist die A43 dann manchmal nicht passierbar. Verkehrsteilnehmer müssen lange Umwege über benachbarte Autobahnen in Kauf nehmen.

Auch Fahrbahn-Sanierungen oder Tunnel-Wartungen führen häufig dazu, dass Umleitungen eingerichtet werden müssen. Denn nicht immer ließen sich die Arbeiten bei laufendem Verkehr durchführen, sagt Behördensprecher Mirko Heuping, auch wenn die Autobahn Westfalen diese Variante bevorzuge. Die Umfahrungen, die den Verkehrsteilnehmern zugemutet werden, seien schließlich teils sehr zeitaufwendig.

Auf Autobahnen gibt es drei Arten von Umleitungen

Auf Autobahnen gibt es grundsätzlich drei Arten von Umleitungen: Rote-Punkt-Umleitungen, blaubeschilderte Bedarfsumleitungen und weiträumige Umleitungen innerhalb des Autobahnnetzes. Doch wer entscheidet, welche dieser Maßnahmen für das jeweilige Bauprojekt die richtige ist? Bei der Autobahn Westfalen kümmern sich darum Verkehrsingenieure wie Jürgen Happel. Er weiß aus Erfahrung: „Solange der Verkehr rollt, ist der Autofahrer deutlich entspannter.“ Deshalb schaut sich Happel mögliche Ausweichstrecken im Vorfeld genau an: Wie viele Kilometer Umweg müssen die Verkehrsteilnehmer in Kauf nehmen? Wie viele Ampeln sind auf welcher Route zu passieren? Wo droht ein längerer Stau? Und führt die Umfahrung womöglich durch Wohngebiete, an Krankenhäusern oder Schulen vorbei?

All diese Fragen fließen in Happels Beurteilung ein. „Am Ende setzen wir bei unseren Planungen alles daran, den Verlust der Reisezeit und die Verkehrsbelastung in sensiblen Bereichen so gering wie möglich zu halten“, verspricht er. Dabei werde weniger ein Taschenrechner als eine gute Ortskenntnis und jahrelange Erfahrung benötigt.

Der Rote Punkt verspricht den geringsten Zeitverlust

Aus jener Erfahrung weiß Happel: Bei Sperrungen von Auf- und Ausfahrten sowie ähnlichen eingrenzbaren Arbeiten reicht oftmals das Aufstellen weißer Schilder mit einem großen roten Punkt in der Mitte. Folgen Verkehrsteilnehmer diesen, beträgt der Umweg meist nur zwischen einigen hundert Metern und wenigen Kilometern. Diese Art von Umleitung ist eine „westfälische Spezialität“, erklärt Happel. Sie ist längst nicht im gesamten Bundesgebiet üblich.

Bei größeren Maßnahmen auf der Strecke versuchen die Experten, den Verkehr eher über Bedarfsumleitungen umzulenken. Dabei handelt es sich um gemeinsam mit Kreisen und Kommunen festgelegte Routen, die mit blauen Schildern abseits der Autobahn von einer Anschlussstelle zur nächsten führt. „Das ist das Standardprogramm“, sagt Happel. Auf den Schildern ist in weißer Schrift ein „U“ sowie eine Zahl zu sehen – aufsteigend werden für die eine Fahrtrichtung nur gerade und für die andere Fahrtrichtung nur ungerade Nummern vergeben. Aufgrund der Bedeutung der Bedarfsumleitungsstecken werden diese mindestens alle zwei Jahre von den Verkehrsbehörden abgefahren und auf Schäden an der Beschilderung überprüft.

Lieber den Umleitungshinweisen als dem Navi vertrauen

In seltenen Fällen ist eine noch weiträumigere Umfahrung als bei einer Bedarfsumleitung, zum Beispiel durch die Sperrung einer Brücke, vonnöten. Dann wird der Verkehr über das angegliederte Autobahnnetz – die sogenannte Netzmasche – umgeleitet. Dies ist oft der Fall, wenn das Verkehrsaufkommen auf der Strecke besonders groß und keine geeigneten Ausweichstrecken vorhanden oder diese erwartbar schnell überlastet sind. Es geschieht über dynamische Hinweistafeln, die in der Regel vor Autobahnkreuzen stehen.

Wenn die Verkehrsteilnehmer dann auch noch den Umleitungshinweisen statt ihren Navigationsgeräten vertrauten, erspare das nicht nur viel Zeit, sondern auch jede Menge Frust und Ärger, sagt Happel.

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