Revuepalast

Von der Bingo-Fee zum Revuestar

Die Hertener Drag-Queen Roxy verstärkt ab September die „Femme Fatale“ am heimischen Revuepalast - ein langjähriger Traum wird damit wahr.
Prinzipal Christian Stratmann, Regisseur Ralf Kuta und Newcomer Roxy (v.l.) freuen sich auf die Premiere der neuen Show „Hurra, wir leben noch!“ am 3. September im Hertener Revuepalast. © Arne Pöhnert

Im März vergangenen Jahres knipste Corona im Revuepalast Ruhr auf Zeche Ewald die Lichter aus. Am Freitag, 3. September, wird’s endlich wieder hell: Die neue Show „Hurra, wir leben noch“ lädt ein zu einem Abend voller Liebe, Lust und Illusionen. Und zu einem Wiedersehen mit den Künstlern, die die Gäste so lange vermissen mussten. Doch nicht alles ist beim Alten geblieben. Die asiatischen Schönheiten Suara Mas und Mao gehören nicht mehr zum Ensemble (wir berichteten). Stattdessen hat ein Hertener Urgestein, der 31-jährige Tobi Hoffmann alias Roxy, die Verstärkung übernommen.

Zuständig für die Moderation

Zusammen mit Jeanny stemmt Roxy künftig einen Großteil der Moderation sowie der Liveanteile am Gesang. Für Hoffmann war es ein lang gehegter Traum, in seiner Heimatstadt auf der Bühne zu stehen. Ab 3. September wird der endlich wahr. Doch der Weg dahin war manchmal steinig, wie das neue Küken der Show im Gespräch mit dieser Zeitung verriet.

Du hast dich vor rund zehn Jahren schon einmal im Revuepalast beworben, wie war das?

Ich bin einfach mit einem Stapel Fotos unterm Arm hergekommen, fand mich total schön und habe Regisseur Ralf Kuta gesagt, ich wolle hier anfangen. Ralf fand das wohl dreist, aber er gab mir auch eine Chance: „Geh nach Hause, mach dich so zurecht wie auf den Bildern und dann komm wieder. Wir haben hier heute die Stripshow ,Ganze Kerle‘. Mal sehen, wie du ankommst.“

Und, wie bist du angekommen? Den Job gab es ja erstmal nicht.

Offenbar mochten die Leute mein Erscheinungsbild. Ich war jedenfalls sofort für kurze Zeit Ersatzmann in Herten, aber das Ensemble war zu dem Zeitpunkt so fest verwachsen und die finanziellen Mittel begrenzt, so dass ich zunächst kein festes Engagement bekam. Den Kontakt haben wir aber immer gehalten.

Wie ist deine Karriere seitdem verlaufen, und was hat dich letztlich doch in deine Heimatstadt zurückgeholt?

Von 2016 bis 2019 war ich im Startreff Follies Cabaret Köln und hatte auch in Nürnberg immer wieder Monatsengagements im Paradies Cabaret, aber die Nachtclub-Atmosphäre liegt mir nicht so. In Herten schätze ich die Theaterbühne. Das Kabarett ist mehr meins. Die Leute kommen nicht vorrangig her, um Party zu machen, sondern um Kunst sehen. Kunst, die nicht auf Kosten der Zuschauer geht und die uns am Herzen liegt.

Wie bist du denn überhaupt zur Travestie gekommen?

Die Idee entstand an einem Rosenmontag in Köln, wo ich zum ersten Mal im Fummel draußen war. Den ganzen Tingel-Tangel habe ich durch meine erste Beziehung kennen gelernt und erste Engagements als Bingo-Fee in Schwulenclubs angenommen. Das reichte mir aber nicht, also sang ich einschlägige Lieder und trat mit Karaoke auf privaten Feiern von Freunden auf. Der Durchbruch kam dann 2015 bei einem Talentwettbewerb im Pulverfass auf der Reeperbahn.

Ralf Kuta lobt neben deiner Stimme und deiner Erscheinung besonders deine Wandlungs- und Schminkkunst?

Als Regisseur ist er da sehr genau. Er vergleicht unsere Schminkkunst etwa mit Bauernmalerei, mit einer toten, weißen Wand, die wir zu schillerndem Leben erwecken wollen. Das muss man schon beherrschen. Ein Beispiel: Als Junge habe ich eher schlitzige, kleine Schweinsaugen. Das sieht man geschminkt dank einer gewissen Technik zum Glück nicht. Erlernt habe ich diese Technik in Köln bei meiner Visagistin Samantha. Aber angefangen habe ich mit Youtube-Videos. Wobei das anfänglich zum Teil aussah wie eingetretene Korbstühle.

Jetzt stemmst du an der Seite von Jeanny die Moderation und den Livegesang – wie kommst du im Ensemble klar?

Ich kenne das Team seit Jahren, auch privat. Und ich bin trotzdem noch hier.

INFO

Kürzlich ließ Prinzipal Christian Stratmann alle Gäste persönlich anrufen, die in den vergangenen Monaten vergeblich Tickets buchten oder Gutscheine einlösen wollten. Die Reaktion der Revuepalast-Fans sei überwältigend, sagt er: „Die Angerufenen freuen sich nicht nur darüber, dass wir endlich wieder da sind, sondern auch über den persönlichen Kontakt.“ Wer Karten haben möchte – Corona bedingt ist nur etwa die Hälfte aller Plätze buchbar – sollte sich also sputen. Tickets ab 18,90 Euro und Termine ab 3. September gibt es unter Tel. 02325-588 999 sowie im Internet unter www.revuepalast-ruhr.com

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