Neues Straßenschild in Marl Ehrung für den „bestgehassten Mann an Rhein und Ruhr“

Historiker Matthias Pothmann, Spender Jörg Marx und Uta Heinrich von der Marler Bürgerstiftung präsentieren das neue Legendenschild an der Otto-Hue-Straße in Marl.
Das neue Legendenschild präsentieren (v. l.) Historiker Matthias Pothmann, Spender Jörg Marx und Uta Heinrich von der Marler Bürgerstiftung. © Marler Bürgerstiftung
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Mit dem nächsten Legendenschild erinnert die Marler Bürgerstiftung an Otto Hue (1868-1922). Sein Einsatz für die Bergmänner und gegen die Industriebarone machten ihn einst zum „bestgehassten Mann an Rhein und Ruhr“. In Marl wurde die etwa einen Kilometer lange Strecke zwischen der Victoriastraße und dem Ovelheider Weg nach ihm benannt.

Bedeutender Bergarbeiterführer

An Jahnstadion und Ernst-Immel-Realschule vorbei verläuft die Otto-Hue-Straße quer durch Hüls direkt zu auf das ehemalige Bergwerk Auguste Victoria 1/2. Das passt, denn Otto Hue war ein bedeutender Bergarbeiterführer. Er starb von 100 Jahren.

Otto Hue wurde 1868 in Hörde (heute Dortmund) geboren. Er war gelernter Schlosser und betätigte sich früh gewerkschaftlich. Der Marler Historiker Matthias Pothmann berichtet: „Obwohl er nie im Bergbau gearbeitet hat, wurde der Kampf für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen der Kumpel zu seiner eigentlichen Berufung. Als Redakteur des Bergarbeiterverbands war Otto Hue um die Jahrhundertwende und danach das Sprachrohr tausender Arbeiter unter Tage.“

Der Bergarbeiterführer Otto Hue.
Otto Hue (1868-1922) war ein bedeutender Bergarbeiterführer. © Marler Bürgerstiftung

Bis zum Ende des Ruhrbergbaus 2018 galten die von Otto Hue formulierten Ziele wie eine moderne Betriebsführung oder die Mitbestimmung der Mitarbeiter als Antrieb gewerkschaftlicher Arbeit. „Dass seine Worte Gehör fanden, sieht man daran, welche politische Karriere Otto Hue gelang“, so Matthias Pothmann.

Als Reichstagsmitglied für Gelsenkirchen bekämpfte er zunächst in Berlin das damalige Drei-Klassen-Wahlrecht. Später wurde er Mitglied der Weimarer Nationalversammlung. Hue stieg als Bergbau- und Wirtschaftsexperte zum Reichskommissar für den rheinisch-westfälischen Kohlebergbau auf. In der von Armut geprägten Nachkriegszeit wurde er zu einer Schlüsselfigur für das Ruhrgebiet und die deutsche Wirtschaft. Wirtschaftsminister der Weimarer Republik wollte er aus gesundheitlichen Gründen aber nicht werden.

Einsatz für die Kumpel

Durch eine Spende ermöglichte der Marler Jörg Marx die neuen Legendenschilder. Er sagt: „Dass Gewerkschaften parteipolitisch unabhängig agieren und sich in erster Linie für die Interessen von uns Arbeitnehmern einsetzen sollen, war eine zentrale Forderung von Otto Hue – und dieser kann ich mich anschließen.“ Durch die Verdienste für die Kumpel habe Hue die Ehrung verdient.

Wie Matthias Pothmann erklärt, ist die Beziehung Otto Hues zu Marl fast unbekannt. Hue war mit dem Marler Gemeindevorsteher Guido Heiland bekannt. Heiland besuchte ihn 1921, um über die Kontakte des preußischen Abgeordneten Hue Geld für einen Schulneubau in Marl zu akquirieren. 1922 starb Otto Hue nach schwerer Krankheit. Zu seinem Begräbnis in Essen kamen tausende Menschen. Nach ihm wurde in Marl 1947 die frühere Blücherstraße benannt.