Der Kandidat ganz privat - mit Video

Von Marl nach Berlin? Wo sich Brian Nickholz zu Hause fühlt

Brian Nickholz (31) aus Marl geht als Bundestagskandidat für die SPD ins Rennen. Wir haben ihn und seine Frau Jaqueline zu Hause besucht und ein entspanntes Paar angetroffen.
Der SPD-Kandidat Brian Nickholz mit seiner Ehefrau Jaqueline im heimischen Wohnzimmer. © Meike Holz

Wenn der SPD-Bundestagskandidat für den Wahlkreis 122 (Marl, Herten, Haltern, Datteln und Oer-Erkenschwick) zu Hause in der Küche am Herd steht, geht die kulinarische Reise gerne nach Italien. Beim Fußball bleibt er lieber im Revier. Brian Nickholz macht kein Geheimnis daraus, für welchen Club sein Herz schlägt. Schwarz-gelbe Devotionalien sind in den Regalen im Wohnzimmer verteilt. Das „Wunder von Dortmund“ hat Brian Nickholz 2013 live miterlebt. Der BVB gewann damals noch gegen den spanischen Verein Malaga nach einer dramatischen Aufholjagd in der Verlängerung, als sein Aus in der Champions-League schon besiegelt schien.

Gerne beim BVB auf der Stadiontribüne

Ehefrau Jaqueline teilt die Liebe ihres Mannes zum Fußball und steht auch gern mal an seiner Seite auf der Tribüne im Stadion des BVB Dortmund. „Mein Vater hat mich schon mit ins Stadion genommen, als ich ein Kind war“, erzählt Brian Nickholz. Seitdem ist er immer wieder gern dabei, wenn es die Zeit erlaubt. Wegen Corona waren die beiden lange nicht mehr da – und vermissen die besondere Atmosphäre auf den Zuschauerrängen.

Auch in der Familie ist Fußball ein beliebtes Thema – allerdings gibt es unterschiedliche Geschmäcker bei den Vereinsfarben. Während Brian und Jaqueline auf Schwarz-Gelb schwören, ist die Mehrheit im Verwandten- und Bekanntenkreis bei den blau-weißen Schalkern zu Hause. Beides wird toleriert.

Was wird sein nach der Wahl? Brian und Jaqueline Nickholz schmieden Pläne. © Meike Holz © Meike Holz

Seit 28 Jahren in Marl zu Hause

Von seinen 31 Lebensjahren hat der gebürtige Gelsenkirchener Brian Nickholz 28 in Marl-Brassert verbracht. „Ich habe es nicht so mit dem Entwurzeln“, sagt der gelernte Industriekaufmann. Im Stadtteil Brassert fühlt er sich heimisch. Seine Kindheitserinnerungen: Im Freizeitpark spielte Brian Nickholz als Schüler mit seinen Kumpeln Fußball. „Ich hatte zwar Spaß am Kicken, habe aber bei diesem Sport auch maximale Talentfreiheit bewiesen“, sagt er schmunzelnd. Seiner Fußballbegeisterung tat das keinen Abbruch. Aus Spaß am Sport macht er auch heute manchmal immer noch mit. Daran ändern auch Blessuren wie ein gebrochener Arm nichts, den er sich auf dem Spielfeld schon zuzog.

Pfadfinder von Kindesbeinen an

Den größten Teil seiner Freizeit verbrachte Brian Nickholz schon als Jugendlicher jedoch lieber bei den Pfadfindern. „Mir ist es wichtig, dass sich Menschen gegenseitig respektieren“, sagt er über seine Motivation. Beim Marler Stamm der Ritter vom Loe zum Loe war er bis 2011 Gruppenleiter. Den Rittern ist er bis heute treu. „Ich gehöre da zu den ,alten Säcken‘. Jetzt schmeißen andere den Laden“, scherzt der 31-Jährige. Ihn stört es wenig, dass das Pfadfinder-Leben bei vielen als angestaubt gilt. „Ich bin aber immer wieder überrascht, welches Bild von den Pfadfindern herrscht.“ Was er bei den Pfadfindern gelernt hat, ist vor allem das: „Dinge durchzuziehen, die ich mir vorgenommen habe.“

Zu Hause in Marl-Brassert

Der 31-Jährige und seine Frau Jaqueline leben in Marl-Brassert. Ihr Eigenheim, das Elternhaus, haben sie mit Liebe zum Detail renoviert – und dabei mit einer Solaranlage auf dem Dach und einer Ladestation fürs E-Auto auf klimafreundliche Energie gesetzt. „Wir wollten nicht nur die Solartechnik, sondern unbedingt auch das Thema E-Mobilität in unseren Alltag integrieren“, sagt Brian Nickholz. „Jetzt tanken wir zu Hause und testen, welche Entfernung wir mit dem E-Auto schaffen, ohne nachzuladen.“ Noch ist ihr Bauprojekt nicht ganz vollendet, es fehlt die Zeit – besonders jetzt, wo es in die heiße Phase des Bundestagswahlkampfs geht, der wegen Corona lange Zeit nur auf Sparflamme laufen konnte.

SPD-Kandidat Brian Nickholz und Jaqueline Nickholz im Garten ihres Hauses. © Meike Holz © Meike Holz

Jetzt gibt es viele Fragen

Brian und Jaqueline Nickholz sind Marler durch und durch. Vor elfeinhalb Jahren haben sie sich hier auf einer Silvester-Party kennengelernt. Vor drei Jahren läuteten für die beiden in Marl die Hochzeitsglocken. Jetzt muss sich Frau Nickholz gerade daran gewöhnen, dass sie auf der Arbeit angesprochen wird, weil ihr Mann für den Bundestag kandidiert. „Das hat mich anfangs ganz schön überrascht“, erzählt sie. Die 28-Jährige ist als Gesundheits- und Krankenpflegerin in der Marler Paracelsus-Klinik beschäftigt. Ärzte, Kolleginnen und Kollegen aber auch Patientinnen und Patienten wollen von ihr wissen, ob sie wohl nach einem Wahlerfolg ihres Mannes mit nach Berlin ziehen wird. Das kommt für Jaqueline Nickholz aber erstmal nicht infrage. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, aus Marl wegzugehen, mein Lebensmittelpunkt ist hier.“ Ihr Mann wird also wie viele Abgeordnete zum Pendler, wenn er in den Bundestag gewählt wird. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht.

Wechseldienst und politische Arbeit

Als Ehepaar sind Jaqueline und Brian Nickholz schon lange darauf eingestellt, ihren gemeinsamen Alltag flexibel zu gestalten. Der Wechseldienst in der Paracelsus-Klinik fordert Tribut. Und die sparsam dosierte Freizeit wird zu einem großen Teil durch ehrenamtliche politische Arbeit bestimmt. Für Brian Nickholz als Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Rat geht der Beruf oft nahtlos in das lokalpolitische Amt als Stadtverbandsvorsitzender der Marler Sozialdemokraten über.

Bundestagswahl 2021: Portrait über SPD-Kandidat Brian Nickholz, hier mit seiner Ehefrau Jaqueline. © Meike Holz © Meike Holz

Seine Frau hat aus dieser Situation eine Tugend gemacht. Sie ist ebenfalls in der SPD aktiv, redet vor allem bei den Themen Soziales, Gesundheit, Kinder, Jugend und Familie mit. 2020 wurde sie zur stellvertretenden Vorsitzenden der Marler Jusos gewählt.

Dort begann vor 16 Jahren auch ihr Mann seine politische Laufbahn. Im Alter von 19 Jahren wurde er das jüngste Ratsmitglied in der Geschichte der Stadt Marl. Das hat nach ihm keiner mehr geschafft. Dass er als Vollblutpolitiker nun zu neuen Ufern strebt, trägt die junge Ehefrau jetzt trotz der Belastung gerne mit. „Am Ende kann man es sowie nur zusammen durchziehen“, sagt Brian Nickholz und Jaqueline stimmt zu.

Verzichten auf Familienleben

Worauf sie verzichten müssen, weil der Einsatz für die Politik gerade neben dem Beruf die wichtigste Rolle spielt? „Wir sind Onkel und Tante geworden und haben für den Nachwuchs gar keine Zeit“, bedauert Jaqueline. Das komplette Familienleben muss sich zurzeit der Politik unterordnen. Auch für Hobbys bleibt gerade kaum Zeit.

Darum setzen sie auf die Wintermonate, wenn es sie zum Skifahren in die Berge zieht, sofern Corona das dann auch erlaubt. Brian Nickholz geht diesem Sport schon seit der Kindheit nach und hat seine Frau mit dieser Leidenschaft schnell angesteckt. Unter anderem von den Reisen in Skigebiete stammt auch die Liebe zur österreichischen Küche, die Brian Nickholz gerne zu Hause selber ausprobiert. „Mittlerweile klappt es auch mit dem Backen ganz gut“, erzählt er. „Den Apfelstrudel kriege ich schon so gut hin, dass bis auf meinen Vater keiner mehr was zu meckern hat.“

Als Hobbykoch mit Leidenschaft am Herd

Beim Kochen herrscht im Hause Nickholz übrigens keine Gleichberechtigung. „Das Kochen erledigt mein Mann, ich koche überhaupt nicht“, stellt Jaqueline Nickholz nüchtern fest, um dann von seinen Künsten am Herd zu schwärmen. Und der Hobbykoch betont, wie gern er daheim am Herd steht, wenn er Zeit findet. Neben österreichischen Spezialitäten kommen dann vor allem italienische Gerichte auf den Tisch – ebenfalls eine gemeinsame Liebe des Ehepaars Nickholz.

Beide sind gespannt darauf, wie sich das Leben verändern wird, wenn Brian Nickholz in den Bundestag einzieht. Schon jetzt spürt der Kandidat, wie sehr er durch seine Bewerbung bereits in die Öffentlichkeit gerückt ist. Ehemalige Mitschüler und Menschen, von denen er Jahre nichts gehört hat, melden sich – und viele machen dem 31-Jährigen Mut.

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