Profis geben Tipps

Vor der ersten Radtour steht der Frühjahrs-Check an

Bevor es auf die erste Radtour geht, sollte der Drahtesel einem intensiven Frühjahrs-Check unterzogen werden. Dabei führt ein Teil die Pannenliste an.
Wer sein Fahrrad lange nicht benutzt hat, sollte es vor der ersten Tour gründlich durchchecken. So wie Marcus Schwacke, der hier die Kette ölt. © Michael Dittrich

„Ist der Reifen porös oder abgefahren, muss er gewechselt werden“, sagt Hanna Stemmermann, Inhaberin des Fahrradladens Hans-Georg Stemmermann (Bergstraße 13). Auch auf Risse oder Schnitte sollte der Reifen überprüft werden. Denn: Platte Reifen führen die Pannenliste an.

Wichtig sei auch der Reifendruck. „Alle vier Wochen sollte man Luft nachpumpen“, meint Ernst Müller, Inhaber vom Fahrradhaus Müller (Barkhausstraße 54). Ist der Luftdruck zu niedrig, gehen Mantel und Schlauch keine Verbindung ein. Der Schlauch kann scheuern, wird löchrig. Zwischen drei und vier Bar sollte der Luftdruck je nach Fahrradtyp liegen.

Unkaputtbare Reifen

Wobei es mittlerweile unplattbare Bereifung gibt. „Die hat einen höheren Druck und ist der sicherste Pannenschutz, den es derzeit auf den Markt gibt“, sagt Ernst Müller. Das hat seinen Preis: 30 bis 40 Euro und darüber kostet ein pannensicherer Pneu. Ein 08/15-Reifen geht schon bei zehn Euro los.

„Die Kette sollte geschmeidig sein“

Auch die Bremsen sollten überprüft werden, insbesondere die Bremsbeläge. Ansonsten könnte es bei Bergabfahrten gefährlich werden, wenn die Bremsen am Zweirad versagen. Wichtig sind Schaltung und Kette. „Wenn ich regelmäßig die Kette öle, setzt sie keinen Rost an“, sagt Ernst Müller. Hanna Stemmermann empfiehlt dazu vor allem Kettenspray und -fett. „Nähmaschinenöl geht aber auch. Die Kette sollte auf jeden Fall geschmeidig sein“, sagt Ernst Müller. Wichtig: Die Kettenspannung muss stimmen.

Ohne Licht geht es nicht

Damit man auch im Dunkeln fahren kann, sollte das Licht getestet werden. „Und die Glocke auch“, fügt Hanna Stemmermann hinzu. Schließlich sollen sich Radfahrer auch bemerkbar machen können, wenn sie beispielsweise auf einem kombinierten Rad-/Fußgängerweg fahren. Wer selbst keine Lust oder Zeit hat, sein Fahrrad zu überprüfen, darf es gerne zur Inspektion in den Fahrradhandel bringen. „Wir schauen nach jeder Schraube. Was ersetzt werden muss, wird dann ersetzt“, sagt Hanna Stemmermann.

Sonderfall E-Bikes

Ein Kapitel für sich sind E-Bikes. „Gerade die erste Inspektion ist wichtig. Generell sollten E-Bikes einmal im Jahr in die Werkstatt“, sagt Ernst Müller. Die Zweiräder werden dann an einen Computer angeschlossen, mit einem Diagnose-Programm – wie bei einem Auto. „Da kann man auch sehen, wie oft der Akku wie lange geladen wurde“, sagt Ernst Müller. Gerade bei diesen Fahrzeugen ist teilweise Spezialwerkzeug nötig.

Fahrrad-Verkehr steigt in der Pandemie-Zeit

Generell empfehlen die Fachhändler, vermehrt auf das Zweirad zu setzen. „In der Pandemie-Zeit ist der Fahrrad-Verkehr um 35 Prozent gestiegen“, sagt Ernst Müller. Ein positiver Nebeneffekt: Wer öfter das Fahrrad nutzt, wird fitter. Ein weiterer Vorteil sei, dass man sich nicht um Parkplätze kümmern muss. „Sechs Kilometer zum Marler Stern schaffe ich schneller als ein Autofahrer, der noch im Parkhaus parken muss“, fügt Ernst Müller hinzu.

Wenige Kunden in Marl-Hüls

Wie andere Einzelhändler auch kommen die Fahrrad-Läden mehr schlecht als recht durch die Corona-Pandemie. „Es ist sehr schwierig, Kunden dürfen ja nicht in den Laden. Die können dann kein Fahrrad ausprobieren. Wir haben schon deutlich weniger Kunden als vor den Einschränkungen, auf der Bergstraße sehe ich kaum noch Leute“, sagt Hanna Stemmermann. Sie will den Laden aber keinesfalls schließen, „weil ich den Kunden etwas bieten möchte“, wie sie sagt. Immerhin kann Ware telefonisch vorbestellt und dann an der Ladentür verkauft werden.

Was immer geht: Ein Fahrrad in die Werkstatt bringen, auch ohne vorherige Anmeldung – vielleicht zur Inspektion nach dem Winterschlaf …

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