Glück-auf-Schule

„Wir schicken kein Kind weg, dafür kämpfe ich“

Die Glück-auf-Schule platzt aus allen Nähten, auch weil Kinder aus Nachbarstädten kommen. Die Stadt Marl will jetzt die Verträge mit Herten und Haltern kündigen, um eine Lösung zu erzwingen.
Die Glück-auf-Schule an der Brassertstraße ist zurzeit deutlich überbelegt. © Meike Holz

Die Marler Glück-auf-Schule an der Brassertstraße hat einen glänzenden Ruf. Ihre Leistungen bei der Unterrichtung von Kindern mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung sind weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Nicht umsonst besuchen auch Kinder aus Haltern am See und Herten die Schule. Doch damit könnte bald Schluss sein. Die Stadt Marl ist fest entschlossen, entsprechende Verträge mit den beiden Städten zu kündigen. Auch für Marler Kinder mit geistiger Behinderung könnte das Konsequenzen haben.

Das Problem liegt auf der Hand: die Schule platzt aus allen Nähten „Offiziell dürfen wir 125 Schülerinnen und Schüler unterrichten, jetzt sind es knapp 170, das kann kein Dauerzustand sein“, sagt Schulleiterin Susanne Nastula. Der Schulträger, die Stadt Marl, hat lange versucht, im Gespräch mit den Nachbarstädten eine Lösung zu finden – vergeblich. Die Stadt Herten hat lange taktiert, wollte das Problem offenbar aussitzen. „Wir haben drei Jahre verhandelt, es hat nichts gebracht“, muss Schuldezernentin Claudia Schwidrik-Grebe im Schulausschuss feststellen: „Erst seit der Kündigungsdrohung bewegt sich was, die Kündigung der Verträge ist also notwendig, wenn wir zu einer Lösung kommen sollen.“

Seit Jahren sind der Kreis Recklinghausen und die betroffenen Städte im Gespräch. Eine Lösung könnte so aussehen, dass die Stadt Herten selber eine Förderschule baut oder ein vorhandenes Gebäude entsprechend umbaut. Haltern hat dafür zu wenig Kinder. Aber kann Herten das finanziell stemmen?

Keine Lösung zulasten der Kinder

Was Marl nach Angaben Schwidrik-Grebes finanziell jedenfalls nicht stemmen kann, ist ein Erweiterungsbau an der Brassertstraße, So wird der Schwarze Peter hin- und hergeschoben. Aber was passiert künftig mit den Kindern?

Der Marler Schulausschuss hat fraktionsübergreifend deutlich gemacht, dass die politische Suche nach einer einvernehmlichen Lösung niemals auf dem Rücken der betroffenen Schülerinnen und Schüler ausgetragen werden darf. Laut geänderter Beschlussvorlage dürfte auch der Rat die Verwaltung anweisen, die Kündigung der Verträge zum 31. Dezember 2021 mit weiteren Verhandlungen zu verbinden. Die dreijährige Kündigungsfrist böte da genügend Zeitraum, auch um dafür zu sorgen, dass Eltern, die nahe der Stadtgrenze wohnen, ihre Kinder weiter in eine Nachbarstadt zur Förderschule schicken können.

Für Susanne Nastula wäre ein Neubau in Herten eine große Hilfe. Eines ist für sie aber ganz klar: „Wir schicken niemanden weg. Jedes Kind, das jetzt an unserer Schule ist, wird bis zum Abschluss hier unterrichtet.“ Und: „Alle Marler Kinder können weiter hier beschult werden, dafür kämpfe ich!“

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