Knappenstraße in Oer-Erkenschwick - mit Video

Als Leuchtturmprojekt geplant – das ist aus dem Bunker geworden

Statt Erlebnisgastronomie auf dem Dach und einem Self-Storage-Center ist aus dem Bunker an der Knappenstraße eine wilde Müllkippe geworden. Schon seit 2014 ruht die Baustelle.
Wildkraut wuchert um den Bunker an der Knappenstraße. Außerdem wird die ruhende Baustelle als wilde Müllkippe genutzt. © Martin Pyplatz

Eigentlich sollte auf dem Dach des Hochbunkers an der Knappenstraße ein Erlebnis-Restaurant gebaut werden und im Inneren ein Lager mit 120 Mietboxen auf drei Etagen entstehen. Seit mehr als sieben Jahren tut sich allerdings nichts mehr an dem Betonrelikt aus dem Zweiten Weltkrieg. Bis auf den Müll, der sich dort ansammelt. Anwohner beschweren sich in schöner Regelmäßigkeit bei der Stadt über den Schandfleck. „Uns ist das Problem durchaus bekannt. Das Ordnungsamt hat den Eigentümer bereits aufgefordert, den Müll zu beseitigen. Aber wir müssen ihm dafür eine gewisse Vorlaufzeit einräumen“, sagt Stadtsprecher Peter Raudszus.

Investor aus Süddeutschland ersteigerte den Bunker für 20.000 Euro

Längst eingeräumt sein sollten auch die so gut wie fertiggestellten Lagerboxen im Bunker. Es fehlen eigentlich nur noch die Aufzüge, um schwere Gegenstände ins Bunker-Innere zu befördern. Ein Unternehmer aus Süddeutschland hatte den Betonklotz an der Knappenstraße 2004 gekauft. Er konnte den Bunker bei einer Versteigerung durch die Deutsche Grundstücksauktions AG für das Mindestgebot von 20.000 Euro samt Grundstück erwerben.

Ursprünglich waren Penthouse-Wohnungen auf dem Dach geplant

Erstmal tat sich nichts an der Knappenstraße. Im März 2009 rollten dann die Bagger an. Zweimal übte die Feuerwehr im Jahr 2009 auf dem Bunkerdach. Dort wollte Marc Enders, Geschäftsführer der Enders Engineering GmbH in Oberleichtersbach, ursprünglich Penthouse-Wohnungen bauen. Lange tat sich aber nichts mehr auf der Baustelle. Und die Penthouse-Pläne waren im Februar 2011 endgültig vom Tisch. Aus wirtschaftlichen Gründen – es fanden sich nicht genügend Kaufinteressenten.

Stattdessen präsentierte Enders neue Pläne. Auf dem Bunkerdach sollte ein Erlebnisrestaurant im spanisch-mexikanischen Stil mit Grill und Außenrestauration entstehen. Im Juni 2011 gab es die Baugenehmigung von der Stadt für Gastronomie und die Self-Storage-Zeile. Wegen Insolvenz der Baufirma tat sich trotzdem erstmal nichts auf der Bunkerbaustelle. Erst im Dezember 2011 ging es mit einer neuen Baufirma weiter.

Das Leuchtturmprojekt sollte schon bis Ende 2012 verwirklicht werden

Das Restaurant sollte ein Satteldach bekommen. Und die Gäste einen wunderbaren Ausblick nach Süden. Als Einzugsbereich für das Bunker-Restaurant rechnete der Architekt mit dem kompletten nördlichen Ruhrgebiet. Ende des Jahres 2012 sollte dieses Leuchtturmprojekt mit dekorativem Außenfahrstuhl fertig sein. Die Lagerräume, in denen man auch wertvolle Dinge „bombensicher“ unterbringen könnte, sollten noch früher zur Verfügung stehen.

Der Investor hatte seine Rechnung aber ohne die Anlieger gemacht. Sie stoppten mit einer Klage gegen die Baugenehmigung das Bunker-Projekt an der Knappenstraße. Zumindest was die Pläne für den Bau einer Erlebnis-Gastronomie auf dem Dach des Betonklotzes angeht. Das Gericht entschied im September 2012, dass der Investor ein Lärmschutzgutachten vorlegen muss.

Investor hat noch Pläne mit dem Bunker in Oer-Erkenschwick

Der Investor legte die Pläne für die Bunkergastronomie auf Eis. Der Bau des Self-Storage-Centers hingegen lief weiter. Mit einer riesigen Diamant-Säge wurden schon im Januar 2012 tonnenschwere Betonblöcke aus der Bunkerwand gesägt. Der Bunker bekam an der Längsseite vier große Fenster und an der Stirnseite zur Stimbergstraße drei Eingänge. Eine Zeit lang tat sich wieder nichts auf der Baustelle. Im November 2013 erhielt der Bunker allerdings eine neue Außenfassade mit Dämmplatten aus Styropor, damit es innen nicht feucht wird.

Seitdem ruht das Projekt. Ganz aufgegeben hat Marc Enders seine Investition am Stimberg offenbar noch nicht: „Es gibt Pläne.“ Details wollte er aber noch nicht nennen.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

Täglich um 18:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.