Unfallatlas NRW

An sechs Orten kracht es häufiger in Oer-Erkenschwick

Die Landesstatistiker haben den Unfallatlas NRW veröffentlicht. Gottlob ist für Oer-Erkenschwick keine ganz dramatische Ecke gelistet. Dass es aber mancherorts öfter kracht, wird auch klar.
Auch der Unfall, der sich im September 2020 an der Straße „An der Aue“ in Oer-Erkenschwick ereignete und bei dem eine 69-jährige Pkw-Fahrerin aus Recklinghausen verletzt wurde, ist in die Unfallatlas-Statistik eingeflossen. © Jörg Müller (Archiv)

Es gibt keine gelbe Linie in Oer-Erkenschwick, und das ist eine gute Nachricht. Ohne Kontext macht dieser Satz natürlich keinen Sinn. Aber: Gelbe Linien kennzeichnen im sogenannten Unfallatlas der Landes-Statistikbehörde IT.NRW solche Stellen, an denen sich innerhalb eines Jahres vier bis sechs Unfälle mit Personenschaden ereignet haben. Das „Schlimmste“, was sich in der Statistik für die Stimbergstadt für das Jahr 2020 findet, sind hellblaue Linien – für solche Straßenabschnitte, auf denen sich zwei oder drei Unfälle mit Verletzten zutrugen. Sechs solcher Orte sind auf der IT.NRW-Karte des Unfallatlas für die OE zu finden. Die Kreuzung Buschstraße/Klein-Erkenschwicker-Straße gehört dazu, aber auch die Schillerstraße westlich der Aral-Tankstelle, die Ewaldstraße kurz vor dem Kreisel an der „Neuen Mitte“ und der Bereich um den Kreisverkehr am Berliner Platz.

Keine rote Linie in OE

Mit einer roten Linie kennzeichnet IT.NRW Stellen, an denen elf bis 20 Unfälle mit Personenschaden passierten. Solche Orte finden sich allerdings im ganzen Kreis RE nicht; und selbst um einen orangefarbenen Bereich (sieben bis zehn Unfälle mit Verletzten) zu finden, muss man bis zur B1 in Dortmund oder bis zur Castroper Straße in der Nähe des Bochumer VfL-Stadions schauen – glücklicherweise, muss man sagen. Noch eine gute Nachricht zeigt der 2020er-Unfallatlas für die Stimbergstadt: Wenn man die Unfälle filtert nach solchen Vorkommnissen, bei denen Menschen getötet wurden, gibt es keinen einzigen Punkt auf der Karte, und zwar weder für die Statistik aus dem Jahr 2020 noch aus 2019.

Es lebt sich vergleichsweise sicher am Stimberg

Außerdem lebt es sich – immer natürlich vorausgeschickt, dass jeder Unfall, jeder Verletzte einer zu viel ist – am Stimberg vergleichsweise sicher, haben die IT.NRW-Statistiker mit Zahlen untermauert. Bei 2,6 lag die Unfallhäufigkeit, sprich so viele Unfälle – mit und ohne Personenschaden – ereigneten sich pro 1000 Einwohner. Besser schneidet im Kreis RE für 2020 nur Waltrop ab (2,0); der Kreisschnitt liegt bei 3,5. Oer-Erkenschwick rangiert landesweit auf Platz 366 von 396. Trauriger Spitzenreiter ist in dieser Hinsicht die Stadt Heimbach im Kreis Düren – ein Luftkurort und beliebtes Ausflugsziel in der Eifel – mit im Schnitt 9,3 Unfällen pro 1000 Einwohner. Nieheim im Kreis Höxter schneidet NRW-weit am besten ab: Dort liegt die hochgerechnete Unfallzahl pro 1000 Einwohner bei nur 1,7.

Blickt man auf das Jahr 2019, so lag Oer-Erkenschwicks Unfallhäufigkeit bei 3,1 und damit etwas höher als im vergangenen Jahr. Da ist offenbar die Corona-Pandemie mit „einzurechnen“, in der generell weniger Menschen auf den Straßen unterwegs waren. Während vor der Pandemie (2019) insgesamt 103 Menschen bei Unfällen in OE verunglückten, waren es im Corona-Jahr 2020 nur 74, also gut ein Viertel weniger. Und während 2019 noch 28 Personen schwer verletzt wurden, waren es 2020 nur noch 19.

Drei Fahrrad-Unfälle im Jahr 2019 an der Ewaldstraße

Eine „rote Linie“ findet sich aber doch im Unfallatlas, und zwar, wenn man sich die Unfälle, an denen Radfahrer beteiligt waren, anzeigen lässt. Allerdings muss man dazu bis ins Jahr 2019 zurückschauen, und in diesem Falle gilt die rote Markierung schon ab drei Unfällen im Berichtszeitraum: An der Ewaldstraße zwischen der Einmündung Marktstraße und dem Kreisverkehr Berliner Platz trugen sich im vorvergangenen Jahr drei Unfälle mit Rad-Beteiligung zu.

Wie lässt sich nun der Unfallatlas mit den Zahlen vergleichen, die die Polizeibehörde Recklinghausen veröffentlicht? In zweierlei Hinsicht können sich leichte Unterschiede ergeben: Zum einen, so teilt es Leo Krüll, Sprecher von IT.NRW mit, würden für die Statistik aus seinem Hause auch die Unfälle, die sich auf Autobahnen ereignen, gezählt. Verunglücken also Personen auf dem Stück Autobahn, das durch die jeweilige Stadt führt, dann flössen diese Verletzten oder im schlimmsten Falle Todesopfer in die IT.NRW-Statistik zusätzlich ein.

Plausibilisierungs-Anforderungen bei IT.NRW

Und dann ist da noch das, was IT.NRW „Plausibilisierungs-Anforderungen“ nennt: Basis des Unfallatlas‘ sind die Meldungen der Polizei. Aber Straßen.NRW verwendet nur die Daten, wo sich ein Unfallort genau zuordnen lässt. „Stimbergstraße Höhe Hausnummer 20“ wäre beispielsweise genau genug. Zum Teil bekämen sie ihre Daten von der Polizei bereits mit den genauen Geo-Koordinaten, so der Behördensprecher weiter. Aber nicht alle Polizei-Dienststellen seien schon mit entsprechenden Geräten ausgestattet. Und wenn die Angabe zum Unfallort nicht exakt genug ist, so wird der betreffende Unfall aus der Landes-Statistik entfernt. Für das Jahr 2020 decken sich indes die Zahlen von IT.NRW und vom Polizeipräsidium RE, was Unfälle mit Personenschaden angeht: Beide listen 60 Unfälle auf.

Info

Geo-Koordinaten

Wie funktioniert das mit den Geo-Koordinaten bei der für OE zuständigen Polizei des Präsidiums Recklinghausen? Sprecherin Corinna Kutschke erklärt, dass zurzeit entsprechende Funktionen auf den Mobiltelefonen der Kollegen in der Probephase sind.

Anders ist es, wenn es sich um meldepflichtige Unfälle handelt, die in den polizeilichen Systemen erfasst werden. Das ist immer dann der Fall, wenn es sich um mehr als einen Bagatellunfall handelt, also ein Bußgeld oder ein Strafverfahren folgt. Bei „größeren Sachen“ würden dann bei der Erfassung am Computer automatisch immer auch die Geo-Koordinaten eingefügt, so Corinna Kutschke. Diese Geo-Daten seien allerdings zurzeit noch nicht in allen Fällen zu 100 Prozent zutreffend, was unter anderem auch an der Kompatibilität verschiedener Systeme liege, so Corinna Kutschke. Häufig werde dann aber in der Unfallbeschreibung erläuternd dazu geschrieben, an welcher Stelle genau sich der Unfall zugetragen hat.

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