Amtsgericht Recklinghausen

Automat aufgebrochen: Angeklagter schweigt vor Gericht

Vor rund anderthalb Jahren soll ein Mann aus Oer-Erkenschwick versucht haben, in der Spielhalle am Berliner Platz einen Automaten aufzubrechen. Im Prozess hüllt er sich in Schweigen.
Das Amtsgericht in Recklinghausen: Hier muss sich der Oer-Erkenschwicker den Vorwürfen stellen. © Jörn Hartwich

Der Gerichtssaal wurde komplett abgedunkelt, die Qualität des Überwachungsvideos wurde trotzdem nicht besser: Vor rund anderthalb Jahren soll ein Mann aus Oer-Erkenschwick versucht haben, einen Automaten in der Spielhalle am Berliner Platz aufzubrechen. Am Mittwoch musste sich der 51-Jährige in Recklinghausen vor Gericht verantworten. Zu den Vorwürfen hat er geschwiegen.

Es war im Oktober 2019, spät in der Nacht. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass sich der Angeklagte damals mit einem Hebelwerkzeug und mit Brachialgewalt an einem der Automaten zu schaffen gemacht hat. Angeblich wollte er ihn aufhebeln, was aber wohl nicht gelang. Der Sachschaden war trotzdem beträchtlich. Laut Anklage belief er sich auf rund 5000 Euro.

Spielhallenaufsicht auch angeklagt

Die ebenfalls angeklagte Spielhallenaufsicht – eine Frau aus Dorsten – soll ihn gedeckt und teilweise sogar tatenlos daneben gestanden haben. Auch sie will sich zu jenem Abend nicht äußern. Verteidiger Norbert Drees erklärte lediglich, dass sie die Vorwürfe bestreite.

Hauptbeweisstück sind damit die Aufzeichnungen der Überwachungskamera, die von der Richterin im Prozess vorgespielt wurden. Darauf sind die Spielhallenaufsicht und auch ein Mann zu sehen. Ob es sich dabei um den angeklagten Oer-Erkenschwicker handelt, ist allerdings unklar. Deshalb soll nun wohl erstmal ein Identifizierungs-Gutachten eingeholt werden. Und auch der Besitzer der Spielhalle wird eine Zeugenladung bekommen. Er hatte angeblich den entscheidenden Hinweis auf den Angeklagten gegeben.

Freundin gewürgt und geschlagen?

Für den 51-Jährigen geht es im Prozess allerdings um noch viel mehr. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm außerdem vor, seine Ex-Freundin mit einem Gummiknüppel geschlagen, gewürgt und mit dem Tode bedroht zu haben. Dazu soll es auch eine Mailbox-Nachricht geben.

All das hat seine frühere Partnerin bei ihrer Zeugenvernehmung bereits bestätigt. Sie war damals gleich am nächsten Tag zum Arzt und zur Polizei gegangen. Es gibt Fotos von blauen Flecken auf ihren Armen. Selbst auf dem Gerichtsflur wollte sie während einer kurzen Pause nicht alleine mit dem Angeklagten warten. „Ich habe Angst vor ihm“, sagte sie der Richterin.

Erst später fremdgegangen

Der Anlass des angeblichen Gewaltausbruchs war offenbar eine Beziehungskrise. „Er hat mir vorgeworfen, dass ich fremdgegangen sei“, sagte die Zeugin der Richterin. Das habe sie jedoch nicht getan. „Ich bin erst drei Tage später fremdgegangen.“

Weil bei der Befragung durch Verteidiger Burkhard Benecken jedoch immer mehr Unklarheiten auftauchten, will das Gericht nun weitere Zeugen laden.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

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