Bergbaumuseum

Azubis erlernen ihr Handwerk da, wo einst die Kumpel malochten

Vier Auszubildende können schon jetzt stolz sein, auf das, was sie geschaffen haben. Ihr Werk ist am Bergbaumuseum zu bestaunen. Etwas Feinschliff ist noch nötig.
Die Fassade im Hintergrund ist schon gedämmt: Darüber freuen sich (v.l.) Bürgermeister Carsten Wewers, die Auszubildenden Chihad Adali, Nadine Jeremies, Ausbilder Marius Krysinski, Leon Seelmeyer, Melih Aksoy, Markus Pliska (Bergbau- und Geschichtsvereins) sowie Sabine Wolter (RHZ-Geschäftsführerin). © Erwin Kitscha

Es ist eine klassische Win-Win-Situation. Auszubildende des Wohnungsbau-unternehmens Vivawest haben auf der Baustelle am Oer-Erkenschwicker Bergbaumuseum schon eine Menge für ihren Beruf gelernt. Die Aktiven des Bergbau- und Geschichtsvereins freuen sich über eine aufgemöbelte Fassade. Und die Stadt Oer-Erkenschwick begrüßt das Engagement für einen der Anziehungspunkte der Stimbergstadt für Besucher und Interessierte.

Azubis erlernen das Maler- und Lackierer-Handwerk

Nadine Jeremies, Melih Aksoy, Leon Seelmeyer und Cihad Adali sind unter der Woche schon fleißig gewesen. Die vier Auszubildenden erlernen das Maler- und Lackierer-Handwerk. Beschäftigt sind sie beim RHZ Handwerks-Zentrum. Eine Dienstleistungen-Gruppe, die im Unternehmen Vivawest Instandhaltungs- und Modernisierungsarbeiten ausführt. Jetzt konnten die Auszubildenden im Rahmen ihrer Ausbildung dort arbeiten, wo einst die Kumpel in Oer-Erkenschwick malochten.

Auf dem Gelände des früheren Bergwerks Ewald-Fortsetzung setzt das junge Quartett die Fassade eines Gebäudeteils des Bergbaumuseums instand. Dort, wo sich die Eingangstür zur originalgetreu hergerichteten Bergmannswohnung im Stil der 1950er-Jahre befindet, wird demnächst die Fassade in neuem Glanz erstrahlen. Grundieren, Dämmmaterial anbringen, Malerarbeiten… die vier Auszubildenden hängen sich voll rein, damit die Fassade am Ende tipptopp runderneuert ist.

Rund zwei Wochen dauert es noch, bis die Arbeiten erledigt sein werden. Hat die bisherige Arbeit am Bergbaumuseum denn auch Spaß gemacht? Die vier jungen Leute lächeln und nicken zustimmend. „Das macht wirklich Spaß“, sagt Cihad Adali, Auszubildender im ersten Lehrjahr. „Hier zu arbeiten ist mal was anderes.“ „Die Dämmung am Dach war etwas schwierig“, erzählt Nadine Jeremies, die im dritten Lehrjahr ist und kurz vor der Abschlussprüfung steht. Ihre Kollegen Melih Aksoy und Leon Seelmeyer sind gerade im zweiten Lehrjahr. Wenn mal etwas nicht sofort klappt, hilft RHZ-Ausbilder Marius Krysinski und gibt Tipps. „Die Wand wurde mit Quarzgrund grundiert. Dann haben wir die Dämmplatten verklebt“, erläutert Marius Krysinski. Maler- und Lackierarbeiten folgen noch.

Ausbildungsprojekte auf dem alten Zechengelände

„Wir als Bergbau- und Geschichtsverein haben schon eine längere Beziehung zur Vivawest-Dienstleistung“, erläutert Markus Pliska, Vorsitzender des Bergbau- und Geschichtsvereins in Oer-Erkenschwick. „Irgendwann kam die Idee auf, hier Ausbildungsprojekte durchzuführen.“ Der Bergbauverein ist immer auf tatkräftige Helferinnen und Helfer angewiesen, um die Oer-Erkenschwicker Bergbau-Geschichte für zukünftige Generationen zu bewahren. Alles läuft über die Ehrenamtsschiene. Markus Pliska: „Wir sind sehr froh, dass uns die Vivawest-Dienstleistung mit diesem Projekt unterstützt.“ „Wir haben eine alte Verbundenheit aus unserer Historie heraus“, sagt RHZ-Geschäftsführerin Sabine Wolter. „Wir haben unsere Wurzeln sozusagen im Bergbau. Bereiche der Ruhrkohle AG sind zu uns übergegangen.“ Projekte wie das in Oer-Erkenschwick brächten die Qualität der Ausbildung nach vorne. Bürgermeister Carsten Wewers fand ebenfalls lobende Worte: „Ich bin ein großer Freund von Gemeinschaftsprojekten. Der Bergbau- und Geschichtsverein leistet hier ehrenamtlich eine tolle Arbeit. Wir freuen uns auch, dass Vivawest den Verein bei der Unterhaltung der Gebäude unterstützt. Es ist für die Ausbildung und alle Beteiligten eine gute Sache.“

  • Die Bergbau-Geschichte in Oer-Erkenschwick begann 1899 mit dem Bau des Förderschachtes an der Ewaldstraße.
  • Das Bergwerk Ewald-Fortsetzung hat dann 1903 mit der Steinkohleförderung begonnen.
  • 1977 bis 1981 wurde der Schacht An der Haard 1 abgeteuft, der heute nicht mehr existiert und bereits abgerissen worden ist.
  • Das Bergbau-Ende in O-E wurde 1992 mit der Zusammenlegung des Oer-Erkenschwicker Bergwerks mit der Recklinghäuser Zeche General Blumenthal eingeläutet. Diese Verbundzeche ging 2001 mit dem Marler Pütt Auguste Victoria zusammen und wurde 2015 geschlossen.
  • Seit knapp 20 Jahren erinnert der Bergbau- und Geschichtsverein um Markus Pliska an die Pütt-Vergangenheit.

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