Auf dem städtischen Waldfriedhof

Beisetzungen werden in Oer-Erkenschwick teurer – das ist der Grund

Das Leben ist schon teuer genug, jetzt hebt die Stadt Oer-Erkenschwick auch noch die Gebühren für Beisetzungen auf dem Waldfriedhof an. Aber wenigstens die Trauerhalle wird preiswerter.
Die Gebühren für Beisetzungen auf dem Waldfriedhof werden angehoben. © Jörg Gutzeit

Das Leben ist schon teuer genug, jetzt hebt die Stadt Oer-Erkenschwick auch noch die Gebühren für Beisetzungen auf dem Waldfriedhof an – in einigen Bereichen sogar sehr deutlich. Hintergrund ist eine neue Gebührenbedarfsberechnung, die nicht von der Stadtverwaltung selbst durchgeführt worden ist, sondern von einem externen Fachbüro, das sich auf Friedhöfe spezialisiert hat. Unter anderem diese Berechnung und die daraus resultierende Gebührensatzung werden von der Kommunalpolitik während der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am Montag, 28. Juni, in der Stadthalle diskutiert und wohl auch beschlossen.

Stadt Oer-Erkenschwick hat zu niedrige Gebühren kassiert

Ergebnis der Untersuchungen durch das Unternehmen „PlanRat“ ist, dass die Stadt Oer-Erkenschwick in den Jahren 2018 bis 2020 zu niedrige Gebühren erhoben hat. Dazu muss man wissen, dass die Stadt Gebühren kostendeckend erheben muss. Eventuell anfallende „Überschüsse“ müssen in den Folgejahren „gutgeschrieben“ werden und zu Gebührensenkungen führen. Fehlbeträge werden zwar nicht nachberechnet, führen aber in Folgejahren zu Gebührenanhebungen.

Aber es gibt in Oer-Erkenschwick auch Gebühren-Überschüsse

So hat das Unternehmen „PlanRat“ festgestellt, dass im Kostenbereich „Friedhofsanlage/Grabnutzung“ in den drei untersuchten Jahren ein Minus von 107.000 Euro aufgelaufen ist. Rund ein Drittel davon soll durch Gebührenanhebungen in 2021 und 2022 wieder „hereingeholt“ werden. Anders sieht es im Bereich „Beisetzungen“ aus. Hier gibt es 2018 ein Minus von 13.200 Euro, in den beiden Folgejahren aber ein Plus von rund 15.500 Euro. Das wirkt sich gebührenmindernd aus. Genau so ist das auch bei der Nutzung der Trauerhalle. Hier wurden gut 28.000 Euro zu viel eingenommen, was zu einer Gebührensenkung führt.

Private Beisetzungs-Konkurrenz wird für Oer-Erkenschwick größer

„Hinzu kommt, dass wir uns als Stadt Oer-Erkenschwick auch in Sachen Friedhof und Bestattungen immer mehr einer privaten Konkurrenz ausgesetzt sehen. Wir reagieren darauf, indem wir den Waldfriedhof beispielsweise durch das Erneuern der Wege attraktiver gemacht und neue Bestattungsformen eingeführt haben. Grundsätzlich ist es dabei so, dass der finanzielle Aufwand für die Stadt gleich bleibt beziehungsweise steigt, die Zahl der Beisetzungen aber rückläufig ist“, erläutert der städtische Fachdienstleiter Michael Grzeskowiak.

Stadt Oer-Erkenschwick will künftig wieder selber aktiv werden

Das Einschalten eines Fachbüros für die Gebührenkalkulation soll übrigens die Ausnahme bleiben. „Aufgrund von Personalübergängen in der Vergangenheit hatten wir in diesem Bereich Arbeit nachzuholen. Wir werden das in Zukunft wieder selber machen“, kündigt Michael Grzeskowiak an. Und er hat für die Angehörigen, deren Verstorbene auf dem Waldfriedhof begraben sind, noch eine hilfreiche Nachricht parat.

Nutzer werden von der Stadt Oer-Erkenschwick angeschrieben

„Wir wollen die Friedhofssatzung auch dahingehend ändern, dass die Angehörigen von der Stadt Oer-Erkenschwick angeschrieben werden, wenn die vereinbarte Nutzungszeit abläuft. Dann haben sie drei Monate Zeit, die Grabstelle zu räumen. Wir wissen darum, dass uns die Suche nach Angehörigen im Einzelfall viel Arbeit machen kann. Aber wir wollen möglichen Ärger mit Angehörigen, wenn von der Stadt eine Grabstelle geräumt wird, möglich verhindert. Schließlich sind die Themen Friedhof und Beisetzungen Bereiche, mit denen wir sehr sensibel umgehen wollen“, sagt Grzeskowiak.

Erste Beisetzung am 17. Juli 1915

  • Jährlich werden auf dem städtischen Waldfriedhof etwa 300 Verstorbene beigesetzt.
  • Möglich ist das in Einzel- und Gemeinschaftsgräbern und in Urnen. Erd- und Urnenbestattungen sind anonym möglich ebenso Baumbestattungen oder Beisetzungen an einem Findling.
  • Auf dem Waldfriedhof gibt es ein Gedenkfeld für die Opfer des Explosionsunglücks im Stickstoffwerk. 1942 starben dabei 15 Menschen.
  • Erst vor wenigen Monaten wurden mit 120 000 Euro von der Bezirksregierung die Kriegsgräber saniert.
  • Auf dem Gelände am Rande der Haard sind 31 deutsche Soldaten, 59 zivile Weltkriegsopfer, zwölf polnische und 121 sowjetische Kriegs-Verstorbene beigesetzt.

Der Abend in Oer-Erkenschwick

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