Gut 70 demonstrieren mit -mit Video

Bürgerprotest in Oer-Erkenschwick – das steckt dahinter

Gut 70 Bürger aus Oer-Erkenschwick und der Umgebung haben am Samstagnachmittag gegen die Gewächshauspläne auf der Zechenbrache demonstriert.
Gut 70 Personen beteiligten sich an der Demonstration vom Rathaus in Oer-Erkenschwick über die Stimberg-, die Von-Waldthausen- und die Klein-Erkenschwicker-Straße hinauf auf die Halde. © Jörg Müller

Demonstrationen haben in Oer-Erkenschwick eher Seltenheitswert. Bis auf den 1. Mai, wenn der DGB zur traditionellen Maidemo der Gewerkschaften aufruft. Diesmal war es die Bürgerinitiative Ewald-Fortsetzung (BIEF), die zur Kundgebung und zur Demonstration aufgerufen hatte. Gut 70 Menschen waren diesem Aufruf gefolgt.

Björn Kurzke aus Oer-Erkenschwick macht gegen die Pläne mobil

Initiator war der Oer-Erkenschwicker Björn Kurzke, der bereits seit Monaten gegen die Gewächshaus-Pläne der Essener Fakt AG um den Marler Hubert Schulte-Kemper mobil macht. Die Fakt AG will in großen Gewächshäuser auf der Zechenbrache unter Nutzung von Kokos-Substrat, Hummelbestäubung und Regenwasser in großen Gewächshäuser unter anderem Tomaten züchten und die regional vermarkten. Rund 100 Arbeitsplätze sollen entstehen, was die Stadt Oer-Erkenschwick besonders begrüßt. Der Bürgermeister hatte erst vor wenigen Tagen darauf verwiesen, dass die Fakt AG im Zuge des Bauantragverfahrens mehrere Umweltgutachten vorlegen muss, die dann von verschiedenen Behörden geprüft werden. Anschließend würde die Stadt nach Recht und Gesetz über einen Bauantrag entscheiden, der derzeit aber noch nicht vorliegt.

BIEF will das Gewächshaus-Projekt in Oer-Erkenschwick stoppen

BIEF-Initiator Björn Kurzke hielt am Samstag dagegen, dass es sich eben nicht um eine Brachfläche handelt. „Auf den 26 Hektar Fläche, die der Investor künftig nutzen möchte, leben zahlreiche Tiere, und das Gelände wird auch von vielen Menschen genutzt. Wir sollten froh sein, dass wir in dem Bereich die Zechenindustrie los sind und jetzt ein Erholungsgebiet haben. Unser klar definiertes Ziel ist es, das Gewächshaus-Projekt zu stoppen und vor allem das Areal zukünftig für Tiere und die Bürger zu erhalten.“ Nach seiner Auffassung sind im Zusammenhang mit dem Projekt noch viele Fragen unbeantwortet. „Was ist beispielsweise mit Vogelschlag an den Glaswänden der Gewächshausbauten? Was ist mit der Lichtverschmutzung? Und die zentrale Frage ist: Weshalb soll das Projekt unbedingt an dieser Stelle mitten in der Stadt realisiert werden?“, fragt Kurzke. Unterstützt wird Kurzke in seiner Haltung vom Grünen-Bundestagskandidaten im Wahlkreis Recklinghausen II (Marl, Herten, Datteln, Haltern und Oer-Erkenschwick), Robin Conrad. „Die Idee an sich ist vielleicht umsetzbar, aber nicht an dem jetzt geplanten Ort. Denn dort ist sie weder ökologisch, noch sozial und auch nicht ökonomisch nachhaltig“, meint der 24-jährige Student aus Oer-Erkenschwick.

Vor dem Rathaus in Oer-Erkenschwick erläuterte Initiator Björn Kurzke die Ziele der Bürgerinitiative Ewald-Fortsetzung (BIEF). © Jörg Müller © Jörg Müller

Sandra Galuba aus Oer-Erkenschwick wendet sich gegen Profitgier

Mit Unverständnis reagieren auch Sandra Galuba und ihre Mutter aus Oer-Erkenschwick. Sie weisen mit einem selbst gefertigten Plakat auf das Töten von 100.000 Schweinen in der Woche durch Westfleisch und jetzt auf die mögliche Vernichtung von Naturbereichen hin. „Dahinter steckt reine Profitgier und dagegen lehnen wir uns auf“, meint Sandra Galuba. Manfred Czwalinna und Gattin Doris aus Herne, die bei den Besuchen ihrer Tochter in Oer-Erkenschwick über die Zechenbrache spazieren, geht es vor allem um die Größe des Vorhabens. „Da wird eine Grenze überschritten“, meint Manfred Czwalinna.

Gradierwerk in Oer-Erkenschwick sei ein „Einkaufsversuch“

Das jüngst vom Oer-Erkenschwicker Bürger Karl-Heinz Feyerabend vorgeschlagene Gradierwerk zur Luftverbesserung und -kühlung auf dem ehemaligen Zechengelände hält Björn Kurzke prinzipiell für gut. „Aber dass die Fakt AG sofort auf diese Idee anspringt, zeigt doch, dass man auf diesem Weg versucht, die Bürger einzukaufen. Ein Gradierwerk wiegt die vernichtete Natur nicht auf“, meint der BIEF-Initiator.

Fotowettbewerb „BIEF beauty“

Der Abend in Oer-Erkenschwick

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