Mähroboter im Garten

Die Gefahr kommt lautlos – Zahl verletzter Igel steigt im Ostvest

Igelhilfe, Tierschützer und Tierärzte schlagen Alarm. Immer häufiger werden verletzte Igel gefunden, die Opfer eines Mähroboters wurden. Nur wenige Tiere überleben.
Sieht idyllisch aus, kann aber schnell zur tödlichen Gefahr werden: Igel laufen auf der Suche nach Futter im Garten über die Wiese. Wenn es schlecht läuft für sie, begegnen sie dabei einem Mähroboter. Wer Igeln helfen möchte, sollte seinen Garten möglichst naturnah gestalten, eine wilde Ecke anlegen oder auch ein selbst gebautes Igelhaus aufstellen. © picture alliance/dpa

Anton steht für zahlreiche stachelige Unfallopfer. Dass der Igel seine Begegnung mit dem Mähroboter überlebt hat, das grenzt an ein Wunder. Von seinem Schicksal berichtet Alina Drozdziol aus Waltrop, die sich in einer Igelhilfe im Ostvest engagiert, und an alle Gartenbesitzer appelliert, beim Einsatz von Mährobotern vorsichtig zu sein.

Denn wie bei Igel „Anton“ laufen die Unfälle im Garten immer ähnlich ab: Der Igel läuft über eine Wiese auf der Suche nach Nahrung, und dann passiert es. Ein Mähroboter erwischt den kleinen Kerl. Kopf und Pfoten werden verletzt. „Anton“ hat Glück, die Igelhilfe kümmert sich um ihn, und bringt ihn zu einem Tierarzt.

Oft sind die Verletzungen zu schwerwiegend

Wie in die Tierarztpraxis Auferkamp in Datteln. „Wer einen so verletzten Igel findet, der sollte ihn sofort zu einem Tierarzt bringen“, erklärt die Tiermedizinische Fachangestellte, Sabrina Orlob. Hier versuche man alles Erdenkliche, um das Igelleben noch zu retten. „Doch es ist sehr selten, dass sie überleben.“ Oft sind die Verletzungen einfach zu schwerwiegend.

Das weiß aus trauriger Erfahrung auch Ute Brinkmann vom Tierschutzverein Oer-Erkenschwick. Auch hier werden häufig verletzte Igel gemeldet. „Es werden leider immer mehr. In der letzten Woche wurde dem Tierschutzverein wieder einmal ein Roboter-Opfer angezeigt. Der arme Kerl hatte sich wohl schon länger mit den Verletzungen an Kopf und Beinen gequält und konnte nur noch erlöst werden. Völlig unnötiges Leiden, welches so leicht vermieden werden kann.“ Auch sie appelliert daher an alle Gartenbesitzer, Mähroboter nicht unbeaufsichtigt zu lassen, und in der Mittagszeit fahren zu lassen. Und nicht, weil es den Menschen dann weniger stört, in den Abendstunden.

Igel „Anton“ ist wieder auf dem Weg der Besserung, seine Kopfwunde, die ihm einn Mähroboter zufügte, heilt ab. © privat © privat

Massaker auf dem Rasen bleibt oft unbemerkt

Wenn sich Igel zur Nahrungssuche aufmachen, ruhen sie sich dabei gerne zwischendurch mal aus – sowohl tagsüber als auch nachts. „Und genau das wird ihnen zum Verhängnis!“, weiß Alina Drozdziol. Fast lautlos bahnen sich moderne Mähroboter den Weg durch den Garten und schneiden den Rasen raspelkurz. Oft tun sie ihr Werk in der Nacht. Und genau das wird Igeln zum Verhängnis. Diese Geräte erkennen Igel nicht als Hindernis, „und der Igel flüchtet nicht, sondern rollt sich einfach zusammen“, erklärt Drozdziol. Die Stacheltiere rollen sich bei Gefahr zu einer Kugel zusammen und erstarren für einige Minuten. Oft erleiden die Tiere durch die scharfen Messer massive Verletzungen. Oft bleibt das Massaker auf dem Rasen unbemerkt, da die Wildtiere sich ins Unterholz zurückziehen, um dort qualvoll zu verenden.

Ein Mähroboter fährt über eine Wiese. Die meisten Modelle arbeiten mit Stoßsensoren, doch auch die Schützen nicht vor Unfällen. © picture alliance/dpa © picture alliance/dpa

Igel schreien nicht bei Schmerzen

Igel tragen bei Begegnungen mit Mährobotern massive, meist tödliche Verletzungen davon, oft im Kopfbereich oder an den Füßen. „Wir haben in letzter Zeit viele, schwer verletzte Tiere gefunden. Igel schreien nicht bei Schmerzen.“ Für die wenigen Igel, die gefunden werden, kommt meist jede Hilfe zu spät. „Fliegen legen ihre Eier in die Wunden, Maden schlüpfen und fressen sich in den Igel, Dreck verschmutzt die Wunden“, weiß Orlob. Eine besonders hohe Gefahr besteht für Baby-Igel oder Nester. Diese werden, sobald sie mit den scharfen Klingen in Berührung kommen, gnadenlos zerhackt.

All das kann verhindert werden. Mit etwas Vorsicht bei der Gartenarbeit, sagt Igelexpertin Drozdziol. Deshalb sei es wichtig, dass der Mensch vor jeglichen Gartenarbeiten alle zu trimmenden Stellen auf schlafende Igel und andere Tiere kontrolliere. Drozdziol von der Igelhilfe Stachelherz: „Am besten ist es, wenn man zudem noch eine Apfelschürze, eine spezielle Schutzvorkehrung, an den Rasenmäher anbringt und den Mähroboter ausschließlich tagsüber arbeiten lässt. Bitte nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, vor der Gartenarbeit in alle Ecken und unter alle Büsche zu schauen, ob sich darin Igel oder andere Tiere befinden.“ Und wer noch ein bisschen mehr machen möchte, der belässt einen Teil des Gartens wild, um zusätzlich einen wichtigen Beitrag zur Insektenpopulation beizutragen. Daran freuen sich Mensch und Igel gleichermaßen.

Thunfisch als Leckerbissen
  • Die Igel (Erinaceidae) gehören zu den Säugetieren. Erwachsene Igel haben 6000 bis 8000 Stacheln, mit denen sie sich zusammengerollt gegen ihre Feinde wehren. Igel werden bis zu 32 Zentimeter lang. Je nach Jahreszeit und Alter bringen sie zwischen 450 und 1500 Gramm auf die Waage.
  • Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv und haben besonders Käfer, Larven, Regenwürmer, Ohrwürmer, Schnecken, Tausendfüßer sowie Spinnen zum Fressen gerne. Besondere Leckerbissen sind Katzentrockenfutter, Thunfisch, hartgekochtes Ei oder Hackfleisch mit Haferflocken. Milch und Sahne mögen sie zwar auch, sollten aber lieber nicht in den Napf kommen, denn die bekommt gerade kränkelnden Tieren nicht. Sie bekommen Durchfall.
  • Spätestens im Herbst müssen sich Igel Fettreserven für den Winterschlaf anfuttern, daher kann man ihnen dann auch am Tag begegnen. Bringen Jungigel Anfang bis Ende November weniger als ein Pfund auf die Waage, gelten sie als hilfsbedürftig.
  • Sind die Igel im November fett und müde und sinken die Bodentemperaturen auf den Gefrierpunkt, suchen sie ein Winterquartier auf. Igel sind dankbar für jede unaufgeräumte Ecke im Garten, denn Laub-, Gestrüpp- und Reisighaufen, Holzstapel oder Hecken sind ihre Lieblingsplätze.
  • Während des Winterschlafes kühlt ihr Körper bis auf fünf Grad ab, sie atmen nur viermal pro Minute und ihr Herz schlägt ganz langsam. So verbrauchen sie sehr wenig Energie, trotzdem verlieren sie 20 bis 40 Prozent ihres Körpergewichts. Ihr Winterquartier nutzen sie bei Schlechtwetterperioden bis in den Mai – bis es wieder warm ist und das Insektenbufett reich gedeckt…

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