Not ist groß

Drama um zwei Katzenladys – Tierschützer suchen Paten

Unermüdlich sind die Ehrenamtlichen des Tierschutzvereins Oer-Erkenschwick für Notfellchen im Einsatz. Doch in der Coronakrise geht den Tierschützern das Geld aus.
Die Tierschützer hoffen darauf, für Katzendame „Nonna“ einen Paten zu finden. Sie erholt sich von einer Operation. © privat

Es ist kein gewöhnliches Jahr für die Aktiven des Tierschutzvereins Oer-Erkenschwick. Zwar hält sich die Anzahl der Tiere in Grenzen, aber dafür bringt fast jeder Vierbeiner gesundheitliche ‚Baustellen‘ mit. Vorsitzende Ute Brinkmann: „Das Jahr 2021 trägt schon eine Überschrift: ‚Das Jahr der Sorgenkinder‘.“

Die wollen versorgt werden und sorgen für „schwarze Löcher“ in der Tierschutz-Kasse. Doch darin herrscht Ebbe. Wie so vielen anderen Vereinen sind auch den Tierschützern in der Coronakrise viele wichtige Einnahmequellen weggebrochen. Zuletzt konnten sich die Tierschützer über eine Spende der Sparkasse Vest freuen. Bereits im Frühsommer riefen die Tierschützer um Hilfe und baten um Spenden. Dass der Tierschutzverein offensiv um Spenden wirbt, das kommt eigentlich nicht vor. Doch die Not ist zu groß – bei den Tierschützern und ihren tierischen Schützlingen.

Die Geschichte von zwei dieser Samtpfoten macht die Tierschützer derzeit wütend und fassungslos. „Wir hoffen auf ein Happy End“, sagt Ute Brinkmann, und sucht nun Paten für „Nonna“ (geboren ca. 2011) und „Nanuk“ (geboren ca. 2014) – die Namen wurden geändert, damit keine Rückschlüsse auf die Beteiligten gezogen werden können.

Als das Frauchen von „Nonna“ und „Nanuk“ verstarb, drohten sie obdachlos zu werden. „Ein Angehöriger wandte sich an uns“, berichtet Brinkmann. Viel wusste er nicht zu den beiden schwarzen Ladys. Sie sollten kastriert sein. Die Zeit drängte, „und so nahmen wir, der Tierschutzverein, diese beiden liebenswürdigen Katzen-Omis auf“.

Kuschelkörbchen der Katzen war blutverschmiert

Doch keine 48 Stunden später dann der Schock für die Tierschützer: Das Kuschelkörbchen der Katzen war blutverschmiert. „Natürlich fiel unsere ‚Entdeckung‘ auf einen Samstag.“ Die Tierschützer haben einen großen Erfahrungsschatz, und die Symptome ließen auf eine Gebärmutterentzündung schließen – eigentlich unmöglich, sollten die Miezen doch kastriert sein. Es sollte aber nicht die letzte Überraschung bleiben…

Da sich im Verlauf des Wochenendes die Gefahr einer Sepsis erhöhte, brachten die Tierschützer die Tiere am Sonntag in die Klinik, zur Not-OP. „Nein, wir waren nicht panisch und übervorsichtig. Uns wurde vom Operateur bestätigt, dass es gut und lebensrettend war, nicht bis zum Montag gewartet zu haben“, sagt Brinkmann.

Die Tierschützer informierten den Angehörigen, „der uns die Tiere mit der Zusicherung der Kostenübernahme übereignet hatte“. Die Reaktion: „Es habe doch wohl eine günstigere Lösung gegeben.“

Katzendame „Nanuk“ benötigt Medikamente und Spezialfutter. © privat © privat

Angehöriger verwehrt Kostenübernahme

Während sich „Nonna“ von ihrer Operation erholte, fiel „Nanuk“ durch eine abnorme Fressgier auf. Entwurmt war sie inzwischen. Die Untersuchung ihres Blutes im Labor zeigte extrem schlechte Werte. Medikamente und Spezialfutter standen nun auf ihrem Speiseplan. „Zwischenzeitlich wurde uns von dem Übereignenden sehr deutlich erklärt, dass aus bestimmten Gründen keine Kostenerstattungen erfolgen werden. Diese Gründe werden derzeit rechtlich geklärt. Aber selbst, wenn die Rechtslage pro Kostenerstattung sprechen sollte, wird praktisch voraussichtlich dennoch kein Cent fließen.“

Paten für Katzendamen gesucht

Eigentlich hatte sich der Tierschutzverein dazu entschlossen, keine Patenschaften mehr zu vergeben. Ute Brinkmann: „Aber bei diesen beiden Damen möchten wir eine Ausnahme machen.“ Die Not ist einfach zu groß. Die Tierschützer suchen Tierfreunde, die mit finanzieller Unterstützung die Versorgung mit Spezialfutter (erhöhte Leberwerte) und Medikamenten (Schilddrüse) sowie Untersuchungen sicherstellen. Gesucht werden aber auch Menschen, die sie regelmäßig besuchen, und ihnen Zuwendung schenken. Ute Brinkmann: „Natürlich suchen sie ein liebevolles Zuhause, in dem zwei sehr liebenswerte Katzen einen glücklichen Lebensabend verbringen dürfen.“

  • Tierschutzverein Oer-Erkenschwick, An der Feuerwache 12,
    E-Mail: kontakt@tierschutzverein-oe.de, Tel. 02368-692855
  • Tierschutzverein Oer-Erkenschwick e.V.:
    IBAN: DE85 4265 0150 0008 2628 26
  • Öffnungszeiten: montags von 10 bis 12 Uhr, samstags von 15 bis 17 Uhr

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