Bürgerbüro

Erst Fingerabdruck – dann gibt‘s den neuen „Perso“

Für neue Personalausweise gilt eine neue Regelung. Antragsteller müssen jetzt Fingerabdrücke abgeben. Die notwendigen Scanner sind schon länger im Bürgerbüro des Rathauses im Einsatz.
Der Fingerabdruck soll die Fälschungssicherheit des Personalausweises erhöhen - und ist ab sofort Pflicht. © picture-alliance/ dpa

Seit dem 2. August 2021 ist die Abgabe von zwei Fingerabdrücken Pflicht. Die neuen Personalausweise enthalten einen elektronischen Chip, der sie speichert. Diese Verordnung kommt von der Europäischen Union. Damit soll die Fälschungssicherheit des Personalausweises erhöht werden.

Oft merken Bürgerinnen und Bürger erst kurz vor dem Urlaub, dass der Personalausweis abgelaufen ist. Laut Peter Raudszus, Pressesprecher der Stadtverwaltung Oer-Erkenschwick, führt dies gerade in der Urlaubszeit zu einem erhöhten Terminaufkommen im Bürgerbüro. Dort besteht schon seit längerer Zeit auf freiwilliger Basis die Möglichkeit, Fingerabdrücke abzugeben. Wer jetzt einen Personalausweis beantragt, der muss zunächst ein biometrisches Foto beibringen. Vorgeschrieben sind etwa die Fläche des Fotos, die Haltung des Kopfes und der Gesichtsausdruck.

Scanner erfassen die Fingerabdrücke

Seit Anfang August sind Fingerabdrücke des linken und rechten Zeigefingers vonnöten. Erfasst werden die Abdrücke mit Scannern, die die Abdrücke digitalisieren. „An den Arbeitsplätzen im Bürgerbüro sind diese Scanner schon länger vorhanden“, berichtet Peter Raudszus. Beschwerden von Bürgerinnen und Bürgern wegen der Abgabe ihrer Fingerabdrücke habe es nach den Ausführungen von Peter Raudszus bislang nicht gegeben.

Im Bürgerbüro steht aber auch eine „Speed-Capture-Station“ zur Selbstbedienung bereit. Das Gerät ist in der Lage, die notwendigen Daten für einen Personalausweis zu erfassen: Es schießt ein biometrisches Foto, nimmt Fingerabdrücke ab. Für diesen Service werden sechs Euro berechnet.

Apropos Kosten und Gültigkeit: Der Personalausweis von Antragstellern, die das 24. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, ist sechs Jahre gültig und kostet 22,80 Euro. Ab dem 24. Lebensjahr ist der „Perso“ für die Dauer von zehn Jahren gültig. Dafür sind dann 37 Euro fällig.

Bundesdruckerei fertigt Personalausweise an

Angefertigt werden auch die Personalausweise von Oer-Erkenschwickerinnen und Oer-Erkenschwickern in der Bundesdruckerei in Berlin. Die Drucker in der Hauptstadt hatten gerade im Juli zahlreiche Aufträge aus der Stimbergstadt abzuarbeiten. Denn wie bereits eingangs erwähnt, hat das Bürgerbüro in der Urlaubszeit reichlich Ausweis- und Passangelegenheiten abzuwickeln. Peter Raudszus nennt die Zahlen für den vergangenen Juli: Danach sind 349 reguläre Personalausweise beantragt und ausgestellt worden. Hinzu kommen 88 vorläufige Ausweise und 90 Reisepässe.

Vor diesem Hintergrund rät Peter Raudszus, auf das Gültigkeitsdatum von Ausweisen und Pässen zu achten und frühzeitig vor dessen Ablauf einen Termin beim Bürgerbüro auszumachen. Dann kann es auch entspannt in den Urlaub gehen.

Ausweispflicht für deutsche Staatsbürger

In Deutschland muss jeder deutsche Staatsbürger mit Beginn des 16. Lebensjahres einen Personal- oder Reisepass besitzen. Das Bundesinnenministerium (BMI) macht klar, „dass nur staatliche Stellen zur Nutzung der biometrischen Daten berechtigt sind“. Dazu zählen etwa Polizei, Zoll, die Steuerfahndung der Länder sowie Personalausweis-, Pass- und Meldebehörden. Bestehen Zweifel an der Identität einer Person, können „nur Sicherheitsbehörden der EU-Mitgliedstaaten die Fingerabdrücke aus dem Personalausweis für Identifizierungszwecke auslesen“, so das BMI. Kritiker befürchten, dass sich kriminelle Computer-Hacker oder Nicht-EU-Staat der biometrischen Daten bemächtigen könnten. Der Verein „Digitalcourage“ etwa ist grundsätzlich gegen biometrische Fotos und Fingerabdruck-Pflicht: „Unsere Würde wird angegriffen, wenn wir behandelt werden wie Kriminelle – wir halten dieses Gesetz daher für verfassungswidrig. Die zwangsweise und anlasslose Abgabe von biometrischen Daten entspricht nicht den Werten von Rechtsstaaten und Demokratien, sondern der Kontrollsucht von Polizeistaaten.“

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